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Dienstag, 17.08.2010 Fußball

Windeck fährt die Ellenbogen aus

Der Fünftligist wehrt sich wacker, verliert trotzdem mit 0:4 gegen die Bayern.

Die Sensation blieb aus. Fünftligist Germania Windeck brachte die übermächtigen Bayern aus München in der ersten DFB-Pokalrunde nicht zum Stolpern. Der Rekordmeister erreichte souverän, aber ohne Glanz die zweite Runde. Der Titelverteidiger setzte sich gestern in Köln gegen die Amateure mit 4:0 (2:0) durch. Mit 41100 Fans gab es einen Rekord: Noch nie waren so viele bei einem Amateur-Erstrundenspiel im DFB-Pokal.

„Das war heute das schlechteste Spiel in unserer Vorbereitung“, klagte Bayern-Trainer Louis van Gaal und lobte die Oberligaspieler: „Sie haben sehr diszipliniert gespielt und das 90 Minuten beibehalten. Das war sehr gut.“ Auch Nationalstürmer Miroslav Klose sah die Vorstellung der Münchner kritisch: „Erst einmal war wichtig, dass wir gewonnen haben. Es war ein sehr schlechtes Spiel von uns.“

93 Tage nach dem 15. Cupsieg beim 4:0 gegen Bremen und fünf Tage vor dem Liga-Auftakt am Freitag gegen Wolfsburg war lange Zeit Sand im Bayern-Getriebe. Windeck, das sich über eine Einnahme in sechsstelliger Höhe freuen durfte, spielte anfangs mutig mit und stoppte die Bayern-Angriffe ohne große Mühe. Michael Kessel hatte für den krassen Außenseiter sogar das 1:0 (22.) auf dem Fuß, traf aber nur das Außennetz. Fünf Minuten vor der Pause versuchte es Kessel frech mit einem Schuss fast von der Mittellinie, weil er den Bayern-Keeper zu weit vor seinem Gehäuse sah – doch der Ball fand sein Ziel nicht. Kurz darauf sorgten die Bayern mit einem Doppelschlag vor der Pause für die Vorentscheidung.

„Meine Männer haben mir leid getan, dass sie so kurz vor der Halbzeit in Rückstand gerieten“, sagte Windeck-Trainer Heiko Scholz. Der Ex-Dresdner hatte keine Illusionen, wollte es aber dem Favoriten schwer machen. „In der ersten Halbzeit konnten wir lange mit unseren Mitteln gegenhalten“, lobte der einstige Pokalsieger mit Lok Leipzig und Bayer Leverkusen. „Wir standen tief, sind gelaufen wie die Hasen, haben frech nach vorn gespielt. Wir können stolz auf diesen Auftritt sein.“

Van Gaal hatte den Gegner nicht unterschätzt und gleich zweimal beobachten lassen. Die Bayern wollten wohl Erinnerungen an Auftaktpleiten wie 1990 in Weinheim oder 1994 in Vestenbergsgreuth gar nicht erst aufkommen lassen. Wie ernst van Gaal das erste Pflichtspiel nach dem Gewinn des Supercups gegen Schalke nahm, verdeutlichte die Bayern-Startformation, in der alle verfügbaren Stars standen. Nur Arjen Robben, Ivica Olic und Breno fehlten verletzt. Abwehrchef Daniel van Buyten (Sprunggelenkverletzung) wurde geschont. Heiko Scholz feierte am Abend ein wenig den achtbaren Pokalauftritt. „Dann hat uns der Alltag wieder“, weiß der gebürtige Görlitzer. „Wir wollen in die Regionalliga aufsteigen. Vielleicht hilft uns dabei das herrliche Pokalgefühl aus dem Spiel gegen die Bayern.“ (dpa/SZ/may)