erweiterte Suche
Sonntag, 27.04.2014

Sachsens FDP-Chef Zastrow: Niederlagen gehören zum Leben dazu

Die FDP ist nach der Schlappe bei der Bundestagswahl im Umbruch. Bei der Sachsen-Wahl am 31. August wollen die Liberalen erstmals wieder beweisen, dass sie doch noch große Wahlen erfolgreich bestreiten.

Von Jörg Schurig

2

Der Vorsitzende der sächsischen FDP, Holger Zastrow.
Der Vorsitzende der sächsischen FDP, Holger Zastrow.

© dpa

Dresden. Die FDP kommt am 10. und 11. Mai zum Bundesparteitag in Dresden zusammen. Nach dem Scheitern bei der Bundestagswahl fällt das Treffen weniger opulent aus - zumindest was das Rahmenprogramm anbelangt. Im dpa-Interview äußert sich der sächsische Partei- und Fraktionschef Holger Zastrow über den Zustand der FDP, ihre Zukunftsaussichten und eine neue liberale Bescheidenheit.

Unlängst hat die FDP bundesweit bei einer Umfrage wieder fünf Prozent erreicht. Wie bewerten Sie den Zustand der FDP?

Der Wiederaufstieg kostet Kraft und Zeit. Deshalb sind mir bundesweite Umfragen zum jetzigen Zeitpunkt egal. Wir haben eine schwierige Lage. Die FDP war bislang immer im Bundestag vertreten, die APO - die außerparlamentarische Opposition - kannte dort keiner. Die neue Parteiführung muss die FDP dort erst einmal verankern. Der Neuaufbau geht in Berlin gut voran. Wir sind damit beschäftigt, die FDP auf den APO-Modus umzustellen. Da wir weniger Geld haben, können wir uns frühere Strukturen nicht mehr leisten. Alles muss umgebaut werden, ein schwieriger Prozess. Das versucht (FDP-Chef) Christian Lindner zu machen. Da gibt es von mir nichts zu kritisieren. Man darf aber keine Wunder erwarten.

Sind Krisenzeiten nicht manchmal auch hilfreich?

Normalerweise ist das so. Aber die deutsche Gesellschaft geht leider oft unfair mit ihren Leistungsträgern um. Es gibt bei uns eine Tendenz zu einer gewissen Uniformität. Wer anders agiert, auch etwas riskiert, der wird meist gleich sehr kritisch beäugt. Und wenn jemand scheitert, wird das mit einem Schlussstrich gleichgesetzt und mit Häme kommentiert. In Ländern wie den USA gehört Scheitern dazu. Ich sehe Scheitern als Chance. Wer ein Land führen oder maßgeblich gestalten will, muss auch Niederlagen erleben. Das gehört zum Leben dazu. In unserer Kultur aber ist Scheitern nicht gestattet. Wir leben in einer Neidgesellschaft.

Wie will die FDP in den kommenden Jahren ihre Stimme in die politische Debatte einbringen?

Es gibt in der Öffentlichkeit keinen natürlichen Reflex mehr, sich für die FDP zu interessieren. Wir spielen in der aktuellen politischen Debatte auf Bundesebene kaum eine Rolle mehr, weil wir keine Stimme im Bundestag mehr haben. Entsprechend schwierig ist es, liberale Positionen - wie eine Entlastung der Berufstätigen - in die Debatte einzubringen. Christian Lindner und (Vize) Wolfgang Kubicki bemühen sich, aber es ist natürlich weniger als noch vor einem Jahr. Wir brauchen Zeit. Wichtig ist: Die Partei leidet nicht unter einer Austrittswelle, sie ist insgesamt ziemlich stabil. Die Überzeugung, dass wir wieder im nächsten Bundestag sitzen, ist riesig.

Wann wird die FDP wiedererstarken?

Deutschlandweit sicher erst zur nächsten Bundestagswahl. Jetzt gilt es erst mal, Landtagswahlen zu gewinnen. Die sächsische Landtagswahl ist die wichtigste Wahl dieses Jahres. Da gilt es die letzte schwarz-gelbe Regierung in Deutschland zu verteidigen. Wenn das gelingt, kommt das auch der Bundespartei zugute. Denn dann zeigen wir, dass man mit uns wieder rechnen muss. Auch für die Wahlen in Thüringen und Brandenburg können wir Impulse geben. Klar ist: Wir müssen über die Länder zurückkommen. Deshalb ist jede Landtagswahl für die FDP eine Chance, dem Wiederaufstieg ein Stück näherzukommen.

ZUR PERSON:

Holger Zastrow (45) führt die sächsische FDP seit 1999. Mit dem Wiedereinzug der Liberalen in den Landtag 2004 wurde er zugleich Fraktionschef. Im Mai 2011 wurde Zastrow stellvertretender Bundesvorsitzender der Liberalen. Im Dezember 2013 trat er nicht wieder an. Zastrow ist Mitinhaber einer Werbeagentur in Dresden. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Martin H.

    Ich wünsche Ihnen von ganzen Herzen das, was Sie als Chance begreifen: Die Chance zu Scheitern. Das wünsche ich Ihnen und der FDP in Sachsen. Ich war mal FDP-Wähler. Aber so verarscht wie von Westerwelle und von Ihnen bin ich mir noch nie vorgekommen. In Sachsen haben Sie Ihr Miniunternehmen dem Ministeramt vorgezogen. Und uns dafür den "Ausnahmepolitiker" Morlok eingebrockt. Der hat nichts, aber auch gar nichts für den Freistaat zustande gebracht. Und Westerwelle in der Bundespolitik war der gleiche Versager. Deshalb gilt für mich: Ich wähle in meinem ganzen Leben nie wieder FDP, da können Sie versprechen, was sie wollen. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. So wie mir geht es vielen Leuten. Deshalb werde ich es genießen, wenn die FDP den Lohn für ihre Arbeit bekommt und aus dem sächsischen Landtag fliegt. Dort sind sie genau so überflüssig wie die NPD.

  2. Ur-Loschwitzer

    @Martin: Ich habe die früher auch mal gewählt und schäme mich dafür auch. Das Problem ist: Die FDP treibt die Spaltung unserer Gesellschaft noch weiter voran und ist nur noch eine Klienten und Lobbyisten-Partei. Nichts für uns, die aus dem Osten sind und sich Gedanken darüber machen, wie wir verhindern können, dass die Gesellschaft nicht noch weiter auseinanderdriftet.

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.