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Freitag, 18.03.2016

Schnellkurs Polizist

Seit mehreren Wochen läuft die Ausbildung zur Wachpolizei in Bautzen. Ein hartes Stück Arbeit.

Von Jana Ulbrich

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Üben für den Einsatz: Eric Michael (vorn) will Wachpolizist werden. Der 28-Jährige und seine Mitschüler trainieren hier gerade das Durchsuchen von Personen nach Waffen und scharfen Gegenständen. Die zwölfwöchige Ausbildung an der Bautzener Polizeischule ist hart.
Üben für den Einsatz: Eric Michael (vorn) will Wachpolizist werden. Der 28-Jährige und seine Mitschüler trainieren hier gerade das Durchsuchen von Personen nach Waffen und scharfen Gegenständen. Die zwölfwöchige Ausbildung an der Bautzener Polizeischule ist hart.

Beine breit, Arme an die Wand! Unsanft drückt Eric Michael den Nacken seines Mitschülers nach unten. „Durchsuchen nach Waffen und scharfen Gegenständen“ heißt die Aufgabe, die Eric Michael und die anderen hier gerade in Dreiergruppe üben. Einer spielt den Täter, einer sichert, einer durchsucht: Arm, Achselhöhle, Hals, Oberkörper. „Ich fasse ihnen jetzt in den Schritt“. Angenehm ist das nicht gerade. Muss aber sein – und gehört dazu, wenn man Wachpolizist werden will.

Eric Michael ist einer der ersten 50 Wachpolizisten, die an der Bautzener Polizeifachschule gerade in Rekordzeit ausgebildet werden. In nur zwölf Wochen müssen sie alles draufhaben, was sie später brauchen für ihren Job: Rechtskenntnisse, Psychologisches, interkulturelle Kompetenz, Gesellschaftskunde, Erste Hilfe, Schießen, Selbstverteidigung, Fitness, Polizeiarbeit. Neun Unterrichtseinheiten jeden Tag. Mit Ausbildern, die alles fordern.

„Die Leute müssen körperlich absolut fit sein“, verlangt Polizeitrainer Torsten Kosuch und erklärt seinen Schülern schon mal, dass die paar Sportstunden im Unterrichtsplan noch längst nicht ausreichen, um den Körper genügend zu stählen. „Das ist kein Zuckerschlecken hier“, sagt der Ausbilder. „Drücken gibt’s nicht. Ich will Härte und Leistung sehen.“

Die Hälfte ihrer Ausbildung haben die ersten angehenden Wachpolizisten geschafft. Von den 50 Anwärtern auf den Job sind noch 49 dabei. Ein einziger ist bisher ausgeschieden, aber nur, weil er einen Ausbildungsplatz für eine reguläre Polizeilaufbahn in Baden-Württemberg bekommen hat. Alle anderen bleiben tapfer bei der Stange. „Sie sind hoch motiviert“, lobt Ausbilder Kosuch. Das schätzt er an den jungen Leuten. „Die wissen, was sie wollen“, sagt er. Fast alle Bewerber hoffen, über die Wachpolizei später in die reguläre Polizeilaufbahn einsteigen zu können. Innenminister Markus Ulbig hat ihnen diese Option ausdrücklich in Aussicht gestellt. Auch für den gelernten Dachdecker Eric Michael ist das das Ziel. Er will seine Chance nutzen. „Das ist doch ein spannender Job“, sagt er, „aber auch ein ziemlich harter.“

Härter muss er jetzt auch beim Durchsuchen vorgehen. Das erklärt ihm jetzt gerade der Ausbilder. „Was machen Sie denn, wenn der Täter sich plötzlich wehrt?“, fragt Torsten Kosuch. Also noch einmal von vorne. Und richtig ran jetzt an den Mann. Das ist wirklich kein Zuckerschlecken. Und ganz schön warm ist es inzwischen auch in der schwarzen Polizeimontur und den schnitt- und stichhemmenden Durchsuchungshandschuhen.

