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Sonntag, 14.12.2014

Sachsen will einheitliche Bildungsstandards forcieren

Bildung ist Sache der Länder - die aber haben nichtsdestotrotz viele gemeinsame Interessen. Sachsen will den Vorsitz in der Kultusministerkonferenz nutzen, um noch stärker Standards durchzusetzen - nicht zuletzt im Interesse mobiler Familien.

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Die Ministerin für Kultus in Sachsen, Brunhild Kurth (CDU).
Die Ministerin für Kultus in Sachsen, Brunhild Kurth (CDU).

© Arno Burgi/dpa

Dresden. Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) übernimmt am 1. Januar den Vorsitz der Kultusministerkonferenz (KMK) und verweist auf die Bedeutung von Bildungsstandards in Deutschland. „Sie sind nötig, damit Kinder beim Umzug der Eltern in ein anderes Bundesland auf gleichem Niveau weiterlernen können“, sagte Kurth. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sprach sie über Schwerpunkte ihrer Arbeit im nächsten Jahr.

Sachsen hat erstmals seit der Wende den Vorsitz in der Kultusministerkonferenz. Welche Schwerpunkte möchten Sie setzen?

Die Konferenz ist wichtig, weil sie uns Gelegenheit gibt, fachlich in einen Austausch zu treten. Bildung ist bekanntlich Ländersache. Sachsen will die Vergleichbarkeit der Bildungsabschlüsse thematisieren. Auf dem Arbeitsmarkt wird heute Flexibilität gefordert, was den Familien mehr Mobilität abverlangt. Deshalb brauchen wir einheitliche Bildungsstandards in Deutschland. Sie sind nötig, damit Kinder beim Umzug der Eltern in ein anderes Bundesland auf gleichem Niveau weiterlernen können. Bildungsstandards sind ja bereits formuliert, sie müssen aber auch eingehalten werden.

Ist das auch ein Problem der verschiedenen Schulsysteme?

Nein. Wir müssen uns gar nicht darauf verständigen, alle einheitliche Schulformen zu haben. Das ist ja mehr eine ideologische Debatte. Wenn wir Standards setzen, heißt das nichts anderes, als dass der Schüler am Ende eines Schulabschnittes ein bestimmtes Wissen und bestimmte Fähigkeiten aufweisen muss. Man kann das mit Hochsprung vergleichen: Am Ende der vierten Klasse muss ich eine bestimmte Höhe überspringen können. Welche Technik ich dazu wähle, ist jedem selbst überlassen.

Wir sollten uns unter den Kultusministern einig sein, dass wir diese Standards nicht nur einhalten, sondern auch nach mehr Vergleichbarkeit streben. Das sind wir den Familien schuldig, die Mobilität zeigen müssen. Hier ist die Kultusministerkonferenz auf einem guten Weg.

2014 haben sechs Bundesländer erstmals einheitliche Prüfungsstandards beim Abitur genutzt. Ist das der richtige Weg?

Ganz klar ja. Das ist ein wichtiger Schritt zu mehr Vergleichbarkeit und damit höherer Chancengerechtigkeit für die Abiturientinnen und Abiturienten. Schüler aus Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Schleswig-Holstein haben zeitgleich vereinheitlichte Aufgaben in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch gelöst, wenn sie diese Fächer als Leistungsfach hatten. Jetzt gibt es zwei weitere Interessenten: Brandenburg und Bremen.

Die größte Herausforderung besteht darin, dass wir für die Prüfungen einen gemeinsamen Termin finden müssen. Das ist wirklich schwierig, denn die Tourismusindustrie verlangt einen möglichst breiten Korridor für die Ferien. Für mich ist aber zugleich das Signal wichtig, dass wir mit vergleichbaren Aufgaben das Niveau nicht senken.

Was bleibt in der Lehrerausbildung noch zu tun?

Die Ausbildung ist ein ganz entscheidender Faktor. Wir müssen Lehrer künftig in noch besserer Qualität ausbilden. Sie schaffen mit gutem Unterricht die Basis für ein bestmögliches Erreichen der Standards. Die Leistungen werden von Lehrern und Schülern gemeinsam erreicht. Deshalb darf die Lehrerausbildung an den Universtäten nicht das fünfte Rad am Wagen bilden. Ganz im Gegenteil: Sie muss in der Rangordnung ganz weit oben rangieren.

Gute Ausbildung sichert guten Unterricht. Das eine bedingt das andere. Wir brauchen Kontinuität und Verlässlichkeit, genau wie beim Schulsystem. Wer es häufig wechselt und experimentiert, verunsichert Schüler und Eltern und bindet bei den Lehrkräften unnötig Energien, die sie eigentlich für die pädagogische Arbeit brauchen.

ZUR PERSON: Brunhild Kurth (60) stand bis zur Wende als Lehrerin für Biologie und Chemie in Sachsen selbst vor Schulklassen. Nachher war sie unter anderem Leiterin des Gymnasiums Burgstädt und in diversen Positionen in der sächsischen Schulverwaltung tätig. Seit März 2012 amtiert sie als Kultusministerin in Sachsen. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Hansen

    "Für mich ist aber zugleich das Signal wichtig, dass wir mit vergleichbaren Aufgaben das Niveau nicht senken." Das ist das Allerwichtigste dabei. Nur wird es da wohl ein böses Erwachen in den (SPD-geführten) norddeutschen BL geben.

  2. RU

    Viel Erfolg, Frau Kurth, als Boss einer Kultusministerkonferenz, in der hochbezahlte Leute aus den wohldotierten Bildungsministerien von 16 Bundesländern endlose Diskussionen um an sich selbstverständliche Lösungen führen und am Ende Ergebnisse zustande bringen und stolz verkünden, die man gemessen an den Aufgaben eines modernen Bildungssystems nur als mickrig bezeichnen kann. Mal sehen, wie lange sich Deutschland diese uneffektive und teure Bildungs-Kleinstaaterei noch leisten will und kann. Wir brauchen nicht in allen 16 Bundesländern 16-mal die gleichen Strukturen für Lehrinhalte und -pläne, sowie für Lehrerausbildung. Die besten Leute aus all diesen Länderstrukturen könnten diese Aufgaben zentral viel konzentrierter, mit weniger Reibungsverlusten, nachhaltiger und nicht zuletzt auch billiger lösen. Vielleicht würde dann auch mal die Aufgabe gelöst, dass alle unsere Grundschüler ihre Ranzen wieder selbst tragen können, ... mit allen Büchern!

  3. wir

    Da waren wir in der DDR schon mal weiter. Aber was aus der DDR war wurde ja verteufelt. Aber es war nicht alles falsch. Diese Kleinstaaterei im Bildungswesen wird diesem Land über kurz oder lang das Genick brechen. Tut es ja schon.

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