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Mittwoch, 16.01.2013

Polizei registriert Rückgang bei rechtsextremistischen Konzerten

Sie tragen martialische Namen wie Blitzkrieg, Leichenzug oder Flaksturm. Bei Neonazis gilt Sachsen seit langem als gute Adresse für Konzerte rechtsextremer Bands. 2012 gab es jedoch eine Trendwende.

Dresden. Erstmals seit 2003 ist in Sachsen die Zahl von Konzerten rechtsextremer Bands deutlich gesunken. Im Vorjahr gab es noch 26 solcher Veranstaltungen, 16 weniger als 2011, teilte das Innenministerium am Mittwoch in Dresden mit. Die Behörden konnten 4 Auftritte schon im Vorfeld verhindern. In den vergangenen Jahren hatten die Zahlen leicht geschwankt - allerdings auf hohem Niveau. In Sachsen gab es bundesweit die meisten Konzerte. 2008 waren es 43, im Jahr darauf 36. 2010 und 2011 stehen mit 41 beziehungsweise 42 Auftritten zu Buche. Im Schnitt kamen etwa 160 Zuschauer.

Einen Grund für den Rückgang sieht das Innenministerium in der Schließung der Gaststätte „Zur Deutschen Eiche“ Ende April 2012 im ostsächsischen Rothenburg. Dadurch habe die Szene eines ihrer wichtigsten Veranstaltungsobjekte in Sachsen verloren, hieß es. Im November 2011 hatten sich dort mehr als 1300 Neonazis versammelt. Bei einem Konzert in Rothenburg gab es auch Sympathiebekundungen für die Zwickauer Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“. Teilnehmer hielten eine Gedenkminute für die „zu Tode gekommenen Kameraden“.

Nach Angaben des Innenministeriums fanden in der „Deutschen Eiche“ im Rothenburger Ortsteil Geheege von März 2009 bis zur Schließung insgesamt 35 Konzerte statt. Als weitere Hochburg gilt ein Objekt im Torgauer Stadtteil Staupitz, wo 9 Konzerte registriert wurden. Häufig werden die Auftritte konspirativ vorbereitet und durchgeführt. Der konkrete Ort wird in der Szene meist erst kurz vorher mitgeteilt - per SMS. Die Bands traten in der Regel im ländlichen Raum auf, die Großstädte werden kaum zur Bühne.

Experten bezeichnen rechtsextreme Musik nicht selten als „Einstiegsdroge“. Stilistisch reicht das Spektrum von Punk und Rock über Metal bis hin zum Schlager. „Konzerte sind für die rechtsextremistische Szene wichtig. Sie dienen als Identifikationsmuster, zur Rekrutierung von Nachwuchs und fördern den Zusammenhalt“, erklärte Innenminister Markus Ulbig (CDU). Der deutliche Rückgang im Jahr 2012 sei ein Erfolg und bedeute eine Schwächung der hiesigen Szene. (dpa)

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