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Samstag, 19.03.2016

Sachsens FDP-Chef Zastrow trommelt für eine Rückkehr in den Landtag

Vor dem Landesparteitag am Wochenende melden sich aber auch parteiinterne Kritiker.

Von Gunnar Saft

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Der Sächsische Landtag in Dresden.
Der Sächsische Landtag in Dresden.

© Symbolfoto: dpa

Vor einer Woche konnte Holger Zastrow wieder triumphieren. Als die Liberalen am Wahlabend in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt scheinbar überall den Sprung in die Länderparlamente geschafft hatten, jubelte der Werbefachmann und sächsische Parteichef euphorisch: „FDP ist wieder zurück im Spiel!“

Leider gab es schon bald zwei Dämpfer. In Sachsen-Anhalt scheiterten die Liberalen in der Wahlnacht noch an der Fünf-Prozent-Hürde. Und auch in Sachsen bleibt für Zastrow und Co. alles wie gehabt. Seit die FDP hierzulande im Sommer 2014 nicht nur aus der Regierung, sondern auch aus dem Landtag flog, steht der Landesverband vor einer schweren Aufgabe. Es gilt, die Zeit bis zur nächsten Wahl 2019 so zu überbrücken, dass die eigenen Reihen zusammengehalten werden und man gleichzeitig dem Wähler wieder mehr Geschmack auf liberale Politik macht.

Doch schon bei der ersten Hürde wurde leicht gestrauchelt. Sachsens FDP, die zu ihren besten Zeiten 2 750 Mitglieder zählte, rutschte nach dem Wahldebakel erst einmal unter die 2000er-Grenze. Zuletzt kam es zu schmerzlichen Parteiaustritten. Auch Andreas Schmalfuß – einst Vizepräsident des Landtages und stellvertretender Landesvorsitzende wollte seiner Partei partout nicht länger durch die außerparlamentarischen Tiefen folgen.

Nichtsdestotrotz bemüht sich der Landesverband unter Weiterhin-Chef Holger Zastrow um so viel politische Normalität wie möglich. Dazu gehört an diesem Wochenende auch ein Landesparteitag in Neukieritzsch, der sich wieder vorrangig mit Sachthemen beschäftigt. Auf dem Programm stehen zwei Leitanträge zur Asyl- und Flüchtlingspolitik sowie zum Thema Familie. Im Vorfeld trommelt man schon wieder optimistisch. „Für den bundesweiten Wiederaufstieg werden wir aus Sachsen heraus unseren Beitrag leisten“, ist sich Zastrow sicher und kündigt an, dass sich die FDP als moderne Alternative zur „kraft- und ideenlosen Politik von Schwarz-Rot im Freistaat“ positionieren will.

Pünktlich vor Neukieritzsch melden sich aber auch die Kritiker zu Wort. So zeigt sich die Jungliberale Aktion unzufrieden, weil es der Sachsen-FDP nicht gelungen sei, „den Aufwind der Bundespartei auch nach Sachsen zu transportieren“. Der Parteinachwuchs drängt nun auf „etwas Neues“, lässt aber offen, ob er damit politische Themen oder auch neue Köpfe meint.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. der Herr...

    ...verschone uns vor diesen Selbstdarstellern. Zastrow und Co. hatten Ihre Chance und sie sind grandios gescheitert, weil sie meinten (und offenbar sind sie nicht einsichtig geworden), mit viel Gepolter und utopischen Vorstellungen den großen Wurf gemacht zu haben. Diese Realitätsverweigerung ist insbesondere bei Herrn Z. nicht gewichen.

  2. FDP-frei

    Bitte nicht. Das Volk leidet schon so genug.

  3. Wähler

    Die Pleite hat einen Namen: Holger Zastrow. So wie eine andere Politikerin keine Rücksicht auf ihre Partei nimmt, klebt Zastrow an seinem Parteivorsitz. Wie sonst sollte er seine private Agentur in die mediale Öffentlichkeit bringen? Neuanfang ohne Zastrow, dann hätten die Liberalen auch in Sachsen ein Chance.

  4. tschle

    Nach vergurkten Wahlen sind personelle Konsequenzen die Regel. Nach den letzten Wahlen hat Z. der Partei 2 weitere Jahre Lethargie verordnet. Die Idee der Liberalen ist gut. Die Partei wird auch Herrn Z. überstehen.

  5. Frank

    Wer bitte braucht noch Liberale? Die Gesellschaft verändert sich in atemberaubender Geschwindigkeit, nur bei den Parteien ist die Zeit stehengeblieben. Hier passiert momentan etwas, wo der Ausgang noch total offen ist. Vielleicht gibt es in 20 Jahren gar keine Parteien mehr, weil sie durch starke Bürgerbewegungen abgelöst wurden. Dann hätte Demokratie eine Chance.

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