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Dienstag, 24.11.2015

Rauchmelder werden Pflicht

Ab Januar müssen die kleinen Lebensretter in allen Neubauten installiert werden. Die Vermieter stellen sich darauf ein.

Von Susanne Plecher

Sieht aus wie ein kleines Ufo, rettet aber Leben: der Rauchwarnmelder. Nach Ansicht von Experten sollten in jedem Haushalt zwei bis drei davon installiert sein. Ab Januar sind sie auch in sächsischen Neubauten Pflicht.
Sieht aus wie ein kleines Ufo, rettet aber Leben: der Rauchwarnmelder. Nach Ansicht von Experten sollten in jedem Haushalt zwei bis drei davon installiert sein. Ab Januar sind sie auch in sächsischen Neubauten Pflicht.

© dpa

Großenhain. Sachsen gehört neben Berlin und Brandenburg zu den einzigen Bundesländern, in denen sie bislang nicht zwingend in Mietwohnungen eingebaut werden mussten: Rauchwarnmelder. Die Landesregierung hat im September nachgezogen und beschlossen, dass sie auch in unseren Schlaf- und Wohnzimmern ab dem neuen Jahr zur Pflicht gemacht werden.

Im Vorblatt zum Gesetzesentwurf liest sich das so: „Zur Verbesserung der Sicherheit im Brandfall in Aufenthaltsräumen, in denen bestimmungsgemäß Personen schlafen, sowie dazugehörige Flure, soll die Ausstattung mit Rauchwarnmeldern verbindlich vorgeschrieben werden.“ Diese Regelung gilt für Neubauten und Altbauten, die umgebaut und neu genutzt werden. Bestandsbauten sind noch davon ausgenommen. Mittelfristig dürfte sich das aber ändern, denn zum 1. Januar erweitern die ersten Bundesländer die Rauchmelderpflicht auch auf Altbauwohnungen. Denn, dass sie Leben retten können, ist unbestritten. Im Schlaf ist der Geruchssinn nicht aktiv. Rauch- und Qualmentwicklungen nehmen Schlafende also nicht wahr. Die meisten Menschen, die bei einem Wohnungsbrand ums Leben kommen, sterben an einer Kohlenmonoxidvergiftung, nicht an den Flammen selbst. Zwei Drittel aller Brandopfer werden nachts im Schlaf überrascht. Schon drei Atemzüge des hochgiftigen Brandrauches reichen aus, um einen Menschen ohnmächtig werden zu lassen.

Vorgaben werden eingehalten

„Rauchmelder machen Sinn. Viele Leute haben sicher privat schon aufgerüstet“, sagt Thomas Schippmann, Vorstandschef der Großenhainer Wohnungsgenossenschaft. Die GWG gehört zu den Vermietern, die die veränderte Gesetzeslage nun umsetzen müssen. Für die GWG ist das eine überschaubare Aufgabe, denn sie hat hauptsächlich alte Wohnungen im Bestand. Die meisten ihrer rund 1 400 Mitglieder wohnen in Altneubaublocks wie im Preuskerviertel. Derzeit baut sie jedoch das alte Schwesternwohnheim am Bobersberg zu einem schicken neuen Mietshaus um. Von den 23 Wohneinheiten, die im Sommer 2016 fertiggestellt sein sollen, haben sich bereits für 16 Mieter gefunden. „Natürlich halten wir uns an die Vorgaben des Gesetzgebers und lassen in allen vorgesehenen Räumen Rauchmelder anbringen“, so Schippmann. Die Genossenschaft wird damit einen Dienstleister beauftragen, der sich auch um Heizung und Wasseruhren kümmert. Sollte es brennen oder sich aus anderen Gründen Qualm entwickeln – etwa, wenn die Schnitzel einmal anbrutzeln– lösen die Melder ein akustisches Signal aus und fiepen laut.

Mit dem Besenstiel ausdrücken

Ausschalten lassen sie sich manuell. „Wir werden Rauchmelder verwenden, die in der Mitte einen großen Knopf haben. Den kann man mit einem Besenstiel ausdrücken“, meint er. Ein Austausch der Batterien ist nur aller zehn Jahre nötig. Mieter müssen sich jedoch darauf einstellen, dass jeder einzelne Rauchmelder einmal jährlich gewartet wird. Auch in ihren Altbauten Rauchmelder anzubringen, plant die GWG noch nicht. „Da warten wir auf den Gesetzgeber“, so Schippmann.

Die Rauchmelder sind klein und kosten nur wenige Euro. Mittlerweile gibt es sie in jedem Baumarkt zu kaufen. Sie sind nicht größer als eine Untertasse und binnen weniger Minuten an der Decke angebracht. Dort wacht der kleine Lebensretter dann leise über die Bewohner.

In Deutschland sterben jährlich rund 400 Menschen bei einem Brand, 4 000 Personen erleiden Langzeitschäden, im privaten Bereich richten die Feuer rund eine Milliarde Euro Schaden an. Viele Brände entstehen ganz entgegen der landläufigen Meinung nicht aus Fahrlässigkeit, sondern durch technische Defekte. Feuerwehrleute sehen deshalb die Rauchmelderpflicht für Neubauten nicht als weitreichend genug an. Viele Menschen blieben durch die Einschränkung ungeschützt.

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