Mittwoch, 21.11.2012

Frankfurt hat die meisten Problemfans im Fußball

Die Zahl der „gewaltgeneigten“ und „gewaltsuchenden“ Anhänger im deutschen Fußball ist gewaltig gestiegen. Die Polizei macht vor allem die 2. Liga dafür verantwortlich, Bundesliga-Aufsteiger Eintracht Frankfurt will nichts von einer Spitzenposition wissen.

Frankfurt/Main. Einer polizeilichen Statistik zufolge hat Bundesligist Eintracht Frankfurt die meisten gewaltbereiten Fans im Profifußball. 500 Fans werden demnach als gewaltbereit und 130 gar als gewaltsuchend eingestuft, meldete die „Bild"-Zeitung am Mittwoch unter Berufung auf einen Bericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS).

Die Zahlen aus der Saison 2011/2012 weisen hinter Spitzenreiter Frankfurt mit 630 Problemfans Dresden (610), Schalke (595) und Dortmund (580) auf den weiteren Plätzen aus.

Fans von Eintracht Frankfurt hatten sich in der Vergangenheit schon selbst als „deutschen Randalemeister“ bezeichnet - sehr zum Ärger ihrer Vereinsverantwortlichen. Jetzt wehrt sich der Bundesliga-Aufsteiger gegen die Rangliste.

„Unabhängig von der grundlegend holzschnittartigen Darstellung der Zahlen vernachlässigt diese Übersicht die Tatsache, dass Eintracht Frankfurt die größte Anzahl auswärtsfahrender Fans in Deutschland mitbringt und deshalb auch Vergehen und Ordnungswidrigkeiten in höherer Anzahl vorkommen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Hessen vom Mittwoch.

Das Potenzial der Randalierer insgesamt im deutschen Fußball ist in der vergangenen Saison jedenfalls deutlich gestiegen. Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) spricht in ihrem Jahresbericht von 11.373 „gewaltgeneigten“ und „gewaltsuchenden“ Anhängern in den beiden oberen Ligen. Gegenüber der Spielzeit 2010/11 habe die Zahl um 1.688 Personen (17,5 Prozent) zugenommen.

Eine Rangliste der Vereine mit derartigen Fans habe die bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen angesiedelte ZIS nicht erstellt, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Die Zahlen der einzelnen Clubs wolle man auch „nicht bewerten“.

Der sportlich brillierende Bundesliga-Rückkehrer vom Main ist sich nach eigenen Angaben bewusst, „dass es innerhalb der Fanszene Täter und Störer gibt, die das Bild von Eintracht Frankfurt mit ihrem Verhalten in der Öffentlichkeit beschädigen“. Der Verein verweist aber auch auf seine großen Anstrengungen, um die Gewalttäter in den Griff zu bekommen. „In der Gesamtbetrachtung belegt nicht zuletzt der Besuch von durchschnittlich 47 000 Zuschauern bei Heimspielen ein friedliches und sportliches Miteinander“, heißt es.

Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen dementierte zudem ein Zitat, wonach er gesagt haben soll, „dass Eintracht Frankfurt aufgrund des Fanverhaltens zu den unsympathischsten Vereinen Deutschlands gehört“.

Eine unheilvolle Solidarität zwischen normalen Fußball-Fans und Randalierern sieht ZIS-Leiter Ingo Rautenberg als Mitursache für Gewalt im Fußball. „Uns bereitet dabei große Sorge, dass sich friedliche Fans mit Gewalttätern solidarisieren und diese Gruppendynamik zu einem größeren Gefahrenpotenzial führt. Von diesen Situationen berichten uns die Kollegen immer wieder“, sagte der 55-Jährige in einem „Tagesspiegel“-Interview.

Selbst in der 3. Liga gibt es nach ZIS-Informationen noch 2.336 Problem-Fans, in den drei Regionalligen 2.780. „Eine Trendwende, die einen Rückgang des gewaltbereiten Potenzials in den Anhängerschaften der Vereine der Bundes- bis Regionalligen indizieren würde, ist weiterhin nicht erkennbar“, heißt es in dem Bericht.Die ZIS hatte in ihrem Jahresbericht über die Saison 2011/2012 einen massiven Zuwachs an Gewalttaten verzeichnet. Die Zahlen werden seit 20 Jahren erhoben, Rautenberg sprach von einem „neuen Höchststand“.

Während die Deutsche Fußball Liga (DFL) am 12. Dezember mit den Proficlubs das neue Sicherheitskonzept verabschieden will, sieht Rautenberg im längst angewandten und fortgeschriebenen „Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“ eine gute Handlungsgrundlage. „Außerdem setze ich auf die Selbstregulierung der Fans. Mit den friedliebenden Fans suchen wir den Dialog, aber gegen die Gewalttäter gehen wir weiterhin konsequent vor“, sagte er dem „Tagesspiegel“. (dapd/dpa)