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Donnerstag, 31.03.2016

Miss Germany kommt, Merkel nicht

Der 100. Deutsche Katholikentag löst in Leipzig keine Begeisterungsstürme aus. Dabei soll es ein Fest für alle werden.

Von Sven Heitkamp, Leipzig

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Nicht nur Gläubige sollen durch den Katholikentag angesprochen werden. Ein Plakat vermittelt daher die universale Botschaft: „Seht, da ist der Mensch.“
Nicht nur Gläubige sollen durch den Katholikentag angesprochen werden. Ein Plakat vermittelt daher die universale Botschaft: „Seht, da ist der Mensch.“

© picture alliance / dpa

Die Macher des großen Jubiläums haben Humor. Und Mut. Der 100. Deutsche Katholikentag wird eben nicht in einer ihrer Hochburgen begangen, in Passau, Regensburg oder Trier. Sondern in Leipzig mit seinen 4,5 Prozent Katholiken-Anteil. Vom 25. bis 29. Mai werden mehrere Zehntausend Besucher erwartet, darunter 20 000 Dauergäste. Auf der Internetseite „100tage100menschen.de“ erzählen bis zum Start jeden Tag Politiker, Polizisten und Priester, Künstler, Kirchenleute und Kioskverkäufer, was sie mit dem Katholikentag verbinden. Kürzlich war Ute Elisabeth Gabelmann dran, Stadträtin der Piratenpartei. Sie hatte das Bürgerbegehren „Keine Million“ gestartet, um zu verhindern, dass die Stadt eine Million Euro Steuergelder zum Glaubenstreffen beisteuert.

Ein Interview führte die Katholikentag-Redaktion dennoch mit Frau Gabelmann. Die sagt dort lässig: „Jeder soll seine Party selbst bezahlen - insbesondere, wenn auf dieser Party eine bestimmte Weltanschauung verbreitet werden soll.“ Und wenn der Katholikentag mit zehn Millionen Euro Budget plane, aber selber nur fünf Millionen stemmen könne - dann müsse er eben eine Nummer kleiner planen. Die Initiative bekam 18 000 statt der benötigten 22 500 Unterstützer zusammen, und Gabelmann sagt, es wären deutlich mehr geworden, wenn sie mehr Zeit gehabt hätte. Da mag sie Recht haben, denn wie ihr Beispiel zeigt stoßen der Katholikentag und dessen finanzielle Unterstützung in Leipzig auf einiges Kopfschütteln. Schon die prächtige neue Propsteikirche, die vorigen Mai gegenüber dem Rathaus eröffnet wurde, ist in der Stadt nicht besonders beliebt.

Laien treffen sich im Zentrum

Umso mehr Mühe gibt sich das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ (ZdK), auch die Nicht-Christen und Kirchen-Kritiker ins Boot zu holen. „Wir möchten ganz bewusst etwas anbieten, das für die Leipziger interessant und relevant ist“, sagt Propst Gregor Giele, der Beauftragte der Diözese Dresden-Meißen für den Katholikentag. Man werde versuchen, das Gespräch besonders mit konfessionslosen Mitbürgern zu suchen. Daher findet das Laientreffen unter dem Titel „Seht, da ist der Mensch“ auch nicht auf dem Messegelände am Stadtrand statt, sondern in den Sälen und auf den Plätzen im Zentrum Leipzigs.

Nur zehn Prozent der mehr als 1 000 Veranstaltungen seien Gottesdienste, wird betont. Alles andere sind bunt gemischte Podiumsdiskussionen, Workshops, Beratungsangebote, Ausstellungen und fast 160 Konzerte. Für Leipzig erfunden wurde die Reihe „Leben mit und ohne Gott“, um Gespräche zwischen Christen und Atheisten zu eröffnen. Die Bischöfe Wolfgang Ipolt aus Görlitz und Stefan Oster aus Passau treffen sich sogar zum Kneipengespräch mit Interessierten an der Theke eines irischen Pubs in der Innenstadt. Unter der Überschrift „Ich glaub‘ nichts, mir fehlt nichts“ hat sich der Thüringer Linke-Ministerpräsident Bodo Ramelow angekündigt.

