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Montag, 29.02.2016

Rechte Gewalt fast verdoppelt

Rechte und rassistische Angriffe haben in Sachsen nach Einschätzung der Opferberatung drastisch zugenommen. Mitverantwortlich dafür seien Pegida & Co.

In Heidenau kam es vor gut einem halben Jahr zu schweren Krawallen. Die Opferberatung zählte 2015 insgesamt 477 rechte Gewaltstraftaten - 86 Prozent mehr als im Vergleich zum Vorjahr.
In Heidenau kam es vor gut einem halben Jahr zu schweren Krawallen. Die Opferberatung zählte 2015 insgesamt 477 rechte Gewaltstraftaten - 86 Prozent mehr als im Vergleich zum Vorjahr.

© REUTERS

Dresden. Die rechtsmotivierte Gewalt hat sich im vorigen Jahr in Sachsen nach Angaben der Opferberatung RAA fast verdoppelt. Der Verein verzeichnete 477 rechte Gewaltstraftaten. Im Jahr 2014 waren es noch 257 – ein Anstieg um 86 Prozent. Die Opferberatung macht dafür auch die anhaltenden fremdenfeindlichen Demonstrationen von Pegida & Co. verantwortlich. Es habe 74 Übergriffe auf Asylunterkünfte gegeben, 19 davon waren Brandstiftungen.

Eine „Verschärfung des Tons“ auf den Demos habe letztlich dazu geführt, dass Dämme gebrochen seien, sagte Opferberaterin Andrea Hübler am Montag in Dresden. „Es ist offensichtlich fast unwidersprochen möglich, Menschen anzugreifen.“ Sachsen sei bundesweit Spitzenreiter der rechten Übergriffe.

Die Statistik der Opferberatung unterscheidet sich von den offiziellen Behördenzahlen, weil der Verein erklärtermaßen die Opferperspektive berücksichtigt. Betroffene könnten meist sehr gut selbst einschätzen, was die Motivation eines Angriffs auf sie war, erläuterte Hübler. In 76 Prozent der Fälle seien die Taten aber über eine Anzeige auch polizeibekannt geworden.

Mit 285 war der überwiegende Teil der Angriffe der Beraterin zufolge rassistisch begründet; 141 Angriffe richteten sich gegen politische Gegner. Dazu zählten auch 20 Angriffe gegen Journalisten, die es vor allem bei Demonstrationen gegeben habe. Die meisten Straftaten seien Körperverletzungen gewesen (298), gefolgt von Nötigungen und Bedrohungen (139).

Schwerpunkt der rechten Gewalt war die Landeshauptstadt Dresden mit 116 Attacken; es folgt Leipzig mit 77. Eine deutliche Zunahme habe es in den Landkreisen Leipzig (56) und Sächsische Schweiz/Osterzgebirge (55), wo auch Freital liegt, gegeben.

Für die Opferberatung RAA arbeiten in Büros in Dresden, Leipzig und Chemnitz insgesamt sieben Mitarbeiter. Der Verein wird gefördert vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und dem Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“. Die Verantwortlichen erhoffen sich eine bessere Finanzausstattung, nachdem Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) jüngst mehrfach angekündigt hat, die politische Bildung und die demokratischen Kräfte der Zivilgesellschaft zu stärken. (dpa)