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Dienstag, 21.02.2017

„Pumpak“ darf leben

Die Abschusserlaubnis für den Wolfsrüden aus Ostsachsen wird vorerst nicht verlängert.

Von Irmela Hennig

Weil er Menschen zu nahekam, sollte Wolf „Pumpak“ geschossen werden. Doch er zeigt sich nicht mehr.
Weil er Menschen zu nahekam, sollte Wolf „Pumpak“ geschossen werden. Doch er zeigt sich nicht mehr.

© Lupus

Rietschen. Ein gescheiterter Versuch, einen Kuchen zu fressen, war das letzte Lebenszeichen des Wolfsrüden „Pumpak“. Seit diesem 27. Januar in Quolsdorf, nördlich von Rietschen, wurde das knapp zwei Jahre alte Tier nicht mehr gesehen. Darum fehle der Grund, ihn zu töten, teilte das Görlitzer Landratsamt auf SZ-Nachfrage mit.

Die Behörde hatte Mitte Januar in Abstimmung mit Sachsens Umweltministerium den Abschuss des Wolfes genehmigt. Seit Herbst 2016 war er immer wieder in Siedlungen und auf Komposthaufen im Raum Rietschen im Landkreis Görlitz gesichtet worden. Das Tier, das wohl als Welpe gefüttert worden war, hatte dort nach Nahrung gesucht, auch tagsüber.

Da dies untypisch für Wölfe ist und das Landratsamt die Sicherheit der Anwohner im Blick hatte, wurde ein Jagdberechtigter mit dem Abschuss des Wolfes beauftragt. Er konnte das Tier, das wegen seiner Leibesfülle „Pumpak“ („Schmerbauch“ oder „der Fette“) getauft wurde, aber nicht erwischen. Die Sondererlaubnis ist am Sonntag ausgelaufen und wird nicht verlängert oder neu beantragt.

Sollte das Tier wieder auftauchen und für Unruhe sorgen, müsse der Fall komplett neu geprüft werden, heißt es aus dem Landratsamt. Allerdings sei nun Paarungszeit bei den Wölfen, da sei ein Abschuss nicht möglich. Auch die Geburts- und Aufzuchtzeit von Jungtieren ist in Sachsen generell Schonzeit. Allerdings gibt es Stimmen, die meinen, bei einem gefährlichen Tier greife die Schonung nicht.

Gegen die Tötungserlaubnis hatte es viel Protest gegeben. Eine Internet-Petition zur Rettung des Wolfes unterzeichneten bislang über 94 000 Menschen. Naturschützer riefen dazu auf, den Wolf erst einmal einzufangen, ihm einen Sender zu verpassen und ihn zu vergrämen. Auch in Polen hatte man das Vorhaben kritisiert – der Rüde stammt aus dem Nachbarland. Er gehörte dort zum grenznahen Ruszów-Rudel. Die Wissenschaftler, die den Wolf dort über längere Zeit beobachtet und zweimal mit einem Sender ausgestattet hatten, forderten ebenso, das Tier nicht zu schießen, sondern zunächst zu vertreiben.

Warum der Abschuss nicht geglückt ist, darüber wird viel spekuliert. In Niedersachsen war Anfang 2016 ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz bei Munster zur Tötung freigegeben worden. Nur wenige Tage nach dem Beschluss war er tot. Es heißt, nach der letzten Pumpak-Sichtung sei der Jagdbeauftragte nicht rechtzeitig vor Ort gewesen. Christian Berndt, Vorsitzender vom Jagdverband Niederschlesische Oberlausitz, hatte zudem gesagt, die Jägerschaft werde sich grundsätzlich aus dem Fall raushalten. Es sei eine politische Entscheidung. Es gab auch Stimmen, die meinen, der Landkreis habe nicht ernstlich vorgehabt, den Wolf zu schießen. Es sei nur darum gegangen, die Bevölkerung zu beruhigen.

Dass der Wolf nicht mehr gesehen wurde, bestätigt das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“. Er könnte auf der Suche nach einer Partnerin abgewandert sein. Vielleicht ist er bei einem Unfall umgekommen. Auch ein illegaler Abschuss ist denkbar.