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Samstag, 02.01.2016

Moschee nimmt Gestalt an

Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde baut in Leipzig die erste Kuppelmoschee in Ostdeutschland außerhalb Berlins. Der Gemeinde-Chef ist optimistisch, obwohl seit einem Jahr die Islamfeinde von Legida in der Stadt demonstrieren.

Der Siegerentwurf für den Moschee-Neubau in Leipzig-Gohlis. Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde will in diesem Jahr den Grundstein für ihre neue Moschee in Leipzig legen.
Der Siegerentwurf für den Moschee-Neubau in Leipzig-Gohlis. Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde will in diesem Jahr den Grundstein für ihre neue Moschee in Leipzig legen.

© dpa

Leipzig. Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde will in diesem Jahr den Grundstein für ihre neue Moschee in Leipzig legen. Nachdem die Bauvoranfrage von der Stadt genehmigt wurde, werde die Gemeinde jetzt Anfang des Jahres einen Bauantrag stellen, sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Abdullah Wagishauser. Gebaut werden soll nach dem Entwurf des Stuttgarter Architekten Mustafa Ljaic, der den Architekturwettbewerb zur Gestaltung des Gebäudes gewonnen hatte.

Es gab Proteste gegen das Vorhaben der Gemeinde, Anwohner in Gohlis hatten Widerspruch gegen die Baupläne eingelegt. Mittlerweile aber, sagte Wagishauser, sei die Stimmung besser: „Wir haben mit vielen Nachbarn sprechen können und viele der Ängste sind verflogen.“ Die Glaubensgemeinschaft der Ahmadiyya Muslim Jamaat hat in Leipzig rund 80 Mitglieder.

Abdullah Wagishauser (65) ist Vorsitzender der Ahmadiyya Muslim Jamaat-Gemeinde in Deutschland. Auf einer Reise nach Indien 1976 kam er das erste Mal mit der Ahmadiyya-Gemeinde in Berührung. Seit 1984 ist er Vorsitzender der Glaubensgemeinschaft in der Bundesrepublik. (dpa)

Herr Wagishauser, als bekannt wurde, dass Ihre Gemeinde in Leipzig-Gohlis eine Moschee bauen will, gab es Proteste. Wie ist die Stimmung jetzt?

Positiv. Der Wendepunkt war das Attentat mit den Schweinsköpfen. Da haben viele Nachbarn angefangen, sich von bestimmten Kreisen zu distanzieren und haben mit uns gesprochen. Viele der Ängste sind verflogen, weil man sich mit der Gemeinde auseinandergesetzt hat und auch mit dem Islam als solchem. Wir versuchen, so transparent zu sein wie möglich, damit die Leute ihre eigenen Erfahrungen machen.

Trotzdem gibt es in Leipzig mit Legida seit einem Jahr eine islamfeindliche Bewegung, die fast jede Woche demonstriert. Haben Sie nicht zwischenzeitlich überlegt, das Projekt abzubrechen?

Gegenwind sind wir gewohnt. Nach 9/11 ist der stärker geworden, vor allem in den neuen Bundesländern. Das ist kein Grund, sich einschüchtern zu lassen. Wir haben immer wieder erlebt, dass so eine Moschee, wenn sie einmal gebaut ist, für Frieden und für Verständigung sorgt. Wenn man das weiß, hat man auch eine gewisse Ruhe bei solchen Prozessen und lässt sich da nicht irritieren.

Islamophobe Ressentiments sind mittlerweile fast wieder salonfähig. Glauben Sie, das ändert sich auf absehbare Zeit?

Ich bin ein religiöser Mensch, daher habe ich eine positive Grundeinstellung. Ich glaube, dass sich da etwas tun kann. Die positive Reaktion auf die Hunderttausenden von Flüchtlingen, die gekommen sind - wenn einem das vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, hätte man gedacht, das klappt nicht. Aber es lässt sich verhältnismäßig gut an, wir haben immer noch eine positive Grundstimmung. Natürlich gibt es am rechten Rand Leute, die das missbrauchen, aber ein Großteil der Menschen sieht es zumindest nicht negativ.