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Donnerstag, 10.03.2016

Ruhe in Gröditz

Vier Wochen nach dem Angriff auf zwei Fußballer nahe der Asylunterkunft hat sich die Aufregung gelegt. Wenn auch nicht überall.

Von Eric Weser

Asylsuchende sind in Gröditz unterwegs. Zwar gibt es noch immer Anfeindungen gegen die Gäste, berichten Betreuer. Doch die anfängliche Aufregung um einen Angriff von mutmaßlich 20 Flüchtlingen gegen zwei Fußballer hat sich gelegt.
Asylsuchende sind in Gröditz unterwegs. Zwar gibt es noch immer Anfeindungen gegen die Gäste, berichten Betreuer. Doch die anfängliche Aufregung um einen Angriff von mutmaßlich 20 Flüchtlingen gegen zwei Fußballer hat sich gelegt.

© Sebastian Schultz

Gröditz. Die Erwartung des Gröditzer Bürgermeisters Jochen Reinicke hat sich nicht erfüllt: Auch einen Monat nach dem nächtlichen Vorfall, bei dem zwei Amateurfußballer des SV Frauenhain nahe der Gröditzer Asylunterkunft verletzt wurden, gibt es noch keine Gewissheit, was genau geschah. Die Ermittlungen dauern der Polizei zufolge an. Damit ist zwar weiterhin offen, was genau am 7. Februar passierte. Für Diskussionen sorgt der Vorfall aber noch immer.

Vor allem im Internet. Dort finden auch lange nach dem Ereignis noch Meldungen Verbreitung, dass in einer sächsischen Kleinstadt nahe der brandenburgischen Grenze eine Gruppe von 20 „Nordafrikanern“ nach einem Fußballturnier ein Kicker-Duo mit Eisenstangen verprügelt habe. Eine Version der Geschehnisse, die auf einer Mitteilung des SV Frauenhain bei Facebook beruht, die am Tag nach dem Vorfall online gestellt wurde und sofort Wellen schlug. Nur wenig später löschte der Verein den Text. Neben dem Medienecho dürften Zweifel an den Schilderungen der Grund gewesen sein. So wurde bekannt, dass die alkoholisierten Fußballer vor der Auseinandersetzung mit Pöbeleien an der Unterkunft provoziert hatten. Klar wurde außerdem, dass zwischen dem Ende des Fußballturniers und dem Angriff Stunden lagen.

Während die Meldung über den Angriff auf einigen asyl- und ausländerfeindlichen Seiten im Internet noch abfällige Kommentare hervorruft, haben sich die erhitzten Gemüter in Gröditz abgekühlt. „So weit ich das mitbekomme, ist das Ganze nahezu kein Gesprächsthema mehr“, sagt Norbert Ehme, Vorstand des Gröditzer Bündnisses für Demokratie und Zivilcourage. „Ich hoffe und denke, dass auch unser Appell dazu etwas beigetragen hat.“

Ehme spielt auf die gemeinsame Erklärung an, mit der das Bündnis, die Gröditzer Stadtführung, Kirchenvertreter und die Diakonie zu Besonnenheit und Zurückhaltung aufgerufen hatten. – Dem Appell vorausgegangen waren verbale Anfeindungen gegen die Asylunterkunft. Befürchtungen, dass eine Pogromstimmung entstehen könnte, wurden laut. Doch schon die Demo der rechtsextremen NPD am 17. Februar auf dem Markt zeigte, dass die Bürger sich nicht aufwiegeln lassen. Außer ihrer Stammklientel konnte die Partei niemanden mobilisieren. – Auch in der Gröditzer Asylunterkunft ist der Nachhall des Februarabends offenbar gering.

In dem Wohnblock, in dem derzeit über 200 Asylsuchende leben, spiele das Ereignis von Anfang Februar kaum noch eine Rolle, meint eine Diakonie-Mitarbeiterin, die als Betreuerin in der Einrichtung arbeitet. „Wir versuchen auch nicht, herauszukriegen, was da passiert ist“, sagt sie. Das sei Aufgabe der Polizei. Stattdessen habe man den Asylsuchenden noch einmal grundlegende Benimm- und Ordnungsregeln erklärt. – Wie es den beiden Anfang Februar verletzten Fußballern des SV Frauenhain einen Monat nach der nächtlichen Attacke geht, war beim Verein nicht herauszufinden. „Ich sag dazu nichts“, so ein Vereinsverantwortlicher.

In Gröditz ist einen Monat nach der anfänglichen Aufregung um den Angriff am Asylheim wieder Ruhe eingekehrt. „Man muss jetzt einfach abwarten, was die Polizei rausbekommt“, bringt ein Rentner aus der Röderstadt gelassene Haltung auf den Punkt. Er sagt aber auch: „Was da passiert ist, wollen die Leute schon wissen.“