Samstag, 10.11.2012

Sie will nur spielen

Selma Theresa Hetmann sieht aus wie ein Partygirl. Tatsächlich lebt die 17-Jährige ein Leben des Verzichts. Für einen großen Traum.

Von Alexander Hiller

Bild 1 von 2

„Bloß nicht“, sagt Selma Theresa Hetmann auf die Frage, ob sie sich denn eine Modellkarriere vorstellen könne. „Die sind alle so dünn. Außerdem brauche ich meinen Sport“, erklärt die 17-jährige Volleyballerin. Foto: Jörn Haufe
„Bloß nicht“, sagt Selma Theresa Hetmann auf die Frage, ob sie sich denn eine Modellkarriere vorstellen könne. „Die sind alle so dünn. Außerdem brauche ich meinen Sport“, erklärt die 17-jährige Volleyballerin. Foto: Jörn Haufe

  • „Bloß nicht“, sagt Selma Theresa Hetmann auf die Frage, ob sie sich denn eine Modellkarriere vorstellen könne. „Die sind alle so dünn. Außerdem brauche ich meinen Sport“, erklärt die 17-jährige Volleyballerin. Foto: Jörn Haufe
    „Bloß nicht“, sagt Selma Theresa Hetmann auf die Frage, ob sie sich denn eine Modellkarriere vorstellen könne. „Die sind alle so dünn. Außerdem brauche ich meinen Sport“, erklärt die 17-jährige Volleyballerin. Foto: Jörn Haufe
  • Plötzlich Führungsspielerin. Selma Theresa Hetmann steht mit dem VCO auf Tabellenplatz elf.  Foto: Steffen Unger
    Plötzlich Führungsspielerin. Selma Theresa Hetmann steht mit dem VCO auf Tabellenplatz elf. Foto: Steffen Unger

Den Satz nimmt man ihr gern ab. „Ich ziehe gerne auch hohe Schuhe an. Ich mag das einfach“, sagt Selma Theresa Hetmann. Sie fällt dann noch mehr auf. 1,88m auf hohen Absätzen. Dann könnte man die attraktive Blondine in die Schublade „Partygirl“ stecken – und läge mit diesem Klischeedenken grundsätzlich falsch.

Denn Selma Theresa Hetmann lebt ein Leben, das vom Verzicht geprägt ist. Freiwillig natürlich. Aufstehen, Training, Schule, Training, Hausaufgaben, todmüde ins Bett fallen. Immer wieder. Täglich grüßt das Murmeltier. Für diesen beileibe nicht aufregenden Tagesrhythmus hat Selma Theresa Hetmann ein normales Teenagerleben aufgegeben. Sie zog 2007 aus der beschaulichen Gemeinde Bobbau, der Stadtteil von Bitterfeld-Wolfen hat gerade mal 1.600 Einwohner, in die Großstadt Dresden. Am Volleyball-Bundesstützpunkt Dresden will sich die Sachsen-Anhaltinerin zur Profi-Volleyballerin formen lassen. Beim VC Olympia, dem Ausbildungsverein des Dresdner SC.

Dafür lassen sich die Talente wie Selma Theresa Hetmann in ihren Freiheiten einschränken. Auf Partys sieht man die langbeinige Blondine nur in Ausnahmefällen, wenn am Wochenende spielfrei ist. Wer dagegen verstößt, zahlt Strafe. „Natürlich gehen wir gern mal weg. Aber jede kennt ihre Grenzen“, sagt Selma Theresa. Die nächtlichen Ausflüge sind eher Ausnahme als Regel. Dieses Leben mag gleichaltrigen Menschen womöglich ziemlich langweilig vorkommen. Das schränkt den Freundeskreis ein. „Die wahren Freunde sind die, die das nachvollziehen können. Abends bin ich ohnehin meist völlig groggy, da ist mir nicht nach Party zumute“, sagt die Realschülerin. Sie wirkt dabei so als würde ihr der Verzicht auf das Feiern nicht schwerfallen. „Wir wissen alle, worauf wir uns eingelassen haben. Wir kennen es nicht anders“, betont die Juniorinnen-Nationalspielerin. Einen festen Freund hat die Frau mit den Modellmaßen derzeit nicht. Obwohl „Dresden eine Stadt mit vielen großen Männern ist“, wie Selma Theresa Hetmann schmunzelnd zu berichten weiß. „Aber für mich wäre es kein Problem, wenn mein Freund ein paar Zentimeter kleiner wäre als ich.“

Die in der Vorwoche 17 Jahre alt gewordene junge Frau muss sich seit dieser Saison neu orientieren. Im Vorjahr zählte sie zu den Ergänzungsspielerinnen im Kader des Volleyball-Zweitligisten. Doch gleich vier ihrer letztjährigen Kolleginnen stiegen in den Erstliga-Kader des Dresdner SC auf. Selma Theresa Hetmann ist jetzt Führungskraft. Von heute auf gleich. Eine, zu der die noch jüngeren Spielerinnen kommen, wenn sie Probleme haben. „Diese Umstellung war für mich ganz schön schwer, daran musste ich mich erst gewöhnen. Ich denke, diese neue Verantwortung bringt mich voran“, sagt sie. Mittlerweile scheint sie sich in ihrer neuen Rolle durchaus wohlzufühlen. So wohl, dass sie auch für ihre Karriere in der Nachwuchs-Nationalmannschaft ehrgeizige Ziele formuliert. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Tschechien 2013 will Selma Theresa, die den Namen ihrer Urgroßmutter trägt, unbedingt dabei sein. Die Fünfte der JEM muss dafür auf ihrer Position im Mittelblock besser sein als eine ihrer drei Rivalinnen – Juliane Langgemach (Dresdner SC), Melanie Keil (VCO Berlin) und Leonie Schwertmann (USC Münster). „Die sind leistungsmäßig noch ein ganzes Stück weit weg“, gibt die Wahl-Dresdnerin zu. „Ich habe ja auch relativ spät mit Volleyball angefangen. Ich glaube daran, dass ich diesen Rückstand aufholen kann“, betont sie.

Leises Gebet vor dem Spiel

Vielleicht hilft ihr dabei eine weitere Eigenheit. Selma Theresa wurde von ihren Eltern im evangelischen Glauben erzogen. „Manchmal vor dem Spiel bete ich“, erzählt das Volleyball-Talent. Sie sitzt dabei auf der Bank, beugt sich leicht nach vorn, bedeckt ihr Gesicht mit den Händen. „Ich sage mir dann, dass es schon werden wird, dass alles gut läuft. Und bitte um Unterstützung. Ich fühle mich einfach besser, wenn ich das tue“, erklärt die Athletin. Partygirls tun solcherlei Dinge wohl nicht.

VC Olympia – SV Lohhof 2:3

VC Olympia – Tübingen 3:1