Samstag, 24.11.2012

Kitambala erlöst sich und Dynamo

Mit einem direkt verwandelten Freistoß erzielt der Stürmer sein erstes Tor – das 2:2 in Paderborn.

Von Sven Geisler, Paderborn

Pure Freude: Lynel Kitambala jubelt nach seinem Treffer zum Ausgleich. Foto: osnapix/Gelhot
Pure Freude: Lynel Kitambala jubelt nach seinem Treffer zum Ausgleich. Foto: osnapix/Gelhot

Wenn Dynamo spielt, wird beste Unterhaltung geboten. Allerdings kann das nur der neutrale Betrachter genießen. Wer es mit den Schwarz-Gelben hält, braucht zurzeit starke Nerven. Oder gute Herztropfen. Oder beides. So wurden die rund 1500Fans, die am Freitagabend nach Paderborn gefahren waren, emotional hin- und hergerissen.

Am Ende der turbulenten Partie stand ein 2:2, das beide Trainer als Punktgewinn werteten. Auch wenn Dynamo-Coach Ralf Loose mit einem Augenzwinkern meinte: „Wir haben drei Tore geschossen und wieder nicht gewonnen.“ Sebastian Schuppan zeigte seine neu entdeckten Torjägerqualitäten diesmal auf der falschen Seite. „Ich habe im Flug überlegt, ob ich ihn ins Aus köpfe, dann aber den Fuß gewählt. Und der Schienbeinschützer war leider etwas kantig, hat den Ball in die andere Richtung abgelenkt“, schilderte der Linksverteidiger sein Missgeschick.

Das Vorhaben, endlich in dieser Saison zum ersten Mal kein Gegentor zuzulassen, war schon vorher Makulatur, weil der formschwache Cheikh Gueye den schnellen Daniel Brückner nicht an der Flanke hinderte und Deniz Yilmaz am Fünfmeterraum unbedrängt volley vollenden konnte. Beinahe postwendend kombinierten sich die Dresdner durch, und nach Flanke von Filip Trojan köpfte Idir Ouali den Ausgleich. Alles auf Anfang?

Menze bremst Schuppan

Besser: Alles noch mal! Wieder kam Brückner durch, und weil diesmal kein Paderborner zur Stelle war, übernahm das Schuppan für seinen Ex-Verein. „Das war schon kurios. Ich habe zu ihm gesagt, er braucht nicht jede Woche ein Tor zu machen“, sagte Sportchef Steffen Menze mit einem Lächeln. Als Trojan dann an der Strafraumgrenze gefoult wurde, lief nicht Romain Bregerie an, der in Hannover getroffen hatte, sondern Lynel Kitambala. Und der schlenzte die Kugel mit viel Gefühl im rechten Fuß über die Mauer ins Dreiangel, unhaltbar für SCP-Torwart Lukas Kruse.

Ein Tor mit Ansage, wie der Kunstschütze verriet. „Der Coach sagte zu mir, ich soll mich auf den Ball konzentrieren, bevor ich schieße. Genau das habe ich getan“, erzählte Kitambala erleichtert. „Ich probiere das jeden Tag im Training, wenn es so klappt, ist es natürlich fantastisch.“ Für den Stürmer, der vom französischen Rekordmeister ASSaint Etienne ausgeliehen ist, war es der erste Treffer für die Dresdner. „Natürlich ist es schwierig zu spielen, wenn jeder auf das erste Tor wartet, aber man muss weiter arbeiten, dann kommt das von alleine“, meinte der Franzose mit kongolesischen Wurzeln.

Loose hatte Kitambala neben Pavel Fort als Doppelspitze aufgeboten. „Sie haben das gut gemacht, sodass wir unsere Top-Sturmkraft Poté einigermaßen ersetzen konnten“, meinte der Trainer. Kurzfristig musste er zudem Verteidiger Vujadin Savic ersetzen, der Probleme mit dem Sprunggelenk hatte. „Die Ausgangslage war alles andere als einfach, aber wir haben als Team mit einer großartigen Moral einen Punkt geholt. Glückwunsch an die Mannschaft“, sagte Loose.

Dem schloss sich auch Ulf Kirsten an. „Angesichts der Verletztenliste ist das 2:2 richtig gut.“ Dafür nahm es der einstige Torjäger in Kauf, dass sein Sohn Benjamin im Dynamo-Tor wieder nicht zu null halten konnte. „Ich weiß, dass Benny darunter leidet“, meinte der 46-Jährige, „aber dafür muss die gesamte Mannschaft im Defensivverhalten besser als Einheit agieren“.

Immerhin ließen die Dresdner nach dem 2:2 kaum noch eine echte Chance der spielstarken Gastgeber zu. Nach der Pause lebte die Partie, wie es so schön heißt, von der Spannung. Torgefahr entstand vor allem durch Standards. Aber der Ex-Auer Tobias Kempe setzte einen Freistoß auf die Latte; Kirsten wäre dran gewesen. Auf der anderen Seite brachten Schuppan, Fort und Kitambala die Kugel nach Trojans Freistoß nicht über die Linie. Und eine Ecke des Tschechen wäre fast direkt reingegangen, aber Kruse war zur Stelle.

„Ich wusste, dass wir es können“, sagte Schuppan erleichtert: „Heute haben wir es in der zweiten Halbzeit endlich mal wieder gezeigt. Das wird uns weiter Auftrieb geben.“ Ulf Kirsten sieht die Schwarz-Gelben jedenfalls im Aufwind. „Man geht immer mal durch schwierige Zeiten, aber da muss man geschlossen als Einheit durch und wieder zu den Stärken finden wie in der vorigen Saison.“ Ob die Krise überwunden ist, muss sich am Dienstag gegen den starken Aufsteiger VfRAalen zeigen.