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Dienstag, 19.01.2016

Rückkehr nach 75 Jahren

Die Nationalsozialisten enteigneten 1941 das Wendische Museum in Bautzen. 36 vermisste Exponate gingen nun an den Nachfolger auf der Ortenburg.

Von Miriam Schönbach

Die Trachtenjacke gehört zu den Exponaten, die dem Sorbischen Museum übergegeben wurden. Ulrike Telek (r.) hält sie vorsichtig in weißen Handschuhen. Ilona Bierling, Christina Bogusz und Jan Mahling (v.l.) schauen aufmerksam zu.
Die Trachtenjacke gehört zu den Exponaten, die dem Sorbischen Museum übergegeben wurden. Ulrike Telek (r.) hält sie vorsichtig in weißen Handschuhen. Ilona Bierling, Christina Bogusz und Jan Mahling (v.l.) schauen aufmerksam zu.

© Uwe Soeder

Bautzen. Vorsichtig nimmt Ulrike Telek die Trachtenjacken aus dem Karton. Zwischen den farbenfrohen Stoffen liegt immer eine Lage Seidenpapier. Christina Bogusz, Ilona Bierling und Jan Mahling staunen über den Inhalt. Die Exponate stammen aus dem Museum im einstigen Wendischen Haus am Lauengraben. Die Nationalsozialisten enteigneten 1941 den Besitz der Wissenschaftsvereinigung „Macica Serbska“. Er kam damals ins Bautzener Stadtmuseum. Die Kleidungsstücke gehören zu den letzten 36 Objekten, die nun wieder an den ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben wurden.

Etwa 3 000 Exponate verloren durch die Beschlagnahmung ihre ursprüngliche Heimat. Die „Macica Serbska“ eröffnete 1899 ihr Museum. „Alle Schenkungen wurden damals in der Zeitschrift des Vereins veröffentlicht. Daher können wir gut nachvollziehen, was fehlt“, sagt Jan Mahling, Vorsitzender der Wissenschaftsvereinigung. Sie gründete sich 1991 neu und legte das Sorbische Museum in Bautzen als Nachfolger des Museumsbestands fest. Museumsleiterin Christina Bogusz schätzt, dass sich inzwischen etwa 70 Prozent des Altbestands in ihrem Haus finden.

Für Ulrike Telek schließt sich mit der Übergabe ein Kreis. „Wir haben nach der Wende begonnen, die Herkunft des Bestands zu erforschen. Jetzt dürfte es nur noch Zufallsfunde geben“, sagt sie. Die Exponate aus dem Wendischen Museum waren gut an der 8 700er-Inventarnummer zu erkennen. Eine solche Kennzeichnung haben auch die Trachtenpuppen. Allerdings wurde allen Figuren die Köpfe abgeschlagen. Vielleicht passierte es noch unter den Nationalsozialisten, vielleicht fielen sie auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs Banausen in die Hände.

Vermutlich heimlich dokumentiert

Wie die Trachtenpuppen einst im Original aussahen, zeigen Bilder des Bautzener Fotografen Oskar Kaubisch. Er hat die Sammlung im Wendischen Haus im März 1942 nochmals dokumentiert. Höchstwahrscheinlich war er dort heimlich unterwegs. In Vitrinen sitzen auf diesen Beweisen etwa 50 Trachtenpuppen hinter Glas, darunter auch eine Braut in katholischer Tracht. Das Muster ihrer Schürze verrät Museumsmitarbeiterin Andrea Paulick, dass es sich um diesen Schatz handelt.

Neben den Trachten und den Puppen kamen nach fast 75 Jahren auch zwei Paravents und eine riesige Waage aus Holz und Eisen auf die Ortenburg. Das Messgerät gehörte Jan Gelanski. Der Straßenmeister aus Göda verewigte um 1735 sogar selbstbewusst seinen Namen auf Sorbisch in dem Metall der Apparatur, obwohl es verpönt war. Unter Friedrich Wilhelm I. kam es 1717 und 1735 zu mehreren Verordnungen gegen das Sorbische. Aber diese Geschichte müsste noch erforscht werden. Vorerst landen die Objekte nun in den Inventarlisten des Sorbischen Museums.

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