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Dienstag, 12.04.2011

Razzia: Linke sollen Rechte überfallen haben

Dresden. Bei einer großangelegten Razzia gegen mutmaßliche Linksextremisten haben rund 400 Beamte am Dienstag 20 Wohnungen und Geschäftsräume in Sachsen und Brandenburg durchsucht. Im Zuge eines Ermittlungsverfahrens wegen Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung wurden in Dresden, Leipzig, Niesky, Grimma, Machern, Finsterwalde und Senftenberg Beweismittel sichergestellt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Lorenz Haase, der Nachrichtenagentur dpa. Dazu gehören Computer, Papiere und Dokumente, die nun ausgewertet würden, sowie Sturmhauben.

Mehrere gewaltsame Übergriffe

Laut Haase wird wegen mehrerer gewaltsamer Übergriffe auf Menschen aus dem rechten Spektrum ermittelt. Beschuldigt werden 16 Männer und eine Frau zwischen 20 und 33 Jahren, die aus einer kriminellen Vereinigung heraus agiert haben sollen. Bei den Angriffen seien sie überwiegend maskiert gewesen, gezielt und „zum Teil äußerst brutal“ vorgegangen, so die Staatsanwaltschaft. Zu den drei spektakulärsten Fällen gehört laut Haase die Attacke auf zwei Reisebusse am Rande der Demonstrationen gegen den Neonazi-Aufmarsch am 19. Februar in Dresden.

Dabei hatten acht bis zehn Vermummte kiloschwere Pflastersteine auf die in Freital parkenden Fahrzeuge geworfen, mit denen Neonazis an- und abgereist waren. Laut Staatsanwaltschaft nahmen die Täter dabei Verletzungen der Busfahrer in Kauf. Ermittelt wird auch wegen eines Angriffs auf zwei Männer aus dem rechten Spektrum Mitte August 2010 in Dresden. Sie hatten ein linksalternatives Wohnprojekt attackiert. Daraufhin waren sie von zwölf bis 15 Vermummten aus dem Haus verfolgt und angegriffen worden. Dabei verlor einer der Männer durch einen Steinwurf einen Teil seines Ohres.

Bereits im Oktober 2009 hatten 15 bis 20 Vermummte drei Rechtsextreme in Dresden angegriffen, die von einer Demonstration in Leipzig kamen. Sie wurden mit Faustschlägen und Fußtritten zu Boden gezwungen, einer von ihnen mehrfach brutal auf den Kopf und in den Bauch getreten. Er erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Da die Ermittler hinter diesen und weiteren Taten eine Organisation vermuten, wurden mehrere Fälle in einem Verfahren gebündelt, sagte Haase. (dpa)