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Dienstag, 16.11.2010

Scherben in der Porzellan-Manufaktur ärgern die Meißner

Die Meißner Manufaktur hat ihr eigenes Porzellan zerschlagen. Ein Marken- Experte verteidigt jetzt die Nacht-und-Nebel-Aktion.

Von Peter Andersonund Nicole Preuß

Trotz des öffentlichen Interesses schweigt die Meißner Porzellan-Manufaktur weiter beharrlich zum Zerschlagen ihrer Porzellan-Lagerbestände. Mitte Oktober hatten Mitarbeiter auf dem Werksgelände in einer Nacht-und-Nebelaktion Porzellan zerschlagen. Dass die Weisung dafür aus der Chefetage kam, bestätigte der Manufaktur-Aufsichtsratsvorsitzende und ehemalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf am Wochenende der Morgenpost am Sonntag. „Der Aufsichtsrat hat die Maßnahme einstimmig beschlossen. Die Manufaktur hat sich von unverkäuflichen Produkten getrennt“, sagte er.

Ob das Porzellan fehlerhaft war oder einfach nur altmodisch, blieb bisher im Dunkeln. Ohrenzeugen wollen gehört haben, wie Skulpturen mit einem Hammer zerschlagen wurden. Auch Teller und Tassen sollen bei der Aktion zu Bruch gegangen sein. Der Meißner Fernsehfilmer Matthias Heigl war am fraglichen Abend vor der Manufaktur. Er sah, wie ein 20 Kubikmeter fassender Container auf das Werkgelände gefahren wurde. Kurz darauf hörte er Poltern.

In Meißen traf die Aktion bisher kaum auf Verständnis. „Die Zerstörung tut den Manufakturisten weh, und die Meißner schütteln nur den Kopf“, sagt Heigl. Oberbürgermeister Olaf Raschke, der auch im Aufsichtsrat sitzt, hat sich bisher nicht geäußert. Das sächsische Finanzministerium, dem die Manufaktur als Tochterfirma unterstellt ist, wollte zum Thema ebenfalls nichts sagen. Unerwartete Hilfe kam allerdings von einem Münchner Marken-Experten. Alexander Biesalski verteidigte am Montag die Scherben-Aktion. „Letztlich machen das alle großen Premiumanbieter. Es wird nur nicht publik“, sagte Biesalski auf SZ-Nachfrage. Das Vernichten von schwer- bis unverkäuflichen Produkten schütze die Marke und helfe damit, die Arbeitsplätze in der Manufaktur zu erhalten. Eine andere Möglichkeit sei, solche Bestände über Zweite-Wahl-Läden zu verkaufen. Dies müsse allerdings mit Bedacht geschehen, da sonst wiederum die Wertigkeit der eigenen Marke untergraben werde. Als gefährlich habe sich auch der Versuch erwiesen, Ladenhüter in einem Block außerhalb des Kernmarktes abzusetzen. Mit Meissener Porzellan sei das kaum machbar, da immer die Gefahr bestehe, dass die Produkte reimportiert würden und so den heimischen Markt zerstörten.

Andere Experten verurteilen die Aktion. Wenn Meißen seine eigenen Produkte zerstöre, werfe das auch ein schlechtes Licht auf die Situation der Manufaktur, hieß es.