Doch noch gibt sich das sonst so weltoffene Leipzig zugeknöpft. Für die Dauerbesucher werden mit der Aktion „Gast sucht Rast“ etwa 4 000 Privatquartiere in und um Leipzig gesucht. Bisher trudelten erst rund 1 200 Zusagen ein. „Wir haben uns viel mehr erwartet“, räumt Pressesprecherin Karin Schomaker ein. Bei früheren Jahrgängen in anderen Städten war man zwei Monate vor dem Fest schon viel weiter. Privatquartiere werden vor allem für ältere Menschen, Familien und Menschen mit Behinderung benötigt. Sie seien auch alle beim Katholikentag registriert.

Die AfD ist unerwünscht

Am Programm beteiligt sind viele Prominente. Die neue Miss Germany Lena Bröder ist bei einer Gala mit Fernsehköchin Sarah Wiener dabei. Sie ehren dort unter anderem das „Nachtcafé Dresden“ als wichtige Initiative für Wohnungslose.

Kanzlerin Angela Merkel hat derweil abgesagt: Zeitgleich tagt der G7-Gipfel in Japan. Nicht willkommen ist die AfD. Es seien keine Veranstaltungen mit deren Spitzenpolitikern vorgesehen – und dabei werde es auch bleiben, betont ZdK-Präsident Thomas Sternberg. „Katholiken wissen, dass Fremdenhass, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus unter katholischen Männern und Frauen keinen Nährboden haben.“ Die Flüchtlingsdebatte ist derweil ein Themenschwerpunkt. „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“, heißt ein Podium mit Bundestagspräsident Norbert Lammert. „Vergesst die Gastfreundschaft nicht“, lautet eine Veranstaltung mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).

Den Auftakt des Großereignisses macht ein offizieller Festakt in der Oper am 25. Mai, daran schließen sich eine Eröffnungsparty und ein „Abend der Begegnung“ auf dem Markt an, auch Bundespräsident Joachim Gauck ist dabei. Das katholische Hochfest Fronleichnam wird auf dem Augustusplatz gefeiert. Am Sonnabend laden die Katholiken zum großen Straßenfest samt sieben Bühnen und langen weißen Tafeln in der Innenstadt ein. Das simple Motto dann: Danke, Leipzig. Sonntagvormittag gibt es dann schließlich einen großen Abschiedsgottesdienst auf dem Augustusplatz. Zum Gebet erwartet werden bis zu 50 000 Menschen: Christen und Nicht-Christen. Auch Ute Elisabeth Gabelmann überlegt, mal zum Katholikentag zu gehen.

www.katholikentag.de

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Viktoria Beltz

    schwierige Vermittlung von Glauben

  2. Bernd

    Da die Flüchtlingsdebatte ein Schwerpunkt ist, laut obigen Artikel, gehe ich davon aus das diejenigen über welche diskutiert werden soll, auch alle eingeladen werden? Nur habe ich davon nichts im Artikel gelesen. Auch ein Katholikentag ist bunt, oder? Und ansonsten stimme ich dem zu: Wer die Party veranstaltet und dazu einlädt, der zahlt auch dafür. Immerhin erhalten die Kirchen ohnehin genug Staats - und Steuergelder die sie nach eignen Gutdünken und ohne Verwendungsnachweis nutzen dürfen.

  3. siggi

    M ist ja nicht katholisch sondern evangelisch. Also kann diese Person nicht kommen. Ich sehe dies vollkommen ein. Vielleicht sollte man den Ablass wieder einführen...

  4. Volkmar Richter

    Einen Katholikentag als Akt der Rekatholisierung im atheistisch-evangelischen Sachsen, dem Stammland der Reformation durchzuführen und dann die Atheisten und Evangelen auch noch zahlen zu lassen ist nicht mutig , sondern dreister Diebstahl von Steuermitteln. Es ist nur deshalb möglich, weil wie zu Zeiten Augusts des Starken die CDU-beheimateten Katholiken in Dresden das Sagen haben. Mit Humor der Veranstalter das schon gar nichts zu tun. Den müssen die Leipziger aufbringen, denn Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

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