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Samstag, 30.01.2016

Meissens Hüllen müssen fallen

Die Staatsregierung steht nach dem Rekordverlust weiter unter Druck. Sie soll Zahlen offen legen.

Von Peter Anderson

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Was steckt hinter dem schönen Schein, den die Manufaktur – wie hier bei der Eröffnung einer Boutique 2015 in Peking – verbreitet? Die Bündnisgrünen wollen das wissen.
Was steckt hinter dem schönen Schein, den die Manufaktur – wie hier bei der Eröffnung einer Boutique 2015 in Peking – verbreitet? Die Bündnisgrünen wollen das wissen.

© PR

Meißen. Die Landtagsfraktion der Bündnisgrünen fordert vom Freistaat eine tiefgehende Analyse und klare Aussagen zur Lage der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen und der Zukunft des Betriebes. „Es geht nicht an, dass das Parlament seit dem Jahr 2009 nicht mehr informiert wird über die Unternehmen des Freistaats und erst auf massiven Druck Informationen durchsickern“, kritisiert die haushalts- und finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion Franziska Schubert.

Ein ausführlicher Bericht über die dem Land gehörenden Unternehmen solle dies ändern. Daran müssten auch die Abgeordneten der regierenden CDU-SPD-Koalition ein Interesse haben. Für jede Kommune, jede Stadt sei dieser Bericht Pflicht. Der Freistaat sollte hier vorbildhaft vorangehen, heißt es in einer Pressemitteilung der Fraktion.

20 Millionen Euro Verlust

Aktueller Anlass für die Initiative der Oppositionspartei ist der jüngst veröffentlichte Rekordverlust von knapp 20 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2014. Einem Bericht der Wirtschaftszeitung Handelsblatt zufolge scheint sich daran auch 2015 nur wenig zu ändern. Meissen-Chef Tillmann Blaschke erwarte – bereinigt um Sondereffekte – „operativ ein leicht verbessertes Ergebnis“.

Für die nächsten drei Jahre werde ein merklich positiverer Abschluss angepeilt. Dann könne das Unternehmen in die Nähe der Gewinnschwelle kommen. Das Handelsblatt zitiert den Luxusmarkt-Analysten Franz-Maximilian Schmid-Preissler: „Es ist schwer, sich als Newcomer mit einer Couture-Linie im Luxusmodemarkt gegen große Konzerne durchzusetzen.“

Die bündnisgrüne Finanzexpertin Schubert betont vor dem Hintergrund der gescheiterten Expansionsstrategie, dass unternehmerische Fehler auch Sache des Aufsichtsrates seien. „Der Finanzminister kann sich hier nicht herauswinden, indem er alles auf die Geschäftsführung schiebt“, so Franziska Schubert. Die Porzellanmanufaktur gehöre dem Freistaat nun einmal zu 100 Prozent – damit sei der Freistaat auch zu 100 Prozent verantwortlich für die Blauen Schwerter.

Während der Vorstoß der Bündnisgrünen von der Linken unterstützt werden dürfte, ist abzusehen, dass die Christdemokraten ihn ablehnen. In der Vergangenheit hatten sie wiederholt betont, dass Interna des Unternehmens nicht bekannt gegeben werden könnten, da es sich hierbei um Geschäftsgeheimnisse handele.

Unterstützt wird diese Argumentation von dem bayrischen Marken-Analysten Klaus-Dieter Koch. In der MDR-Sendung „Fakt ist!“ verwies der Experte am Montag darauf, dass kein Luxus-Unternehmen der Welt sich gern in seine Karten schauen lasse. Schon gar nicht, wenn sich die Marke in einer Krise befinde, so wie dies aktuell bei Meissen der Fall sei. Dies könne Käufer abschrecken. Wer wolle sich schon gern mit Luxus-Artikeln eines kriselnden Unternehmens schmücken, fragte Klaus-Dieter Koch in der Sendung, welche weiterhin in der MDR-Mediathek verfügbar ist.

