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Montag, 04.01.2016

Mehr Geld für Trennungskinder in Sachsen

Der Selbstbehalt für die Väter wird aber nicht erhöht. Doch künftig soll es Änderungen beim Unterhaltsrecht geben.

Von Stephanie Wesely

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Dresden. Immer mehr Kinder in Sachsen wachsen bei nur einem Elternteil auf. Lebte hier vor zehn Jahren noch jedes fünfte Kind nur mit Vater oder Mutter in einem Haushalt, ist es jetzt schon jedes vierte. Die Trennungskinder bekommen ab Januar in Sachsen zwischen 7 und 19 Euro mehr Unterhalt im Monat. Laut der neuen Unterhaltstabelle stehen ihnen je nach Alter und Einkommen des Unterhaltsschuldners zwischen 335 und 826 Euro zu. Volljährige Kinder, die studieren und nicht bei ihren Eltern wohnen, haben nun Anspruch auf 735 statt bislang 670 Euro im Monat.

Zugleich sind immer weniger Trennungskinder auf staatliche Unterstützung angewiesen. Den Unterhaltsvorschuss zahlt der Staat Kindern, deren Eltern nicht leistungsfähig sind. Er beträgt 145 Euro im Monat bis zum sechsten Lebensjahr und 194 Euro bis zum zwölften. In Dresden sank die Zahl der Empfänger von 5 650 im Jahr 2010 auf 5 250 letztes Jahr. Sigrun Harder vom Jugendamt Dresden: „Das hat mit der guten wirtschaftlichen Lage in Sachsen zu tun.“

Die Unterhaltspflichtigen sind zu 90 Prozent Väter. Ihr Selbstbehalt – das ist der Teil des Einkommens für das eigene Leben – wurde allerdings nicht mit angepasst. Der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht kritisiert das. „Seit dem Inkrafttreten der sogenannten Düsseldorfer Tabelle stiegen die Sätze für den Kindesunterhalt um 78 Prozent, die Selbstbehalte jedoch nur um 28 Prozent“, sagt Vorstand Josef Linsler. „Ein Selbstbehalt in Höhe des Mindestlohnes, also von rund 1 250 Euro im Monat, wäre die Untergrenze. Stattdessen müssen viele Väter mit 880 Euro auskommen.“ Geschenke oder Unternehmungen mit den Kindern seien da kaum drin.

Die Entscheidung über die Anpassung treffen die Familiensenate der Oberlandesgerichte. Die aktuelle Erhöhung ist die zweite innerhalb von fünf Monaten. Viele Tausend Unterhaltstitel müssen jetzt erneut umgeschrieben werden. Mit so kurzfristigen Änderungen soll Schluss sein. Die Unterhaltsbeträge werden künftig regelmäßig alle zwei Jahre angepasst. Grundlage ist nicht wie bisher der Kinderfreibetrag, sondern das Existenzminimum. „Das macht einen Unterschied, weil die Unterhaltsanpassungen per Rechtsverordnung erfolgen und keine Zustimmung des Bundesrats mehr erforderlich ist“, sagt Ina Flache vom Jugendamt Chemnitz.

Mit Geld allein ist es bei einer Trennung der Eltern aber nicht getan. „Kinder von Alleinerziehenden haben ein doppelt so hohes Risiko für psychische Krankheiten wie Kinder aus stabilen Familien“, sagt Professor Veit Rößner, Direktor der Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Dresden.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

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  1. Kathleen Schulz

    Es ist doch in jedem Fall ein absolutes Thema,welches dringend diskutiert werden muss. Alleinerziehend sein hört nicht auf wenn das Kind 12 wird.(unterhaltsvorschuss) Wenn man als Mutter alleine alles tun muss und Väter nicht zahlen,unterhaltsausgaben auch noch steuerlich absetzen können...wo bleibt du Gerechtigkeit? Hartz4 wird angeglichen wenn der unterhaltsvorschuss wegfällt...mir fehlen dann fast 200€ im Monat und ich habe zwei Jobs.Den Erzeuger interessiert das nicht.Das Kind mit 12, Gymnasium...Wachstum,ständig neue Klamotten. Klassenfahrten, Schulsachen,Freizeitgestaltung.. Für Förderungen haben wo zu viel....zum auskommen,oder gar mal einen Urlaub zu wenig. Aber ja, dem Vater geht es gut. Respekt allen Vätern die sich kümmern, alle anderen sollten 18 stunden arbeiten um den Unterhalt zahlen zu können. Mütter steht auf und wehrt euch. Wie soll man fit sein für sein Kind wenn man nur Schuften muss???8Nv85

  2. Andre

    Was will der Artikel sagen? Wenn man das liest leben wir also immer noch im westdeutschen Hausfrauenstaat, oder was bedeutet hier "Der Selbstbehalt für Väter"? Es wird doch über den Unterhalt für die Kinder! geschrieben, oder? Ist dafür nur der Vater zuständig? Was hier nicht steht. Ein Wechselmodell, in welchem sich beide Eltern zur Hälfe um die Kinder kümmern, gibt es in der Rechtssprechung für den Unterhalt in Deutschland gar nicht. Damit ist der Vater schon vorverurteilt. Wollte Frau Wesely das damit sagen?

  3. Darth Vader

    Die archaische Auslegung des deutschen Familienrechts bevorzugt die Mutter als Erstversorgerin und zieht den Vater lediglich als Finanzierer zur Verantwortung. Dies führt dazu, dass die Mutter das Geld für den Nachwuchs einkassiert und - hoffentlich - zu Gunsten des Kindes ausgibt, den Vater darüberhinaus aber lediglich als Babysitter betrachtet. Kindeswohlfördernde Umgangsregelungen kommen selten zustande. An eine gemeinsame Erziehung ist kaum zu denken. Das Wechselmodell - besser noch das Nesting-Modell - scheint außerhalb der "Papasphäre" nicht gewollt zu sein. Kein Wunder, dass diese Zustände in einigen Familien regelrecht zum Geschäftsmodell "Single Mother by Choice" geführt haben.

  4. kein Fan

    Frau Schulz, können Sie mir das mit der steuerlichen Absetzbarkeit mal näher erklären? Das deutsche Steuergesetz sieht lediglich einen Kinderfreibetrag vor, der aber gegen das Kindergeld gerechnet wird. In aller Regel ist das Kindergeld günstiger und nur bei wirklichen Gutverdienern greift der Kinderfreibetrag. Sollten Unterhaltszahlungen wirklich steuerlich begünstigt werden, wären doch alle in regulären Familienverhältnissen lebenden benachteiligt, denn da gilt nix mit Absetzungsmöglichkeit, sondern nur Kinderfeibetrag ODER Kindergeld. Und das bekommt ein Kind getrennt lebender Elternteile ebenfalls.

  5. tschle

    Über Kindesunterhalt kann man nicht so richtig streiten. Der Gesetzgeber legt es fest und die Unterhaltszahler haben sich danach zu richten. Punkt. Ja, das Leben ist teuer, Kitaplätze und Schulveranstaltungen, Miete und Freizeit, Handy und Laptop, DSL und Monatskarte. Dann das Studium (das Vater Staat nur bis 25 mitfinanziert!) - was muß das muß halt. Aus Sicht der Zahler kann ich leider sagen das die Belastung nicht ganz ohne ist und, ganz wichtig, Augen auf bei der Partnerwahl...Ich kann die Menschen mit "Bindungsphobien" und "Nachwuchsverweigerung" irgendwie ganz gut verstehen.

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