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Mittwoch, 30.12.2015

Sachsens Winzer in Sektlaune

Es muss nicht immer Champagner sein: Wenn zum Jahreswechsel die Korken knallen, ist auch Winzersekt aus heimischen Trauben gefragt.

Von Christiane Raatz, Radebeul

Zumindest Silvester ist gesichert: Verkäuferin Doreen Engelmann mit einer Auswahl von Winzersekt in der Weinerlebniswelt Meißen.
Zumindest Silvester ist gesichert: Verkäuferin Doreen Engelmann mit einer Auswahl von Winzersekt in der Weinerlebniswelt Meißen.

© Andreas Weihs

Flaschendrehen gehört für Jürgen Aumüller zum Geschäft. Vorsichtig nimmt der Kellermeister und Chefwinzer des Staatsweinguts Schloss Wackerbarth die Sektflasche aus dem Rüttelpult, dreht sie ein wenig und stellt sie kopfüber zurück in das Holzregal. Jeden Tag gilt es im Keller des Radebeuler Weinguts Hunderte Flaschen per Hand nach einem genau festgelegten Schema zu drehen – vier Wochen lang. Erst dann lagert sich die Hefe wie feiner Sand im Flaschenhals ab. Eine Etage weiter oben wird die Hefe dann vereist und fliegt mit einem lauten Plopp aus der Flasche.

Zuvor wurden die Sekte mindestens neun Monate in Flaschen im Keller gelagert, manche sogar mehrere Jahre. Aumüller spricht bei dem Verfahren von der „klassischen Flaschengärung“, die heute noch wie vor fast 180 Jahren in Sachsen praktiziert wird.

1836 war es, als der französische Kellermeister Joseph Mouzon die Handwerkskunst aus der Champagne nach Radebeul brachte. Auch der sächsische Königshof fand rasch Geschmack an dem perlenden Getränk. Seit 1979 führt das Weingut Schloss Wackerbarth die Tradition der ehemaligen Sektkellerei Bussard fort – nach eigenem Bekunden die zweitälteste Sektkellerei Deutschlands. Im nächsten Jahr wird das Jubiläum zu 180 Jahren Sekt in Sachsen mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert.

Kerner, Riesling und Weißburgunder lagern in riesigen Edelstahltanks, diese Weinsorten nutzt Wackerbarth für seinen Sekt. „Wir wollen die besten Eigenschaften der verschiedenen Trauben miteinander vermählen“, so Aumüller. Etwa 250 000 Flaschen werden aus heimischen Trauben pro Jahr produziert – damit bewegt sich das Gut in einer Nische.

2014 wurden nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) bundesweit rund 8,5 Millionen Liter Winzersekt qualitätsgeprüft und abgefüllt. Am gesamtdeutschen Sektmarkt mit rund 305 Millionen Litern hat der Winzersekt nur einen geringen Anteil von rund zwei Prozent. Winzersekt gilt als Spezialität.

Bundesweit gibt es rund 4 660 amtlich geprüfte Winzersekte, besonders groß ist die Vielfalt in der Pfalz. In den Weinbaugebieten Sachsen und Saale-Unstrut sind es jeweils 17 verschiedene solcher Sekte, auch Rotkäppchen hat Premiumsekt im Angebot. 77 600 Liter Schaumwein wurden 2014 in Sachsen hergestellt.

Die Herstellung eines traditionell in der Flasche vergorenen Sektes erfordere handwerkliches Können, so der Vorsitzende des Weinbauverbandes Sachsen, Christoph Reiner. Immer mehr Winzer und auch kleinere Weingüter entdecken das perlende Getränk jedoch für sich. Das größte private Weingut, Schloss Proschwitz, stellt mittlerweile Traminer- und Frühburgunder-Sekt her. Bei der jüngsten Landesweinprämierung wurden insgesamt fünf sächsische Winzersekte mit Gold ausgezeichnet. Bei der Winzergenossenschaft Meißen, in der rund 1 500 Winzer und Mitgliedsbetriebe organisiert sind, macht Sekt schon fast zehn Prozent des Umsatzes aus.

Zahlreiche Winzer lassen ihre Sekte mittlerweile auf dem Weingut keltern, manche verkaufen auch ihre Grundweine an das Weingut. Für die meisten Winzer in Sachsen sei der Sekt von der Menge her nicht so bedeutend wie die Weine. „Aber es ist ein Stück Image“, sagt Schilg. Zudem bedeute Sekt, der teils über Jahre hinweg in den Kellern lagert, für viele Weinbauern ein zusätzliches Standbein. (dpa)

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