Zurück auf der Messe „Ambiente“

In der Manufaktur wird unterdessen intensiv der im Februar anstehende Auftritt auf der Ambiente in Frankfurt am Main vorbereitet. Die Leitmesse für Tisch, Küche, Haushalt, Wohnen und Schenken war wenige Jahre nach dem Amtsantritt von Meissen-Chef Christian Kurtzke 2008 aus dem Terminkalender des Unternehmens gestrichen worden. Stattdessen organisierte Kurtzke teure Messeauftritte vor allem in Paris. Dort stattete die Staatliche Manufaktur Meissen eine eigene kleine Villa aus, um ihre gesamte Produktpalette von der Nachttischlampe über Sofakissen bis hin zu Tischen und Stühlen präsentieren zu können.

Für die Manufaktur vor Kurtzke war ein Besuch auf der Ambiente dagegen stets ein Muss. Die Geschäftsführer berichteten im Anschluss an die Messe über abgeschlossene Aufträge und neue Geschäfte.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 17 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. goetz bartscht

    Und wann haben die Sachsen endlich die Stirn, einen Untersuchungsausschuss zu beantragen, welcher die inkompetenten, umsomehr gierigen Ambitionen der "Westimporte" Biedenkopf und vor allem des Dampfplauderers Kurtzke zu untersuchen? Dann wäre es längst ein Fall für die Staatsanwaltschaft und die feinen Herren hätten sich dort zu verantworten.

  2. MarkenverwässerungUndTalenteMobbing

    Wenn Kurtzke nicht auf Messen/ in Edelboutiquen/ im Luxussegment von Kaufhäusern und Katalogen Meissen-Produkte bewarb und offerierte, dann ist das gesamte Management ein Brachialflop! Das Management sollte dann Regress zahlen. Das ist Wirtschaftsdemontage,Kulturzerstörung und nicht nur Mißmanagement! Der Vorwurf schlichter Fahrlässigkeit ist da noch verniedlichend. "...Wer wolle sich schon gern mit Luxus-Artikeln eines kriselnden Unternehmens schmücken, ..." Sammler! Wenn welche die kompletten und letzten Kollektionen einer durch Korruption(?),Narzissmus und Inkompetenz heruntergewirtschafteten Marke ergattert haben, hat das natürlich einen Wert. Man sollte die Kernmarke, echte höchstwertige Porzellankunst als Marke sichern. Die anderen Bereiche sollten in eigenständige Firmen umgewandelt werden. Design und Produktion müßten aber in Sachsen erfolgen, denn die Fördermittel sind für Sachsen und nicht für Italien bestimmt! Die guten ital. Künstler(m/w) könnten z. d. neuen Firmen !

  3. Hans Dampf

    Mit Verlaub Herr Bartscht, Sie haben von unternehmerischen Entscheidungen, die nicht immer im Ergebnis positiv ausfallen müssen, keine Ahnung. Nicht jede unternehmerische Entscheidung ist ein Fall für den Staatsanwalt. Bedauerlich ist auch, welche fachliche Unkenntnis dieser Artikel wieder zum Ausdruck bringt.

  4. GenugDesLaissezFaire

    Ob der italienische Ableger Schutzgeld an die Mafia zahlen mußte? Sächsische Fördermittel müssen für Sachsen und nicht für Italien aufgebracht werden! Ich werte diese Mittelverschiebung als Mißbrauch! Das Sachsen, die Porzellanfabrik als Kulturerbe protegiert ist Ok, aber nicht mehr durch Politiker im Vorstand! Die bringen es nicht! Sachsen hat soviele hochqualifizierte Bedienstete, da müßte es doch wirkliche Profis auch geben, die groben Unfug aufdecken ohne der Firma die Luft und die Kreativität abzuwürgen!

  5. Bernd

    @1 Sie haben recht, allerdings wird man alles versuchen einen Untersuchungsausschuss zu verhindern. Den müssten Linke , Grüne und AFD zusammen beantragen..wird also nicht passieren. Und die CDU/SPD Koalition wird ihn auf jeden Falle verhindern. Das ist als ob man mit Fröschen über die Austrocknung sächsischer Sümpfe beraten wolle. WIR haben keine Sümpfe und somit steht Trockenlegung nicht zur Debatte!

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