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Donnerstag, 02.10.2014

Neues Zentrum für Depressionsforschung eröffnet

Die Deutsche Bahn unterstützt die Leipziger Uniklinik. Auch Spaßmacher Harald Schmidt leistet seinen Beitrag.

Von Sven Heitkamp, Leipzig

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Harald Schmidt  leitet  zur Eröffnung des Forschungszentrums Depression  eine Kunstauktion.
Harald Schmidt leitet zur Eröffnung des Forschungszentrums Depression eine Kunstauktion.

© dpa

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Schlafmangel und Depressionen? Unter anderem mit dieser Frage soll sich ab sofort ein neues Forschungszentrum Depression in Leipzig beschäftigen. Gestern eröffnete die Stiftung Deutsche Depressionshilfe die Einrichtung an der Leipziger Uniklinik. Unterstützt wird sie durch einen besonderen Sponsor: Die Deutsche Bahn fördert die Anti-Depressions-Projekte mit jährlich 720.000 Euro. Zur Eröffnung versteigerte Entertainer Harald Schmidt gestern sechs Kunstwerke, um zusätzliches Geld einzuspielen. Nach Expertenschätzung leiden etwa vier Millionen Deutsche an Depressionen.

Für Professor Ulrich Hegerl, Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, ist schon die Zusage dieser Geldgeber ein großer Erfolg. „Erstmals unterstützt ein großes Unternehmen wie die Deutsche Bahn dieses gesamtgesellschaftlich unfrohe Thema, um das viele Unternehmen einen Bogen machen“, sagte Hegerl der SZ. „Dieser einmalige Vorgang zeigt, dass die Stigmatisierung der Depression abnimmt.“ Er hoffe, dass das Vorbild Schule macht und bald weitere Unternehmen gewonnen werden, um neue Therapieansätze zu entwickeln.

Rund 20 Mitarbeiter werden in Leipzig künftig an dem bundesweit einmaligen Forschungszentrum arbeiten. Geplant sind mehrere große Projekte, die Depressionspatienten Hilfe versprechen. So soll mit den Erlösen der Kunstauktion eine medizinische Skala entwickelt werden, die hilft, Symptome der Depression besser von anderen Erkrankungen zu unterscheiden. „Es geht um die Genauigkeit der Diagnose“, so Hegerl. Schmidt ist Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und finanziert seit Jahren privat eine führende Personalstelle in Leipzig.

Weiterer großer Forschungsschwerpunkt des Zentrums ist die Schlafzeitregulierung. Weniger Schlaf helfe vielen Depressionserkrankten, ihre Leiden zu lindern, erklärt Hegerl, der auch Vorsitzender der Stiftung Depressionshilfe ist. Daher soll als weiterer Baustein eine App entwickelt werden, mit der Patienten ihr Schlafverhalten und ihre Stimmungen besser kontrollieren können. „Es ist wichtig, Patienten ein aktives Selbstmanagement zu ermöglichen“, sagt Hegerl.

In eine ähnliche Richtung zielt das internetbasierte Computerprogramm „I fight depression“ – Ich kämpfe gegen die Depression. Betroffene mit eher leichten Depressionen können damit in Begleitung eines geschulten Arztes etwa mit konkreten Tagesplänen und Übungen ihren Alltag besser strukturieren und ihre seelische Gesundheit stärken. Mit Hunderten Patienten soll getestet werden, wie wirksam das Programm ist. Für Ärzte werden zugleich Schulungen angeboten. Hintergrund: Bislang müssen Betroffene teils monatelang auf einen Termin beim Facharzt warten.

Leser-Kommentare

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  1. RutBunz

    Schön, so ein Forschungszentrum. Und auch schön, dass Depression "nicht mehr so sehr stigmatisiert" wird. Nur: Unter den an Existenznot (wegen schlechter Bezahlung und mieser Behandlung auf Arbeit) leidenden finden sich die meisten Depressiven. Wie sagt Manfred Spitzer? Depressionen sind Folgen von chronischem Stress. Und wenn die Person wieder gesund werden soll, ist die medizinische Betreuung zum Scheitern verurteilt, wenn nicht die Stressoren in den Blick genommen werden. Also: Noch ein Grund für das leistungslose Grund-Einkommen?

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