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Donnerstag, 05.10.2017

Mehr als doppelt so viele Fälle pro Pflegekraft wie im Jahr 1991

Seit Jahren bauen Krankenhäuser Pflegestellen ab, trotz steigender Patientenzahlen. Nun zeigt ein Bericht des Statistischen Bundesamtes, wie dramatisch die Situation des Pfleger in Sachsen ist.

© dpa (Symbolfoto)

Dresden. Die Arbeitsbelastung für Pflegekräfte in Krankenhäusern in Sachsen ist in den vergangenen 25 Jahren stark gestiegen.

Wie die Deutsche Stiftung Patientenschutz mitteilte, kamen 2016 auf eine Pflegekraft durchschnittlich rund 58 Fälle und damit 58 Prozent mehr als 1991 (rund 37). Die Zahlen stammen aus Unterlagen des Statistischen Bundesamtes und zeigen, dass sich die Belastung für Ärzte hingegen nicht verändert hat. Die Fallzahlen pro Arzt sind bei rund 124 geblieben.

Erklären lässt sich die höhere Belastung für Pfleger und Pflegerinnen mit den stark angestiegenen Fallzahlen auf den Stationen. Aus dem Bericht geht hervor, dass in den vergangenen Jahren die Krankenhausfälle in Sachsen um rund die Hälfte (54 Prozent) gestiegen sind, von 656 000 in 1991 auf 1 007 500 im vergangenen Jahr. Während die Zahl der Ärzte um rund 53 Prozent auf 8 100 in 2016 gestiegen ist, ist die Zahl der Pflegestellen gegenüber 1991 sogar leicht gesunken, um knapp drei Prozent. Damals waren rund 17 800 Pfleger und Pflegerinnen in Sachsens Krankenhäusern beschäftigt, 2016 nur noch 17 300.

Sachsen verzeichnete damit den massivsten Anstieg der Fallzahlen bundesweit. Zudem sind nur in Berlin mit 96 Prozent die Fälle pro Pflegekraft stärker gestiegen als in Sachsen.

Im Bundesdurchschnitt stieg die Fallzahl pro Pflegekraft um 34 Prozent an, während die Zahl der Pfleger und Pflegerinnen minimal um 0,3 Prozent sank. „In den vergangenen 25 Jahren sind die Behandlungen in den 2 000 Krankenhäusern um ein Drittel auf 19,5 Millionen gestiegen“, sagte Eugen Brysch. Obwohl viele Patienten mehr Pflege brauchten, würden sie immer schneller entlassen. „Doch die Kliniken und die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben den demografischen Wandel ignoriert“, sagte Brysch. Die Zahl der Pflegekräfte sei über Jahrzehnte systematisch abgebaut worden. (dpa)

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