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Samstag, 18.11.2017

„Rauscher rausch ab!“

Studenten haben zu Beginn einer Vorlesung den Professor mit seinen Tweets konfrontiert.
Studenten haben zu Beginn einer Vorlesung den Professor mit seinen Tweets konfrontiert.

© Screenshot: Facebook

Leipzig. Der wegen seiner Äußerungen auf Twitter in der Kritik stehende Leipziger Jura-Professor Thomas Rauscher soll die Universität nach Willen einiger Studierender verlassen. Rund 80 Studenten sowie Juristen forderten die Leitung in einer öffentlichen Erklärung am Samstag auf, Rauschers Lehrtätigkeit zu beenden.

Unter dem Titel „Rauscher rausch ab!“ wurden Kommilitonen, wissenschaftliche Mitarbeiter, Dozenten und Professoren zu einer Kundgebung „gegen Rassismus, Sexismus, Islamophobie und Homophobie“ am Dienstag auf dem Campus aufgerufen.

Der 62-jährige Rauscher hatte in Tweets unter anderem von einem „weißen Europa“ gesprochen. Den Vorwurf, sich „rassistisch“ geäußert zu haben, wies er aber zurück. Die Universität verurteilte die Äußerungen am vergangenen Donnerstag und sprach von „intolerantem und fremdenfeindlichem Gedankengut“. Die Uni hatte zudem „dienstliche Schritte“ und eine Prüfung des Falls angekündigt. Ministerin Stange sagte, Sachsens Hochschulen seien international und weltoffen. Rauschers private Äußerungen entsprächen diesem Anspruch nicht.

Die umstrittenen Kurznachrichten sind nicht mehr zu finden. Nachdem eine Welle der Empörung losgebrochen war, deaktivierte Rauscher seinen Twitter-Account und versandte die Nachricht: „Die Anfeindungen, vor allem aber die an Dritte gerichteten Versuche des Rufmordes veranlassen mich, meinen account [sic] zu beenden.“ Es stehe „schrecklich um die Meinungsfreiheit in diesem Land“.

Studenten der juristischen Fakultät hatten die Tweets jedoch gesichert und am Donnerstag zu Beginn einer Vorlesung des Professors an die Wand eines Hörsaals projiziert. Zudem verlasen und kommentierten sie diese und weitere Äußerungen Rauschers. Ein Video, das die direkte Konfrontation des Professors mit den Studenten und seinen Twitter-Inhalten zeigt, hat der sozialistisch-demokratische Studierendenverband auf Facebook gepostet. Bis Samstagnachmittag wurde der Clip rund 880 000 Mal angesehen. (szo/dpa/epd)