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Donnerstag, 03.01.2013

Museum geht gegen „krasses Zerrbild“ vor

Das Bild vom jeweiligen Nachbarn ist teilweise noch recht verzerrt, sowohl in Polen als auch in Deutschland. Museen wollen die Annäherung fördern - mit verstärkter Zusammenarbeit.

Fachbesucher betrachten am 05.05.2006 in einer Ausstellung im Schlesischen Museum in Görlitz Vitrinen mit schlesischem Handwerk. Das Schlesische Museum zu Görlitz baut zunehmend auf grenzüberschreitende Kooperation.
Fachbesucher betrachten am 05.05.2006 in einer Ausstellung im Schlesischen Museum in Görlitz Vitrinen mit schlesischem Handwerk. Das Schlesische Museum zu Görlitz baut zunehmend auf grenzüberschreitende Kooperation.

© dpa

Görlitz.Görlitzer Museum nutzt Kontakte nach Polen (Mit Bild)

Das Schlesische Museum zu Görlitz baut zunehmend auf grenzüberschreitende Kooperation. „Einen immer größeren Raum nehmen gemeinsam, also mit einem polnischen Partner konzipierte Ausstellungen ein“, sagte Museumsdirektor Markus Bauer der Nachrichtenagentur dpa. Sein Haus habe inzwischen vielfältig erprobte Verbindungen zu zahlreichen Museen in großen und kleinen Städten des Nachbarlandes. Eine kürzlich eröffnete Ausstellung des Bunzlauer Keramikmuseums etwa werde in der zweiten Jahreshälfte in Görlitz gezeigt. Die Sonderschau über die Anfänge der Bunzlauer Keramik um 1.600 gehöre zu einem länderübergreifenden Projekt, an dem auch das Schlesische Museum beteiligt sei.

Das nächste große deutsch-polnische Projekt stehe für 2014 an, sagte Bauer. Unter dem Titel „Adel in Schlesien und in der Oberlausitz“ bereite sein Haus gemeinsam mit dem Kulturhistorischen Museum in Görlitz, dem Kupfermuseum in Legnica (Liegnitz) und dem Universitätsmuseum in Wroclaw (Breslau) drei Ausstellungen vor. Sie sollen thematisch eng miteinander verbunden und gleichzeitig zu sehen sein.

„Mit dem Schlesischen Museum in Kattowitz planen wir eine gemeinsame Ausstellung zu Erinnerungsorten der Deutschen und Polen in Schlesien“, kündigte Bauer an. Er selbst sei als einziger Nicht-Pole Mitglied im Museumsrat der polnischen Partnereinrichtung. Beide Häuser arbeiteten seit Jahren schon sehr eng zusammen. Derzeit entstehe für das Museum in Katowice ein komplexer Neubau mit 6.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. In emotionaler Bild- und Formensprache soll dort der multikulturelle Charakter der historischen Region Oberschlesien herausgestellt werden.

Schlesien erstreckt sich in der Ost-West-Ausdehnung über mehr als 400 Kilometer von Kattowitz bis Görlitz. Vor 1945 gehörte der Landstrich größtenteils zu Deutschland. Die grenzüberschreitende Kooperation nannte Bauer bedeutungsvoll, weil sie dazu diene, die teilweise noch sehr unterschiedlichen Bilder von der Geschichte Schlesiens in beiden Ländern zu korrigieren. Hierzulande existiere eine „sehr deutsch zentrierte Vorstellung“. In der früheren Volksrepublik Polen sei dagegen ein „krasses Zerrbild“ von den deutsch geprägten Jahrhunderten der schlesischen Geschichte propagiert worden.

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