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Freitag, 21.11.2008

Pähtz will Gleichberechtigung auf dem Brett

Von Tino Meyer

Die Quote ist eigentlich nicht schlecht: Knapp über 43 Prozent Frauen spielen bei der Schacholympiade. Dennoch legt sich Elisabeth Pähtz fest: „Das ist ein Männerturnier“, sagt Deutschlands beste Spielerin, die am Sportgymnasium in Dresden ihr Abitur machte und den internationalen Durchbruch schaffte. Tatsächlich könnte man beim Blick durch den Spielsaal im Kongress-Zentrum meinen, dass hier vor allem Männer die Figuren bewegen. Die Olympiade ist zwar als offener Wettkampf ausgeschrieben, doch die überwältigende Mehrheit der Frauen tritt in einem extra gewerteten eigenen Turnier an.

Für den armenischen Großmeister Lewon Aronjan, der gestern im Duell der Superstars gegen den Russen Wladimir Kramnik remis spielte, ist das nur logisch. Er behauptet: „Frauen können kein Schach spielen.“ Dass ihm ausgerechnet seine Schwester das königliche Spiel lehrte, leugnet er nicht. Seine Meinung ändert dies in keinster Weise. „Frauen sind grundsätzlich viel zu emotional für Schach. Wenn sie richtig gut spielen wollen, müssen sie ihren Charakter ändern“, sagt Aronjan. Sie müssten ihre natürlichen Instinkte unterdrücken, sich männliche Tugenden aneignen.

So weit wird Elisabeth Pähtz mit Sicherheit nicht gehen. Doch sie stimmt Aronjan zu. „Schachspieler brauchen einen Killerinstinkt“, erklärt die 23-Jährige und nennt Beispiele, die sich auf dem Brett mit den 64 Feldern nachteilig auswirken könnten: „Frauen verlieben sich, Frauen bekommen Kinder, Frauen stillen und schlafen dann schlecht. Frauen sind weniger analytisch, sie geraten bei Zeitnot in Hektik und verlieren eher den Faden.“ Soll heißen: Frauen können sich weniger gut und schon gar nicht ein Schachleben lang einzig auf das Brettspiel konzentrieren.

Deshalb setzt sich Pähtz als Aktivensprecherin im deutschen Verband für die strikte Trennung der Geschlechter ein. „In der Leichtathletik gibt es ja auch getrennte Wertungen über 100 Meter. Frauen und Männer kann man einfach nicht vergleichen“, betont die zweifache Jugendweltmeisterin.

Pähtz, die schon mit 14 Jahren deutsche Meisterin war, bei Harald Schmidt im Fernsehen auftrat und die Klitschko-Brüder mit verbundenen Augen besiegte, nutzt ihren Bekanntheitsgrad, um sich Gehör zu verschaffen. Auch was die Gleichberechtigung auf dem Brett anbelangt. Gerade in Deutschland bestehe da Handlungsbedarf.

Judit Polgar ist die Ausnahme

„Dass Geldmangel herrscht, weiß ich. Aber immer werden die Männer bevorzugt. Zum Beispiel als es darum ging, einen zweiten Trainer zu verpflichten“, klagt Pähtz. Die Dominanz der Männer, die nicht zuletzt gesellschaftliche Ursachen hat, akzeptiert sie nicht als Begründung, durchaus aber als weiteren Erklärungsansatz. Denn auch im Schach seien Männer – wie in den meisten Sportarten – körperlich im Vorteil und würden allein schon deshalb stärkere Leistungen bringen. „Lange Spiele sind für sie weniger ein Problem. Doch ich fange nach fünf Stunden an, Gespenster zu sehen. Dann geht es rapide bergab“, verdeutlicht Pähtz, warum die besten Frauen nicht die Spielstärke der Männer erreichen. Nur ganz selten schaffen sie es bis in die Weltspitze des Denksports. Eine Ausnahme ist Judit Polgar. Die Ungarin führt die Frauen-Rangliste an, ist als einzige Spielerin unter den Top 100 gelistet (Platz 27) und spielt in Dresden im Männerturnier.

Pähtz fühlt sich dagegen am ersten Brett der Frauen-Auswahl wohler. Hier sei sie wesentlich wertvoller für die Mannschaft, auch wenn sie gestern zum ersten Mal verlor.

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