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Montag, 12.11.2012

Sehen und gesehen werden

151 Hinweisschilder entlang der Autobahnen in Sachsen sollen den geneigten Fahrer auf touristische Ziele aufmerksam machen. Und 108 Antragsteller warten noch auf positiven Bescheid.

Von Carola Lauterbach

Dieser Schilderwald ist nur Fantasie. Aber neue Vorschriften erlauben künftig mehr als zwei Tafeln zwischen zwei Autobahnabfahrten. Antragsteller lassen sich diese Werbung für touristische Attraktionen bis zu 7.000 Euro kosten. Fotos/Montage: Wolfgang Wittchen
Dieser Schilderwald ist nur Fantasie. Aber neue Vorschriften erlauben künftig mehr als zwei Tafeln zwischen zwei Autobahnabfahrten. Antragsteller lassen sich diese Werbung für touristische Attraktionen bis zu 7.000 Euro kosten. Fotos/Montage: Wolfgang Wittchen

Fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn. Immer im Blick das Verkehrsgeschehen, natürlich. Und die Kilometerangabe auf den blauen Schildern, die uns zeigt, wie weit wir noch von unserem Ziel entfernt sind. Um Aufmerksamkeit heischen jedoch zunehmend jene braunen Tafeln mit weißer stilistischer Darstellung, deren Anliegen es ist, uns von der Autobahn hin zu touristischen Sehenswürdigkeiten zu locken und zu lenken.

Auf den Abschnitten der durch Sachsen führenden Autobahnen 4, 13, 14, 17, 38 und 72 stehen mittlerweile nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums 151 sogenannte „Unterrichtungstafeln über Landschaften und Sehenswürdigkeiten“. Das sind 56 mehr als vor fünf Jahren, der braune Schilderwald ist dichter geworden.

Längst sind aber noch nicht alle Begehrlichkeiten von Stadtverwaltungen, Einrichtungen, Vereinen oder Unternehmen nach solch einem attraktiv platzierten Achtungszeichen gestillt. Es liegen derzeit 108 Anträge vor. Sie sollen etwa auf den Bärwalder See und den Findlingspark aufmerksam machen oder auf die Bobbahn Altenberg, die Bierstadt Radeberg, den Mittelpunkt Sachsens, die Burg Stolpen oder das Militärhistorische Museum in Dresden. Ob es diese Schilder an den Autobahnen tatsächlich geben wird – und wenn ja, wann –, darüber befindet das neu gegründete Landesamt für für Straßenbau und Verkehr.

Anträge liegen teils zehn Jahre

Die Behörde entscheide über die Anträge „anlassbezogen“ und „unter Einbindung der für Tourismus zuständigen Stellen“, wie es heißt. Seit Inkrafttreten einer Verwaltungsvorschrift vom April letzten Jahres, mit der die bis dahin sehr restriktiven Vorgaben zum Aufstellen solcher Tafeln gelockert wurden, hat es offenbar noch nicht viele solcher Anlässe gegeben. Lediglich zwei Tafeln mit dem Motiv „Schwarzenberg – Perle des Erzgebirges“ sind seitdem nach Informationen des Wirtschaftsministeriums „verkehrsrechtllich an der A72 angeordnet worden“.

Es gibt Anträge, die bereits vor acht bis zehn Jahren gestellt – und bis heute nicht bewilligt wurden. Das betrifft Hinweise auf die „Alte Dresdner/Teplitzer Poststraße“ (ein Antrag des Vereins Kursächsische Postmeilensäulen), auf das Besucherbergwerk Felsendome Rabenstein (Antrag der gleichnamigen GmbH) und auf die Lößnitzgrundbahn (Antrag der Stadt Radeburg). Dass derartige Anträge trotz touristischer Bedeutsamkeit bislang nicht positiv entschieden wurden, habe seine Ursache in den bisherigen bundeseinheitlichen Richtlinien, die nur maximal zwei solcher Tafeln zwischen zwei Anschlussstellen zuließen, heißt es im Wirtschaftsministerium. Nunmehr stünden – sofern das technisch möglich ist – bis zu vier Standorte zwischen zwei Anschlussstellen für das Aufstellen von Tafeln zur Verfügung. Damit könnten auch die sehr alten Anträge bearbeitet werden.

Der Präsident des Landestourismusverbandes Sachsen, Andreas Lämmel, wünscht ein transparentes und zügiges Verfahren, bei dem die Fachkompetenz der Touristiker im Land sowie vor Ort einbezogen wird. „Touristische Hinweisschilder entlang der Bundesautobahnen öffnen die Augen für Ausflugsziele, die vielleicht noch nicht jeder kennt, die aber einen Abstecher wert sind“, erklärt er. Insofern ermöglichten die neuen Richtlinien endlich eine verstärkte touristische Hinweisbeschilderung. Dass sich der Aufwand lohne, zeigten die Ergebnisse des Wirtschaftsfaktors Tourismus, so Lämmel. „Knapp 17 Millionen Gästeübernachtungen tragen hier immerhin zu 7,2 Milliarden Euro Umsatz im Jahr bei und sichern damit 217.000 Menschen in Sachsen Beschäftigung.“