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Donnerstag, 07.01.2016

Neunzig Fehlblitze

Korrekt gefahren und dennoch geblitzt - ein kurioser Technikfehler auf der Weinertstraße in Hoyerswerda macht's möglich.

Von Uwe Schulz

Vor gut sechs Jahren ging die Blitzersäule in der Weinertstraße in Betrieb. Warum die Technik in dieser Woche versagte, muss nun geklärt werden.
Vor gut sechs Jahren ging die Blitzersäule in der Weinertstraße in Betrieb. Warum die Technik in dieser Woche versagte, muss nun geklärt werden.

© Gernot Menzel

Hoyerswerda. Als Jörg Schuhmann am Dienstagmorgen durch die Weinertstraße in Richtung Klinikum fuhr, kam aus der Blitzersäule auf dem Mittelstreifen das kleine, helle Leuchten, bei dem jeder Autofahrer zusammenzuckt: Erwischt - ich war zu schnell. Der 38-Jährige war sich zwar sicher, dass er nicht schneller als die erlaubten 50 km/h gefahren war. Aber wirklich beschwören hätte er es in dem Moment nicht können. Umso genauer fuhr er am Abend die gleiche Strecke. Der Tacho zeigte 45 km/h und es machte wieder Blitz. Da wusste der Mann: Hier kann was nicht stimmen. Und er wandte sich umgehend mit einer Mail an das Bürgeramt der Stadt Hoyerswerda. Er war nicht der Einzige. Mittwochmorgen war in der Behörde klar: Irgendwas haut da nicht hin mit dem Blitzer. Umgehend fuhren Mitarbeiter hinaus, entnahmen der Säule die Kameratechnik und starteten eine Schnellauswertung der gespeicherten Daten. „Wir haben die Kamera erst am Montag in die Säule eingesetzt“, sagt Bürgeramtschefin Ingrid Stille. Seitdem gab es rund 100 Feststellungen von Geschwindigkeitsüberschreitungen. „Davon sind auf den ersten Blick 90 Prozent falsch“, sagt Götz Gleiche, Fachgruppenleiter der unteren Verkehrsbehörde. Dabei handelt es sich offenbar um Pkw im Geländewagen-/SUV-Format.

Hoyerswerda betreibt zwei Blitzersäulen und eine mobile Geschwindigkeitsüberwachung der Firma Vitronic aus Wiesbaden. Für rund 175 000 Euro war die Technik 2009 bestellt und vor nunmehr gut sechs Jahren in Betrieb genommen worden. Die Geschwindigkeitsüberwachungsgeräte arbeiten mit Laser-Messsensor und integrierter Digitalkamera. Die Technik kann nicht nur unterscheiden, auf welcher Spur einer mehrspurigen Straße der Temposünder unterwegs ist, sondern auch, ob es sich um einen Lkw/Bus oder um einen Pkw handelt. Das machte das Modell auch für die mehrspurige Weinertstraße interessant. Mit Einrichtung der Umleitungsstrecke wegen der Baustelle Görlitzer Brücke wurde unter anderem die Weinertstraße zur 30 km/h-Zone für Lkw. Pkw dürfen weiter 50 km/h fahren. Und die Technik sollte eben Lkw blitzen, wenn sie schneller als 30 km/h fahren, Pkw aber erst, wenn sie über 50 km/h fahren. Das Unterscheiden klappte in dieser Woche nicht zuverlässig, denn offenbar hielt die Technik einige der gar nicht mal so großen SUV für Lkw und löste aus, wobei die Messwerte selbst wiederum korrekt sein sollen. Die Verkehrsbehörde macht nun drei Dinge: Zum einen, so sagte Ingrid Stille, wird man sich an den Hersteller wenden, um das Problem zu klären, denn man geht davon aus, dass es ein technisches ist. Zum anderen wird man die rund 100 Blitzerfotos zügig auswerten. Alle, die zu Unrecht geblitzt wurden, bekommen auch keine Post. Ingrid Stille: „Wer denkt, dass er zwischen Montag und Mittwochmorgen in der Weinertstraße zu Unrecht geblitzt wurde, muss sich nicht extra an uns wenden“. Die Geschwindigkeitssünder, bei denen es keine Zweifel gibt, dass sie schneller als erlaubt unterwegs waren, erhalten dennoch das berühmt-berüchtigte Schreiben samt Zahlungsaufforderung.

Damit nun aber niemand denkt, dass in der Weinertstraße keine Gefahr mehr droht, will die Verkehrsbehörde den mobilen Blitzer einsetzen. Und der kann im bekannten Blitzer-Caddy platziert sein, verrichtet seinen Dienst aber auch zuverlässig außerhalb des Fahrzeugs vom Stativ aus – und ist schwerer zu entdecken …

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