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Donnerstag, 07.11.2013

Schmilkas Zorn

Seit 24 Jahren betreibt Familie Fuhrmann einen Imbisswagen in dem Ort. Jetzt soll er weg. Der Protest dagegen ist deutlich größer als der kleine Ort selbst.

Von Heike Wendt

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So ja wohl nicht! Imbissbetreiberin Romy Fuhrmann mit den Unterschriftenlisten ihrer Unterstützer.
So ja wohl nicht! Imbissbetreiberin Romy Fuhrmann mit den Unterschriftenlisten ihrer Unterstützer.

© Dirk Zschiedrich

Wer in Schmilka aus dem Zug steigt und mit der Fähre über die Elbe setzt, kommt zwangsläufig am Imbisswagen von Romy Fuhrmann vorbei. Dort gibt es Pommes und Schnitzelburger. Viel öfter aber wird nach dem Weg, den Fährzeiten oder dem Zugfahrplan gefragt. Das macht den Verkaufswagen seit Jahren aus. „Wer bei uns arbeitet, muss sich in solchen Dingen auskennen. Schließlich wollen wir für die Touristen da sein“, sagt Romy Fuhrmann.

Jetzt soll ihr Imbisswagen, der seit 24 Jahren am Platz steht, weg. Die Stadt hat den Betreibern den Pachtvertrag gekündigt – und es regt sich Unwillen. Etwa bei Ursula Rittner, die in dem Örtchen wohnt. „Es muss auch Angebote für das kleine Portemonnaie geben“, sagt sie. Mit ihren vier Kindern war sie oft unterwegs in der Sächsischen Schweiz. In teure Restaurants zu gehen, das könne sich nun mal nicht jeder leisten. Da sei sie über preiswerte Speisen froh gewesen. Ursula Rittner ärgert sich.

Die beiden stehen mit ihrer Meinung nicht allein. „Über 700 Unterschriften für die Erhaltung unseres Imbisswagens haben wir gesammelt“, sagt Romy Fuhrmann. 700! Das sind ungefähr zehnmal so viele wie Schmilka Einwohner hat. Die Unterschriften-Listen sind Seite für Seite in Plastikfolie gepackt. Kein Name und keine Adresse soll verloren gehen. Im vergangenen Monat hatte Familie Fuhrmann die Blätter ausgelegt, auf der Fähre und am Imbissstand. Schnell waren die Unterschriften zusammengekommen.

Mit der Kündigung des Pachtvertrages beruft sich Bürgermeister Andreas Eggert auf einen Stadtratsbeschluss. Der wurde vor seiner Amtszeit, die 2001 begann, gefasst. Das Papier besagt, dass in Bad Schandau nur aus festen Gebäuden verkauft werden soll. In seiner Amtszeit habe Eggert entsprechende Anfragen abgelehnt. Der Imbiss in Schmilka wurde bisher verschont. Jetzt wird das Café Richter, direkt neben dem Imbisswagen, saniert. Und der Standort soll aufgewertet werden, heißt es. Deshalb soll es den mobilen Wagen nicht mehr geben.

Bad Schandaus Stadträte teilen nicht alle diese Meinung. „Ich finde es nicht verkehrt, wenn der Imbiss in Schmilka bleibt“, sagt Jürgen Kopprasch, Fraktionsvorsitzender der Wählervereinigung Tourismus. Rucksacktouristen, die schnell zur Fähre wollen, sollten schon die Chance haben, schnell noch ein Eis zu essen.

Für das Stadtbild von Bad Schandau, zu dem Schmilka gehört, sei die Verbannung von mobilen Verkaufsständen in Ordnung. In Schmilka aber müsse das nicht gleichermaßen gelten. Die Unterschriftenliste soll nun an den Bürgermeister übergeben werden. Nächsten Dienstag darf Frau Fuhrmann im Rathaus vorsprechen. „Ich habe eine ganze Menge Fragen an Herrn Eggert“, sagt sie.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

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  1. Werner Conrad

    In so einem Fall muß man immer fragen: "Wer hat den Vorteil davon und wer im Stadtrat ist mit diesem verwandt oder verschwägert?"

  2. Birgitt

    Ich möchte Frau Fuhrmann viel Erfolg mit Ihrer Argumentation bei Herrn Eggert und dem Bad Schandauer Stadtrat wünschen. Auch ich wünsche mir, dass der Imbisswagen weiterhin für die Touristen bereitsteht. Er gehört einfach zu Schmilka! Grüße nach Schmilka von Birgitt

  3. Ed

    " 700! Das sind ungefähr zehnmal so viele wie Schmilka Einwohner hat." Schmilka hat 70 Einwohner, ist klar. "Das Papier besagt, dass in Bad Schandau nur aus festen Gebäuden verkauft werden soll" Hä? Schon traurig sowas ...

  4. Jens

    Ich wünsche dem Kiosk und seinen Betreibern noch lange , lange einen festen Platz am Elbeufer in Schmilka!Wenn ich von Dresden in die sächs. Schweiz radel sind für mich genau solche kleineren Verweil-Möglichkeiten die Richtigen!ALLES GUTE!

  5. Roba

    Man kann ja Nichts gegen diese Art der individuellen "Wirtschaftsförderung" der sz haben; aber warum fehlt jeder Hinweis darauf, dass Frau Fuhrmann in relativ unmittelbarer Nähe zum Imbisswagen auch das "Fuhrmann´s - Elbcafe" betreibt? Mal gespannt, ob dieser Kommentar in ständig lesbarer Weise eingestellt wird, oder ob er, der neueren Praxis der sz entsprechend, mal auftaucht und mal nicht.

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