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Mittwoch, 02.03.2016

Sachsen will weg vom Negativ-Image

Pegida, Übergriffe, Demonstrationen - Sachsens Ruf ist angekratzt. Mit neuem Konzept will der Freistaat bei der Internationalen Tourismusbörse in Berlin um Gäste werben - und setzt auf Natur.

Blick von einem Felsen in der Nationalparkregion Sächsische Schweiz zu den Schrammsteinen.
Blick von einem Felsen in der Nationalparkregion Sächsische Schweiz zu den Schrammsteinen.

© imago/Thomas Eisenhuth

Dresden. Sachsen will bei der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (9. bis 13. März) gegen sein derzeit negatives Image kämpfen und um neue Gäste werben. Der Tourismus sei ein wichtiger Wirtschaftszweig und ein Aushängeschild der Region, erklärte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Mittwoch. „Wir müssen alles dafür tun, diese wichtige Branche wieder zu stärken.“ Mehr als 30 Aussteller sollen Lust auf einen Besuch in Sachsen machen. Der diesjährige Auftritt in Berlin steht unter dem Motto „Sachsen - Spüre die Natur“ und stellt ländliche Regionen wie die Sächsische Schweiz in den Fokus.

Im vergangenen Jahr stagnierte mit 7,4 Millionen die Zahl der Gästeankünfte, die Übernachtungen gingen um knapp ein Prozent auf 18,7 Millionen zurück. Vor allem die Besucher aus dem Inland blieben aus (-1,4 Prozent bei Übernachtungen). Das Image von Sachsen habe durch die fremdenfeindlichen Übergriffe gelitten, so Dulig. Vor allem Dresden musste einen deutlichen Besucherrückgang hinnehmen. Das habe Auswirkungen auf die Tourismuszahlen im Freistaat. „Geht der Virus in Dresden um, bekommt ganz Sachsen die Grippe.“

Mit einem Jahresumsatz von rund 7,4 Milliarden Euro ist die Tourismusbranche ein wichtiger Wirtschaftszweig. Dulig warnte angesichts der jüngsten Vorfällen vor Konsequenzen: „Fremdenfeindlichkeit gefährdet Arbeitsplätze.“ Künftig will Sachsen für die eigene Vermarktung mehr Geld ausgeben. Im Doppelhaushalt 2017/2018 sind fast eine Million Euro mehr pro Jahr veranschlagt. Insgesamt stehen damit jährlich 9,35 Millionen Euro zur Verfügung.

Nach Angaben der Tourismus Marketing Gesellschaft (TMGS), die im Auftrag der Regierung das Reiseziel Sachsen in Deutschland und im Ausland vermarktet, soll vor allem im Ausland um Gäste geworben werden. Besonders der chinesische Markt erscheint vielversprechend. Die Zahl der Übernachtungen aus China stieg 2015 um knapp 27 Prozent. Darauf hat die TMGS etwa mit einer neuen chinesischsprachigen Website und Imagebroschüre reagiert.

Von einer speziell aufgelegten Imagekampagne nach den jüngsten fremdenfeindlichen Vorfällen hält TMGS-Geschäftsführer Hans-Jürgen Goller nichts. Stattdessen wollen die Touristiker verstärkt auf Aktivitäten wie Messe und Broschüren setzen. Für dieses Jahr gibt sich Goller vorsichtig optimistisch, dass wieder mehr Touristen nach Sachsen kommen. Darauf ließen zumindest anstehende Kongresse, der Deutsche Katholikentag in Leipzig sowie das Einheitsfest im Oktober schließen, hieß es. (dpa)