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Fußball Donnerstag, 15.11.2012

Sein Tor des Jahres bleibt unvergessen

Der frühere Hertha-Stürmer Alex Alves ist an den Folgen von Leukämie gestorben.

Von Matthias Bossaller und Helmut Reuter

Jau/Brasilien. Tiefe Trauer im brasilianischen Fußball und bei Zweitligist Hertha BSC: Alex Alves ist tot. Der frühere Hertha-Stürmer ist nur 37 Jahre alt geworden. Der Fußballer war an Leukämie erkrankt. Der Tod sei gestern früh um 8.40 Uhr (Ortszeit) eingetreten, bestätigte eine Sprecherin des Hospitals Amaral Carvalho in dem Ort Jaú im Bundesstaat São Paulo.

Der Hämatologe des Krankenhauses, Mair Pedro de Souza, sagte dem Internetportal globoesporte.com: „Er hat heldenhaft gekämpft und in allen Aspekten mitgearbeitet, aber es gab viele Schwierigkeiten.“ Eine Transplantation sei zwar erfolgreich gewesen, das Knochenmark habe sich erholt. „Doch es war zugleich die Ursache dafür, dass der Körper es wieder abstieß“, sagte der Arzt.

Hertha trauert um den ehemaligen Stürmer. „Ich bin total erschüttert. Wir Herthaner hatten alle gehofft, dass sich der Zustand durch die Stammzellenbehandlung bessert und er diese schwere Situation übersteht“, sagte Herthas Geschäftsführer Michael Preetz.

Bei Alves, der von 2000 bis 2003 für Hertha spielte, war vor längerer Zeit Blutkrebs diagnostiziert worden. Seit Oktober lag er im Krankenhaus. Ein Bruder hatte ihm Knochenmark gespendet – vergeblich. Zuletzt hatte Hertha BSC angekündigt, die Medaille zu versteigern, die Alves im Jahr 2000 für das „Tor des Jahres“ bekommen hatte. Alves, der als exzentrischer Profi galt, hatte in der Bundesliga gegen den 1. FC Köln beim 4:2-Sieg nach einem Gegentor vom Anstoßpunkt weg getroffen.

Der frühere Berliner sei „völlig verarmt“, hieß es in einer Hertha-Erklärung aus der vergangenen Woche. Alves hatte bei seinem Abschied von Hertha 2003 dem persönlichen Betreuer Heinz Kressin die Original-Medaille der ARD-Sportschau für das Tor des Monats, welches auch Tor des Jahres wurde, geschenkt. Jetzt stellt Kressin das Erinnerungsstück zur Verfügung.

Der Brasilianer war für 7,5 Millionen Euro Ablöse im Jahr 2000 von Belo Horizonte nach Berlin gekommen und ging als bis dahin teuerster Transfer in die Hertha-Historie ein. Er erzielte in 81 Partien 25 Tore für den Hauptstadtklub, geriet aber vor allem wegen seiner wiederholten Eskapaden in die Schlagzeilen. Mehrmals stoppte ihn die Polizei beim Fahren ohne eine gültige Fahrerlaubnis. Im Jahr 2002 erschien er mit einem weißen Pelzmantel auf der Hertha-Weihnachtsfeier. 2003 flüchtete er aus Berlin in seine Heimat. Nach Brasilien zurückzukehren bezeichnete er später als „schlimmste Entscheidung für meine Karriere“. (dpa)