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Mittwoch, 06.01.2016

Oderwitzer trotzt Autodieben

Volker Heinrich saß in seinem Auto, als Diebe versuchten, den Wagen zu stehlen. Zwei Monate später versuchten sie es erneut.

Von Mario Sefrin

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Volker Heinrich, hier noch in seinem ehemaligen Sportgeschäft, hat sein Auto immer noch.
Volker Heinrich, hier noch in seinem ehemaligen Sportgeschäft, hat sein Auto immer noch.

© Rafael Sampedro

Volker Heinrich ist kein Mensch, der sich gern ausgiebigen Einkaufstouren unterwirft. „Das ist nicht mein Ding“, sagt der Oderwitzer, den viele als Kletterfreund und einstigen Inhaber des vor wenigen Jahren abgebrannten gleichnamigen Sportgeschäftes in Oderwitz kennen. Dass aber seine indirekte Abneigung gegen das Shoppen einmal dazu beiträgt, dass sein Auto nicht gestohlen wird, das hätte sich Heinrich nicht träumen lassen.

Und doch ist es so passiert. Am 3. Oktober vergangenen Jahres hatte Volker Heinrich mit seiner Frau und einer Bekannten einen Ausflug in ein Einkaufszentrum in Zgorzelec gemacht. Während die beiden Frauen einkaufen waren, ist Heinrich im Auto, einem VW Phaeton, geblieben. Er habe dort ein wenig gedöst, als plötzlich die Alarmanlage des Fahrzeugs anging: „Es hat gehupt. Ich habe mich gewundert, weil ich das noch nie so erlebt hatte“, erinnert sich Volker Heinrich. Doch er habe sich nichts weiter dabei gedacht und habe den Schlüssel im Fahrzeugschloss herumgedreht. „Danach war das Hupen vorbei.“

Kurze Zeit später sollte Volker Heinrich jedoch den Grund für die unbekannte Meldung des Fahrzeugs erfahren. „Meine Frau kam aus dem Einkaufsmarkt und sagte, dass ihr jemand den Fahrzeugschlüssel aus der Tasche gestohlen hat. Sie hatte davon nichts mitbekommen, das müssen Profis gewesen sein“, so Heinrich. Die Diebe müssen danach auf dem Parkplatz erkundet haben, mit welchem Fahrzeug sie verschwinden können, vermutet er. Was die Kriminellen jedoch nicht wussten: Heinrichs Frau hatte einen Zweitschlüssel für das Fahrzeug dabei. Im Wagen selbst steckte ein anderer Schlüssel, außerdem saß Volker Heinrich im Auto. „Das war von außen aber nicht zu sehen.“

Nach diesem Erlebnis erstattete Volker Heinrich Anzeige wegen des gestohlenen Schlüssels bei der Polizei. Außerdem setzte er sich mit dem VW-Autohaus Havlat in Großschönau in Verbindung, um zu klären, was nun zu tun sei. Die Lösung: Die beiden verbliebenen Schlüssel mussten umprogrammiert werden. „Das war eine teilweise schwierige Sache“, sagt Heinrich. Ein Vorgang, der sich aber lohnen sollte, denn kurz darauf habe das Auto nachts wieder gehupt, diesmal zu Hause in Oderwitz. „Die Diebe haben wahrscheinlich anhand des Schlüssels unsere Adresse herausgefunden und waren gekommen, um das Auto zu holen“, sagt Heinrich. Dass der Schlüssel nach der Umprogrammierung nicht mehr passt, konnten sie nicht wissen.

Zwei Monate später, am 3. Dezember, bekam Volker Heinrich dann Post von der Görlitzer Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen in seinem Fall seien eingestellt worden, da der Dieb des Fahrzeugschlüssels nicht ermittelt werden konnte, wurde ihm mitgeteilt. Fast zeitgleich erhielt der Oderwitzer einen Anruf von der Polizei Bayreuth. „Die dortige Polizei hatte eine international agierende Bande ausgehoben und bei den Tätern auch den Schlüssel zu unserem Auto gefunden“, erzählt Volker Heinrich. „Über die VW-Zentrale hatte die Polizei dann unsere Adresse herausgefunden und sich bei uns gemeldet.“ Gegen die Bandenmitglieder wird nun unter anderem wegen besonders schweren Diebstahls ermittelt, weiß Volker Heinrich. Er wartet nun auf den Fahrzeugschlüssel, den ihn die bayrischen Polizisten zuschicken wollen.

Damit geht für Volker Heinrich ein kurioser Fall zu Ende, wie er selbst sagt. Zum Glück hat er sein Auto noch. Die Geschehnisse werden ihn aber nicht davon abhalten, auch künftig mit seiner Frau zum Einkaufen ins Nachbarland zu fahren. „Wir sind öfter dort, und noch nie ist etwas passiert“, sagt der Oderwitzer. Außerdem weiß er ja nun, was gegen Autodiebe wirksam hilft: im Auto sitzen bleiben.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 11 Kommentare

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  1. Horstl

    Neues aus Grimms Märchenwelt.geht es noch SZ!? Was für eine Geschichte.Die Frau hatte noch einen Zweitschlüssel dabei und der mann sitzt mit noch einem Schlüssel im Auto. In Zgorzelec ist es weit sicherer als in Görlitz und die Diebstahlrate weit niedriger.Überwachung der Stadt mit Kameras und Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen. Alles wovon wir nur träumen können. Mal davon abgesehen das ist DE nahezu überhaupt nichts mehr aufgeklärt wird.

  2. Horstl

    PS: Und ich fahre seit 25 Jahren mit bayrischen Mittel/Oberklassefahrzeugen nach Osteuropa und es wurde noch nie einer gestohlen oder beschädigt. Natürlich gibt es dort auch KFZ Diebstahl/Tendenz sinkend aber solche Räuberpistolen.Hilfe.

  3. Märchenleser

    Phaeton-Besitzer muss billig in Polen einkaufen - ha ha ha.

  4. Franz

    Was soll mit diesem umfangreichen Artikel ausgesagt werden?

  5. D.

    Also ich glaube nicht, dass der Artikel erfunden wurde. Worüber ich erschrocken bin, ist der Fakt, dass die Täter in der Lage sind, über den Schlüssel die Adresse rauszufinden!!! Es lässt sich also auch diese Technik knacken. Und wer das nächste Mal im Netz Urlaub bucht, sitzt wahrscheinlich auch schon einer am anderen Ende und weiß, dass man von ... bis ... nicht zu Hause ist. Einfach alles nur noch schlimm.

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