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Sonntag, 05.03.2017

Sachsen revolutioniert den Bergbau

Sächsische Forscher entwickeln eine neue Form der Erzaufbereitung. Das bringt neue Chancen für die Lausitz und das Erzgebirge.

Von Stephan Schön

Forscher experimentieren mit Bakterien, um Technologien für die Aufbereitung von Metallen zu entwickeln.
Forscher experimentieren mit Bakterien, um Technologien für die Aufbereitung von Metallen zu entwickeln.

© HZDR/Frank Bierstedt

Dresden/Freiberg. Ausgerechnet Bakterien könnten in wenigen Jahren schon den Bergbau revolutionieren - und ihn grün machen, also ökologischer. Wissenschaftler des Helmholtz-Instituts Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) entwickeln derzeit gemeinsam mit chilenischen Partnern eine neue Technologie der Erzaufbereitung. Bisher nicht nutzbare Minerale sollen nutzbar werden, all das, was bisher im Gestein zu durchmischt und zu kleinkörnig vorkommt.

Das erste Testfeld für die neue Technologie sind Kupferminen in Chile. Unter praxisnahen Bedingungen wird dort entwickelt, was künftig ebenso im Lausitzer Kupfergebiet oder für die Erzlagerstätten, die Althalden im Erzgebirge und auch im Recycling Anwendung finden könnte.

„Das deutsch-chilenische Forschungsprojekt beginnt soeben und läuft vorerst drei Jahre. Es ist aber erst der Anfang“, berichtet Jens Gutzmer, Geologe, Ökonom und Direktor vom HIF, das zum Forschungszentrum Dresden-Rossendorf gehört. Das Erzgebirge ist immer noch voll mit Bodenschätzen. Doch niemand könne bisher an die meisten dieser Rohstoffe heran, zumindest nicht wirtschaftlich sinnvoll, sagt Gutzmer. Mit dem neuen Verfahren könnte sich genau das ändern. Bioflotation nennt sich dies. Bio, weil statt aggressiver Chemikalien für die Rohstoffgewinnung aus dem Gestein die natürlich im Boden vorkommenden Bakterien genutzt werden. Und Flotation, weil die Mineralgewinnung in einem Wasserbad geschieht, berichtet Forschungsgruppenleiterin Katrin Pollmann.

Um an die bisher nicht nutzbaren, winzigen Minerale von Kupfer, Lithium, Indium, Zink, Zinn und mehr heranzukommen, muss das Gestein deutlich kleiner als bisher zermahlen werden. Sind jetzt etwa Korngrößen von 0,1 Millimeter Standard, also etwa eine Haaresbreite, darf es künftig dann etwa ein Zehntel davon sein. Um diese winzigen Staubteilchen sortieren zu können, bekommen sie eine Art Henkel angeheftet. Und das sollen erzfressende Bakterien erledigen, indem sie die Oberflächen der gesuchten Minerale verändern.

All dies geschieht oberirdisch in Stahlbehältern und nicht etwa durch Fracking tief im Boden. Statt aggressiver Chemie blieben dann biologisch abbaubare Rückstände vom Bergbau zurück. In fünf Jahren, so die optimistische Variante, könnte die Technologie zum Einsatz kommen.