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Donnerstag, 05.10.2017

Mehr Lehrverträge im Handwerk

Ein Studium gilt als bestes Karriere-Sprungbrett. Inzwischen bietet aber auch die berufliche Bildung gute Chancen. Das Image aber muss aufpoliert werden, damit sich mehr Abiturienten für eine Lehre entscheiden.

© dpa (Symbolfoto)

Dresden. Das sächsische Handwerk steht weiter hoch im Kurs bei Schulabgängern. Auch für das neue Lehrjahr schlägt ein Plus bei den Ausbildungsverträgen zu Buche.

Bis Ende September wurden nach Angaben des Sächsischen Handwerkstages 5 394 Lehren besiegelt und damit 447 oder neun Prozent mehr als vor einem Jahr. Nach Angaben von Sprecher Frank Wetzel ist der Lehrstellenmarkt aber hart umkämpft und die Anforderungen an die Bewerber sind gestiegen. Der Verband wirbt daher auch verstärkt um Abiturienten - und fordert mehr Unterstützung von der Politik für die Berufsausbildung.

Mehr Lehrverträge als im Vorjahr wurden bereits in den Berufen Fahrzeuglackierer, Bäcker, Metallbauer und Zimmerer abgeschlossen. Aus Verbandssicht erfreulich ist, dass mehr Meister wieder Nachwuchs ausbilden. So gebe es auch Lehrstellen für Estrich-, Fliesen-, Platten-, Mosaik- und Parkettleger, Kosmetiker oder Raumausstatter.

Ungeachtet des Nachfrage-Plus sind aber noch rund 1 000 Lehrstellen landesweit frei. So gibt es bei Maurern, Lebensmittel-Fachverkäufern, Metallbauern und Tischlern noch Plätze und sogar in den begehrtesten Bereichen Kfz-Mechatroniker, Elektroniker und Friseur gibt es noch Stellen. Der Zulauf ist groß, vielen Bewerbern fehlen aber die nötigen Voraussetzungen, weil es etwa auch im Kfz-Gewerbe solide Kenntnisse braucht.

„Die Berufsbilder sind anspruchsvoller geworden“, erklärt der Verbandssprecher. Hauptschülern fehle es manchmal an Wissen, aber auch an sozialer Kompetenz etwa für den Kundenkontakt. Viele Betriebe setzten daher auf Abiturienten. „Sie haben die nötige Reife.“ Angesichts der sehr hohen Studierneigung wird nach Rezepten gesucht, sie zu gewinnen. „Die Berufsausbildung in der Gesellschaft braucht ein besseres Image, die berufliche Bildung muss attraktiver werden“, sagte Wetzel.

Der Sächsische Handwerkstag fordert eine Gleichbehandlung durch den Bund bei der Förderung wie für den akademischen Bereich. Das fange mit kompetenten Lehrern in Ober- und Berufsschulen an. „Wir hadern mit Seiteneinsteigern, das ist nicht optimal“, sagt der Sprecher. „Wir brauchen nicht nur Akademiker, sondern auch gute Fachkräfte, die der gewerblichen Wirtschaft in Sachsen eine Zukunft geben.“ Sachsens Handwerk gehe voran: Ab 2018 gibt es dort auch die Berufsausbildung mit Abitur - im Elektrohandwerk.

Nach Verbandsangaben gibt es aktuell rund 57 000 Handwerksbetriebe, die zwischen 300 000 und 320 000 Menschen beschäftigten. Am stärksten vertreten sind das Bau- und Ausbaugewerbe mit etwa 16 000 zulassungspflichtigen Betrieben sowie das Elektro- und Metallgewerbe mit etwa 10 000 Unternehmen. (dpa)

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