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Mittwoch, 21.03.2012

Sachsen gehen doch nicht so oft zum Arzt

Die Deutschen zählen beim Arztbesuch international zu den Rekordhaltern. Aber zwischen Ost und West gibt es überraschende Unterschiede ...

Von Peter Heimann

Berlin. Die Sachsen gehen deutschlandweit am wenigsten zum Arzt. Während die Bundesbürger insgesamt im Schnitt 17-mal im Jahr bei ihren niedergelassenen Medizinern vorstellig werden, beträgt der mittlere Wert der Arztkontakte im Freistaat statistisch „nur“ 15,3. Am häufigsten suchen die Saarländer ihren Doktor auf: im Schnitt fast 19-mal im Jahr. In Ostdeutschland geht man etwas seltener zum Arzt als im Westen.

Mit diesen Daten aus einer Untersuchung des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland ist die Bundesregierung dem Eindruck entgegengetreten, die Deutschen gingen übermäßig oft zum Arzt. Zwar sei die mittlere Zahl von exakt 17,1 Arztbesuchen je Versicherten international hoch. Ihre isolierte Betrachtung führe jedoch zu Fehlinterpretationen, „wie etwa zur pauschalen Aussage, dass in Deutschland eine zu hohe Arztinanspruchnahme bestünde“, heißt es in ihrer Antwort auf eine Anfrage der Grünen. Demnach gehen 50 Prozent der Arztbesuche auf die Kosten von 16 Prozent der Patienten – sie treiben damit die Statistik in die Höhe. Dagegen geht ein Viertel der Kassenmitglieder höchstens viermal im Jahr zum Arzt, ein zweites Viertel kommt auf höchstens zehn und ein drittes Viertel auf bis zu 22 Besuche. 25 Prozent der Versicherten mit den meisten Arztbesuchen sehen den niedergelassenen Arzt im Schnitt 40-mal im Jahr.

Laut den Ergebnissen der auf Daten von 2007 basierenden Untersuchung gehen Frauen bis zum 65. Lebensjahr öfter zum Arzt als Männer. Erst im hohen Alter dreht sich das Verhältnis.

Kritiker von Krankenkassen und arztkritische Forscher hatten das rekordverdächtige Gedränge in deutschen Arztpraxen oft bemängelt. In anderen EU-Staaten ist weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Arztbesuche in Deutschland normal. Viele der häufigen Arztbesuche hierzulande gehen aber beispielsweise auf Dialysepatienten zurück. Das Blutreinigungsverfahren bedarf häufiger Arztbesuche, wenn es ambulant von Medizinern durchgeführt wird.

In anderen Ländern sind das Patienten, die gar nicht ambulant behandelt werden. In wieder anderen Ländern, etwa in Skandinavien, besorgt nichtärztliches Personal vielfach entsprechende Therapieschritte. In Großbritannien hingegen findet fachärztliche Versorgung ohnehin im Krankenhaus statt. (mit dpa)