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Donnerstag, 05.01.2017

Parteien gewinnen wieder mehr neue Mitglieder

Gewinner in Sachsen ist die AfD, auch SPD und Grüne wachsen. Bei den anderen überwiegen Austritte und Todesfälle.

Von Ronja Münch

© Symbolfoto: dpa

Seit Jahren gehen die Mitgliederzahlen der Parteien in Sachsen zurück, das hat sich auch im abgelaufenen Jahr nicht geändert. Doch es zeichnet sich eine Trendwende ab. Denn alle Parteien registrierten mehr Neueintritte als 2015. Die Verluste durch Austritte, Sterbefälle oder Wegzüge gleicht das jedoch nicht bei allen aus.

Gewinner ist eindeutig die AfD, die innerhalb eines Jahres um etwa 600 Mitglieder zulegen konnte und jetzt bei 1 628 liegt. Im Jahr zuvor lag das Plus bei etwa 300 Mitgliedern. Die AfD hat damit die sächsischen Grünen überholt, die mit Stand Ende November um 27 auf 1 417 Parteimitglieder wuchsen. Laut Grünen-Fraktionssprecher Andreas Jahnel-Bastet ist auch hier die Zahl der Neumitglieder im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, genaue Zahlen liegen aber derzeit nicht vor.

Die SPD konnte 260 Neumitglieder gewinnen, 105 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig führten Austritte, Sterbefälle und Wegzüge zu Verlusten. Mit momentan 4 420 hat die Partei nur etwas mehr Mitglieder als Ende 2015. Alle anderen Parteien schrumpfen absolut gesehen, doch auch sie konnten mehr Neueintritte verzeichnen. So gewinnen die beiden größten sächsischen Parteien, CDU und Linke, jeweils mehr als 300 neue Mitglieder: Für die CDU sind das 81, für die Linke 105 mehr Neueintritte als im Vorjahr. Die Verluste gleicht das nicht aus, beide verlieren im Saldo etwa 400 Mitglieder. Deren Zahl sinkt bei der Union auf 10 972 Ende November, bei der Linken auf derzeit 8 310. Auch die FDP, deren Mitgliederzahl auf 1 950 sank, zählte doppelt so viele Neueintritte wie 2015.

Linken-Sprecher Thomas Dudzak führt die Zahlen auf eine politischer gewordene Gesellschaft zurück. „Wir haben in diesem Jahr erstmals seit Parteineubildung 2007 mehr Mitglieder aufgenommen als durch Tod verloren.“ Neue junge Mitglieder sind wichtig, denn der Altersdurchschnitt der Linken liegt im Moment bei etwa 68. Die Partei werde weiter schrumpfen, „aber die Gerüchte über unser Ende werden doch stark übertrieben“, so Dudzak. Auch die CDU deutet das Ergebnis positiv. Generalsekretär Michael Kretschmer erklärt die steigende Zahl der Neueintritte damit, dass es gelungen sei, „durch konsequente Entscheidungen den Flüchtlingszustrom zu steuern“. Die Union habe bei vielen Menschen wieder Vertrauen zurückgewonnen.

SPD und Linke sehen hingegen Auswirkungen der Wahl in den USA. Beide Parteien registrierten in den Monaten November und Dezember die meisten Neueintritte. „Viele Menschen wollen in diesen von Populismus geprägten Zeiten selbst Verantwortung übernehmen und Haltung zeigen“, so Daniela Kolbe, Generalsekretärin der SPD Sachsen.