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Dienstag, 15.03.2016

Mit PayPal-Konto zum Sex genötigt

Ein Gröditzer soll seine Freundin mit gefrorenen Bratwürsten geschlagen und erpresst haben. Die Anklage ist skurril.

Von Kevin Schwarzbach

Mit PayPal lassen sich online Geldbeträge bezahlen – etwa bei Ebay. Der Bezahldienst spielte jetzt eine wichtige Rolle in einem Prozess um ein Ex-Pärchen aus Gröditz.
Mit PayPal lassen sich online Geldbeträge bezahlen – etwa bei Ebay. Der Bezahldienst spielte jetzt eine wichtige Rolle in einem Prozess um ein Ex-Pärchen aus Gröditz.

© Eric Weser

Dresden/Gröditz. Als sie sich kennenlernen, scheinen sie ein gutes Team zu werden. Luise F.* und Karl B.* sind verliebt und versuchen, sich gegenseitig zu einem Nebeneinkommen zu verhelfen und ihr Hartz-IV illegal aufzubessern. Sie verkauft auf Ebay Kindersachen, er gibt Gebote ab, um den Preis in die Höhe zu treiben. Ab und an klappt es, meist geht es schief. Auch in der Liebe scheint nicht immer alles zu passen: Im Juni 2015 trennen sich die beiden, im August kommen sie wieder zusammen, im Oktober eskaliert die Situation.

Luise F. und Karl B. leben zu diesem Zeitpunkt im gleichen Haus in Gröditz – sie in der ersten, er in der dritten Etage. Am 7. Oktober 2015 kommt es zum ersten Zwischenfall: Der heute 29-Jährige soll die Geschädigte mit einer Packung gefrorener Bratwürste geschlagen und ihr eine Platzwunde an der Stirn zugefügt haben. Der zweite Zwischenfall ereignet sich am 15. Oktober: Da soll er der heute 25-Jährigen gedroht haben, dass er ihr geheimes PayPal-Konto, auf dem unter anderem das Geld aus den dubiosen eBay-Aktivitäten lagerte, beim Jobcenter und Arbeitsamt melden würde, wenn sie nicht mit ihm schlafe.

Daraufhin hätte Luise F. befürchtet, dass sie ihre Wohnung sowie ihre zweijährige Tochter und ihren dreieinhalb Jahre alten Sohn verliere. Auf Aufforderung habe sie sich ausziehen und an ihm sexuelle Handlungen vornehmen müssen. Unter anderem habe er sie zum Oralverkehr gezwungen. Noch zwei weitere Male soll er sie zum Sex genötigt haben. Luise F. habe aufgrund einer Operation beim Sex jedoch starke Schmerzen verspürt und Karl B. zur Beendigung des Verkehrs aufgefordert.

Er gibt es zu

B. gibt gleich zu Beginn der Verhandlung am Dresdner Amtsgericht zu, dass sich beide Ereignisse zugetragen haben. „Es war aber deutlich anders“, sagt er. Er behauptet, die Angeklagte mit den Bratwürsten aus Versehen getroffen zu haben. „Ich war in ihrer Küche und habe mir die Bratwürste zum Abendbrot machen wollen. Da kam sie plötzlich hysterisch hereingestürmt, ich habe mich umgedreht und dann ist es passiert“, sagt er. Sie sagt aus, dass er frontal vor ihr gestanden und sie gezielt geschlagen hätte, weil sie ihn aufgefordert hatte, die Wohnung zu verlassen. Karl B. gibt an, dass Luise F. bereits öfter aggressiv geworden sei und ihn auch geschlagen hätte. „Warum haben Sie das nicht angezeigt?“, will Richter Ulrich Stein wissen. „Wer hätte mir das denn geglaubt?“, entgegnet der Angeklagte. Er gibt allerdings zu, dass bei dem Vorfall mit den Bratwürsten Alkohol im Spiel war: „Es gab eine Phase, da hatte ich unter 0,5 Promille Entzugserscheinungen.“

Es sei jedoch zu einer Versöhnung gekommen. Karl B. sagt, dass er und Luise F. es noch einmal versuchen wollten. Dass sie daraufhin mehrmals Sex hatten, leugnet er nicht. „Es war aber ganz normal“, meint er. Sie sei einverstanden gewesen und habe auch nicht über Schmerzen geklagt. Erst beim versuchten Analverkehr – da habe man aber aufgehört, sagt der Angeklagte.

Er hat auch eine Theorie, warum ihn Luise F. auf die Anklagebank gebracht hat: „Sie will sich rächen, weil ich zweigleisig gefahren bin und noch eine zweite Freundin hatte.“ Luise F. habe davon mitbekommen. Ein Urteil fällt nach rund sechs Stunden nicht, die endgültige Entwirrung der Ereignisse benötigt Zeit. Zumal es noch drei kurze Videos des Geschlechtsverkehrs gibt. Der Prozess wird fortgesetzt.

*Namen geändert