550 Wachpolizisten will der Freistaat jetzt nacheinander in Bautzen ausbilden. Den ersten 50 werden vierteljährlich jeweils 100 folgen. Die ersten beginnen – wenn sie alle Prüfungen bestehen – am 1. Mai ihren Dienst in den Polizeidirektionen Leipzig und Dresden. Sie werden keine Polizeibeamten, sondern Angestellte sein – für monatlich rund 1 500 Euro netto. Die Wachpolizisten werden im Objekt- und Personenschutz für Bewachungsaufgaben eingesetzt. Sie dürfen nur unter Führung eines Polizeibeamten agieren und haben auch weniger Befugnisse als ein Polizist.

Die Stellen sind dennoch sehr gefragt. Knapp 2 700 junge Männer und Frauen zwischen 18 und Mitte 30 haben sich bisher beworben, unter ihnen auch 115 bei der Polizeidirektion Görlitz. Für die Landkreise Bautzen und Görlitz sind insgesamt 40 Wachpolizisten vorgesehen. Ihre Ausbildung beginnt im November 2016 und im Februar 2017 mit jeweils 20 Schülern. Der erste Lehrgang, zu dem auch Eric Michael gehört, wird dann schon ein halbes Jahr Dienstzeit hinter sich haben.

Im April beginnen die Prüfungen – schriftlich und mündlich in allen Fächern. Gesondert müssen die Auszubildenden zuvor nachweisen, dass sie den Einsatz des Mehrzweckstocks und der Schusswaffe sicher beherrschen. Vor allem das Tragen einer Waffe ist umstritten. Kritiker fragen, ob die künftigen Wachpolizisten nach so kurzer Ausbildungszeit tatsächlich in der Lage sind, eine scharfe Waffe sicher führen zu können.

Für Lehrgruppenleiter Torsten Kosuch ist das eindeutig: Die Ausbildung an der Waffe nimmt einen großen Teil des Pensums ein, das die Teilnehmer absolvieren müssen, sagt er. Wer hier durchfällt, wird zur Abschlussprüfung gar nicht erst zugelassen. Der Maßstab sei derselbe wie bei der regulären Polizeiausbildung.

Eric Michael schwitzt. Die Ausbildung zum Wachpolizisten ist hart – blaue Flecken inklusive. Der 28-Jährige ist jetzt dran, sich von den anderen beiden an die Wand drücken und durchsuchen zu lassen. Es gibt da wirklich Angenehmeres.

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Dresdner

    Frau Ulbrich, sollte es nicht tatsächlich „Durchsuchen nach Waffen und GEFÄHRLICHEN Gegenständen“ heißen?

  2. Pauli

    @1. Hatte da nicht mal ein Komiker gesagt: Würde ich auf den Flughäfen der Welt nicht ständige nach Waffen durchsucht, hätte ich gar kein Sexualleben mehr. SWE....

  3. Jochen Riedrich

    Was bleibt, ist wieder einmal die Erkenntnis, das Sachsen einen Schnellschuss ohne Grund losgelassen hat, der Steuergelder verbrennt und die "richtige" Polizei mehr belastet als entlastet. Hier werden bewaffnete "Minirambos" gezüchtet, die bestimmt nicht ohne Grund bei den regulären Aufnahmetest durchgefallen sind und jetzt öffnet man hier Hintertürchen und senkt so mit wollen und wissen bewußt das Niveau bei der Polizei. Es ist schon traurig, was dieser Landtag und die Regierung hier so zusammenstümpert.

  4. Ali B.

    Da kann einem Angst und Bange werden. Nach bereits 12 Wochen lässt man diese ewigen Polizeipraktikanten auf die Öffentlichkeit los. Selbst in den USA benötigt man 17 Wochen bis zum FBI-Agenten. Mal sehen wie lange es dauert bis es hier die ersten gesetzeswidrigen Übergriffe dieser Amateurtruppe geben wird.

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