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Dienstag, 20.02.2007

2:3 in Madrid

Van Bommel erhält dem FC Bayern die Viertelfinal-Hoffnung in der Champions League.

Madrid - Mark van Bommel hat dem FC Bayern München die Hoffnung auf den Einzug ins Viertelfinale der Champions League erhalten. Mit einem wuchtigen 18 Meter-Schuss gelang dem Niederländer am Dienstagabend in der 88. Minute der ganz wichtige zweite Treffer bei der 2:3 (1:3)-Niederlage des deutschen Fußball-Rekordmeisters bei Real Madrid. Vor 80 000 Zuschauern im Bernabeu-Stadion hatte es lange Zeit nach einem weiteren Rückschlag für die Bayern ausgesehen, die durch Tore der Real-Stars Raul (10./28. Minute) und Ruud van Nistelrooy (34.) klar ins Hintertreffen geraten waren. Einziger Hoffnungsschimmer vor der Pause war der Gegentreffer durch Lucio (23.). Nun reicht den Bayern in der zweiten Begegnung am 7. März im Olympiastadion bereits ein 1:0- oder 2:1-Sieg zum Weiterkommen.

Ohne Ordnung in der Abwehr, lange Zeit gehemmt und verkrampft im Spiel nach vorne: Die Verunsicherung nach den jüngsten Auswärtspleiten in der Bundesliga war auch in Spaniens Hauptstadt bei jeder Bayern-Aktion förmlich spürbar. Vor allem in der Defensive mit Daniel van Buyten und Martin Demichelis als Schwachstellen fehlte allzu oft die Zuordnung zum Gegner. „Ich bin ein bisschen sprachlos“, sagte Club-Präsident Franz Beckenbauer zur Halbzeit im Fernsehsender „Premiere“ sichtlich verärgert und sprach von „Schüler-Fehlern“ in der Abwehr. Selbst Owen Hargreaves hatte in seinem ersten Champions- League-Spiel der Saison außer Laufbereitschaft nicht allzu viel zu bieten. Allein Lucio behielt im Deckungszentrum die Übersicht.

Die mit großen Hoffnungen verbundene Hereinnahme von Lukas Podolski wirkte sich nicht belebend auf das Offensivspiel aus. Der Ex-Kölner erhielt ebenso wie sein Sturmpartner Roy Makaay kaum brauchbare Anspiele und fand nie Bindung zum Spiel. In einem heftigen Disput mit Mark van Bommel zu Beginn der zweiten Halbzeit entlud sich der ganze Frust Podolskis, der später Pizarro Platz machen musste.

Die Mannschaft von Trainer Fabio Capello, dessen vorzeitiger Abschied aus Madrid spanischen Medienberichten zufolge längst beschlossene Sache ist, wirkte von Anfang an entschlossener und hatte in Beckham die überragende Figur des Spiels in ihren Reihen. Der Engländer, den Bayern-Manager Uli Hoeneß bei Bekanntgabe seines Wechsels in die USA als Hollywood-Star verspottet hatte, spielte in Weltklasseform und vor allem bei Standard-Situationen seine Stärken aus. Neben ihm fand in Raul ein weiterer „Galaktischer“ zu alter Spritzigkeit zurück.

Bei Dauerregen und kühlen Temperaturen hatte Ottmar Hitzfeld bei der Rückkehr in jenes Stadion, in dem er am 10. März 2004 sein letztes Europacup-Spiel auf der Bayern-Bank mit einer 0:1-Niederlage erlebte, wenig Grund zur Freude. Schon in der 10. Minute hob van Nistelrooy mit einem präzisen Pass die Bayern-Abwehr aus den Angeln. Raul scheiterte im ersten Versuch am herausstürzenden Oliver Kahn, traf aber im Nachsetzen zu seinem 55. Champions League-Tor.

Doch anders als zuletzt auf heimischen Plätzen zeigten die Bayern Reaktion und schlugen zurück. Nach einer Freistoßflanke von Willy Sagnol gewann Lucio das Kopfball-Duell gegen Weltmeister Fabio Cannavaro und traf mit seinem ersten Europacup-Treffer für die Münchner zum Ausgleich. Die Freude im Bayern-Lager über das wichtige Auswärtstor währte allerdings nicht lange. Dann sprang Ivan Helguera nach einer Ecke von Beckham am höchsten und seine Bogenlampe drückte Raul im Kopfball-Duell mit dem nur 1,70 m großen Philipp Lahm endgültig über die Linie. Doch damit nicht genug des Unheils: Nach einem Freistoß von Beckham stand van Nistelrooy völlig frei vor Kahn und machte nach kaum mehr als einer halben Stunde das 3:1 perfekt.

Die Dominanz der Spanier setzte sich zu Beginn des zweiten Durchgangs fort, zu dem Hitzfeld an Stelle des indisponierten Demichelis Hasan Salihamidzic aufs Feld schickte. Bei Beckhams Freistoß (52.) verhinderte nur eine Klasse-Parade von Kahn den vierten Gegentreffer. Erst als Real am Ende zurücksteckte, konnten sich die Münchner besser in Szene setzen und Chancen herausspielen. (dpa)