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Mittwoch, 23.07.2003

Jan Hempel gibt auf

Von Uwe Wicher, Barcelona

Jan Hempel hat seine Laufbahn als Leistungssportler beendet. Wie am späten Montagabend in Barcelona bekannt wurde, informierte der mit Abstand beste deutsche Wasserspringer aller Zeiten bereits am Sonntagabend nach Abschluss der WM-Sprungwettbewerbe das Team der Nationalmannschaft. „Meine Mannschaftskameraden und die Trainer sollten es zuerst erfahren“, sagte der 31-jährige Dresdner gestern der SZ. Hempel, der mit seiner Frau und den beiden Kindern 150 Kilometer von Barcelona entfernt in der Nähe von Tarragona noch eine Woche Urlaub macht, wollte erst nach seiner Rückkehr in die Heimat die Öffentlichkeit von seinem Entschluss unterrichten. „Ich bin enttäuscht, dass mein Vertrauen missbraucht und mein Rücktritt hintenherum bekannt wurde“, erklärte der 48-malige deutsche und zweimalige DDR-Meister.

Walter Alt aus Hattersheim, der Teamchef der deutschen Wasserspringer, hatte die Nachrichtenagenturen informiert und damit auf höchst unangemessene Art und Weise den Abschied eines großen Sportlers öffentlich gemacht. Hempel, nach dem enttäuschenden WM-Abschneiden als 14. im Synchronspringen mit Heiko Meyer durch die Indiskretion zusätzlich frustriert, nahm an vier Olympischen Spielen teil, erlebte 1996 in Atlanta als Zweiter und 2000 in Sydney als Dritter im Synchronspringen seine Sternstunden.

Ein Nachfolger beim

DSC ist nicht in Sicht

Bei Europa- und Weltmeisterschaften gewann er Titel und Medaillen. „Ich will mich nicht beklagen. Was ich erreicht habe, ist nicht vielen Sportlern vergönnt“, meinte der Weltklasse-Athlet, der in seiner besten Zeit von den Dresdner Trainern Werner Langer und Frank Taubert betreut wurde.

Jan Hempels kleine Hoffnung auf eine fünfte Olympiateilnahme im nächsten Jahr in Athen geht nun nicht in Erfüllung. Der in 17 Jahren Leistungssport beanspruchte Körper hielt den Belastungen nicht mehr stand. Fünf Operationen an beiden Handgelenken, vier am Knie und eine am Fuß musste er über sich ergehen lassen. „Spritzen, Tabletten, Akupunktur – die Mediziner haben alles versucht, aber es trat keine Besserung ein. Jan konnte nicht mehr so trainieren, wie es erforderlich gewesen wäre“, sagte Trainer Taubert in Barcelona. „Ich will die Tortur nicht mehr auf mich nehmen“, erklärte der Star der deutschen Wasserspringer, der in Barcelona durch einen Muskelfaserriss im rechten Oberarm zusätzlich gehandicapt antrat. Als er am Sonntagabend im Hotel bei der letzten Mannschaftsbesprechung seinen Abschied bekannt gab, gab es Tränen. „Das ist sehr traurig für die Springer-Familie, weil Jan der schöne Abschluss versagt geblieben ist“, kommentierte Teamchef Alt den Schritt Hempels.

Ein Nachfolger von der Qualität des Erfolgsspringers vom Dresdner SC ist nicht in Sicht. Sein 17 Jahre junger Trainingsgefährte Tony Adam, immerhin 16. im Einzelwettbewerb vom Zehnmeter-Turm von Barcelona, muss nun noch schneller als geplant an schwierigere Sprünge herangeführt werden, damit auch in Zukunft die Dresdner Dominanz auf nationaler Ebene im Turmspringen erhalten werden kann. Mit Heiko Meyer vom SC Riesa gilt der Gymnasiast vom DSC als Synchronpaar der Zukunft.

Jan Hempel wird im Oktober als Sportsoldat bei der Bundeswehr ausscheiden. „Ich werde dann in den Berufsförderungsdienst wechseln und einige Aus- und Weiterbildungen absolvieren“, kündigte Hempel gestern an. Beruflich hat er schon seit längerem vor, im Kosmetikstudio seiner Frau Ines in Löthain bei Meißen einzusteigen.