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Donnerstag, 31.12.2015

Rudolf ist schon ein toller Hirsch

Im Moritzburger Wildgehege hofft man, mit dem anderthalb Jahre alten Tier die in der Silvesternacht vor zwei Jahren brutal unterbrochene Zucht fortführen zu können. Ob das gelingt, wird sich 2016 zeigen.

Von Sven Görner

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So prächtig wie sein vor zwei Jahren in der Silvesternacht getöteter Vater sieht Rudolf noch nicht aus. Aber vielleicht hat der im Mai 2014 im Wildgehege Moritzburg geborene Stammhalter ja bereits für Nachwuchs gesorgt. Dieser könnte im nächsten Juni zur Welt kommen.
So prächtig wie sein vor zwei Jahren in der Silvesternacht getöteter Vater sieht Rudolf noch nicht aus. Aber vielleicht hat der im Mai 2014 im Wildgehege Moritzburg geborene Stammhalter ja bereits für Nachwuchs gesorgt. Dieser könnte im nächsten Juni zur Welt kommen.

© Norbert Millauer

Moritzburg. Die langen dünnen Spieße – so bezeichnet der Fachmann das erste Geweih eines Hirsches – sehen noch etwas zerbrechlich aus. Doch ansonsten hat sich das im Mai 2014 geborene Tier schon zu einem prächtigen Stammhalter für das Weiße Rotwild in Moritzburg entwickelt. Sehr zur Freude von Rüdiger Juffa, dem Leiter des Wildgeheges, und seinen Mitarbeitern. „Je höher die Spieße gewachsen sind, umso besser sind der Stoffwechsel und die Gene des Hirsches“, weiß der Fachmann.

„Ich war mir von Anfang an sicher, dass das Jungtier ein besonders starker und gesunder kleiner Hirsch ist“, ergänzt der Gehegeleiter. Allerdings dauerte es von der Geburt bis Anfang Juli des gleichen Jahres, bis endgültig Gewissheit herrschte, dass es wirklich ein Hirsch ist. Mit dem Umzug des kleinen Rudels in sein neues, viel größeres Gehege im gleichen Sommer verbesserten sich auch die Bedingungen für die Tiere enorm. „Die Anlage haben wir in einem 1-A-Eichenwald gebaut, die Früchte sind das beste Kraftfutter.“ Rüdiger Juffa schätzt, dass Rudolf inzwischen gut 85 Kilogramm auf die Waage bringt.

Er liebt gesalzene Kastanien

Den Namen verdankt der junge Hirsch übrigens seiner Patin Kerstin Bachner. Die Tierfreundin aus der Sächsischen Schweiz hatte sich unmittelbar nach der blutigen Tat in der Silvesternacht vor zwei Jahren im Wildgehege gemeldet. Bis heute unbekannte Täter hatten Rudolfs Vater – einen prächtigen 22-Ender – vermutlich zunächst mit einer Armbrust beschossen und danach seinen Kopf samt Geweih vom Rumpf abgetrennt.

Die Zucht des seltenen Weißen Rotwildes schien so von einem zum anderen Tag in Moritzburg brutal beendet worden zu sein. Doch schon damals hatte der Wildgehegechef auf eine glückliche Fortsetzung gehofft. Denn das Zuchtpaar hatte in den vergangenen Jahren regelmäßig für Nachwuchs gesorgt. Und da die Brunft, also die Zeit, in der sich die Hirsche paaren, immer Ende September bis Ende Oktober ist, bestanden also gute Chancen, dass eine oder sogar beide Hirschkühe wieder trächtig waren. Für diesen Fall hatte sich Kerstin Bachner bereiterklärt, für ein Tier eine lebenslange Patenschaft zu übernehmen. Am liebsten war ihr natürlich ein kleiner Hirsch, als neuer Stammhalter. Rudolf hieß übrigens der Großvater der Tierfreundin.

Auch sie freut sich, dass aus dem kleinen Kälbchen inzwischen ein richtiger Hirsch geworden ist. „Frau Bachner kommt Rudolf regelmäßig besuchen und bringt ihm dann immer ein paar Leckereien mit – Möhren oder Äpfel, gesalzene Kastanien und Eicheln“, sagt Rüdiger Juffa. Er selbst kann den jungen Hirsch sogar an den Zaun rufen. „Von mir lässt er sich sogar streicheln. Das ist gut, wenn er geimpft werden muss. Dann kann man das mit einer Spritze machen.“

Ziel ist es, ein richtiges Rudel aufzubauen

Zwei Hoffnungen des Wildgehegeleiters haben sich inzwischen also erfüllt. Nun muss es nur noch mit der dritten klappen. Doch auch da ist Rüdiger Juffa zuversichtlich. „Rudolf hat seine erste Brunft hinter sich. Sie war allerdings etwas später als sonst. Wenn die Paarung erfolgreich war, könnte es im Juni nächsten Jahres bei uns wieder Nachwuchs vom Weißen Rotwild geben.“ Möglicherweise sogar gleich mehrere Kälber. Denn neben zwei Hirschkühen vom Weißen Rotwild lebt in dem Gehege auch noch ein weibliches Tier vom dunklen Rotwild. „Wenn sich Rudolf mit allen drei gepaart hat, könnten wir zwischen drei bis sechs Jungtiere haben.“

Diese sollen möglichst in Moritzburg bleiben, um ein richtiges Rudel aufzubauen. Durch die Paarung mit dem normalen Rotwild will Rüdiger Juffa über einen längeren Zeitraum zudem den Genpool beim Weißen Rotwild stabilisieren. „Das ist nämlich auch durch den Zukauf von Tieren aus anderen Einrichtungen kaum möglich, da alle mehr oder weniger aus einer Linie stammen.“

Um die Genauffrischung zu erreichen und trotzdem Weißes Rotwild zu behalten, müsse immer wieder der weißeste Nachwuchs mit Rudolf gepaart werden, bis von der dunklen Färbung nichts mehr übrig ist, erklärt der Forstmann.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. mausi

    hauptsache es wird in der silvesternacht jemand über das wildgehege wachen.die tiere sind es wert,um nicht wieder so ein drama zu erleben.

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