erweiterte Suche
Donnerstag, 14.01.2016

Manufaktur fährt Rekordverlust ein

Der Jahresabschluss der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen für 2014 weist ein Minus von 19,2 Millionen Euro aus. Mit „drastischen Schritten“ hat die Geschäftsführung reagiert.

16

Schwere Zeiten für die blauen Schwerter: Die Meissen-Manufaktur hat die Bilanz für das Geschäftsjahr 2014 vorgelegt. Bis November war Christian Kurtzke Geschäftsführer des traditionsreichen Unternehmens.
Schwere Zeiten für die blauen Schwerter: Die Meissen-Manufaktur hat die Bilanz für das Geschäftsjahr 2014 vorgelegt. Bis November war Christian Kurtzke Geschäftsführer des traditionsreichen Unternehmens.

© SZ-Archiv/ C. Hübschmann

Meißen. Die Staatliche Porzellan-Manufaktur GmbH (SPM) hat im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von 37,9 Millionen Euro (2013: 38,3 Millionen Euro) erwirtschaftet. Damit wurde das Jahr mit einem Verlust von 19,2 Millionen Euro (2013: - 2,2 Millionen Euro) abgeschlossen. Wie Unternehmenssprecherin Sandra Jäschke erklärt, beinhaltet dieses Minus „negativ wirkende einmalige, handelsrechtlich notwendige, jedoch nicht liquiditätswirksame Sondereffekte in Höhe von 18,3 Millionen Euro, die direkt und indirekt auf die Tochtergesellschaft Meissen Italia S.r.l. zurückzuführen sind“. Bereits im Juli 2015 war als erster Schritt die italienische Geschäftsführung neu besetzt worden.

„Das Ergebnis ist ernüchternd und absolut nicht zufriedenstellend. Was ich in Italien vorgefunden habe, hat diese drastischen Schritte erfordert, um das Gesamtunternehmen nicht zu gefährden. Gemeinsam mit einer neuen Geschäftsführung in Italien müssen wir jetzt nach vorn arbeiten. Meissen hat ein wertvolles Erbe und großes Zukunftspotenzial“, so Tillmann Blaschke, seit November 2014 Geschäftsführer des Unternehmens. Er betonte, dass dieser Weg einige Zeit in Anspruch nehmen würde. 2015 habe man dazu bereits spürbare Maßnahmen eingeleitet.

Sondereffekte und Weiteres zum Jahresergebnis

Die Tochtergesellschaft in Mailand organisiert vor allem die Entwicklung und Lieferung für die neuen Produktgruppen: Home, Joaillerie, Accessoires und Couture. Die damit verbundenen Ertragserwartungen konnten nicht realisiert werden. Die angebotenen Produkte entsprachen nicht immer den Marktanforderungen. Die dafür ursächlichen Schwächen in der Aufbau- und Ablauforganisation haben Einschnitte im Jahr 2015 erforderlich gemacht. Im Ergebnis wurde die Beteiligung an der Tochtergesellschaft vollständig wertberichtigt. Forderungen wurden abgewertet und Vorräte abgeschrieben. Für eventuell noch drohende Verluste ist eine Rückstellung eingeplant worden. Latente Steuern wurden wertberichtigt.

Im Übrigen enthält das Jahresergebnis auch den Buchgewinn aus dem Verkauf von Museumsbeständen an die Meissen Porzellan-Stiftung GmbH in Höhe von 6 Millionen Euro.

Das Jahresergebnis bildet neben einmaligen Sondereffekten auch Kostensteigerungen im Zusammenhang mit dem Aufbau der neuen Produktgruppen sowie dem strukturell herausfordernden Porzellanmarkt ab.

Im Fokus des Unternehmens steht auch zukünftig der Umsatz mit Porzellanprodukten, der im Geschäftsjahr 2014 rund 87 Prozent ausmachte. Der internationale Markt, mit dem Meissen knapp die Hälfte seines Umsatzes erwirtschaftet, bleibt herausfordernd. Vor allem die zurückgegangene bzw. hinter den Erwartungen liegende Nachfrage aus Russland oder China hat 2015 zu einem erneut schwierigen Jahr gemacht.

Im Unternehmen wurde darauf bereits mit Maßnahmen zur Steigerung von Effizienz und Wirtschaftlichkeit reagiert. So wurde im vergangenen Jahr den Eigenvertrieb verstärkt, was schon erste Erfolge zeige, erläutert Firmensprecherin Jäschke. Gleichzeitig haben die Beschäftigten und ihr Betriebsrat diesen Kurs mit der im Sommer vergangenen Jahres vereinbarten Kurzarbeit und tariflichen Sondervereinbarungen unterstützt.

Erwartetes Ergebnis 2014 für den Meissen-Konzern

Im Meissen-Konzern mit seinen drei Tochtergesellschaften schlagen die Sondereffekte des Jahresabschlusses der SPM nur zum Teil zu Buche. Es wird für das Geschäftsjahr 2014 ein Gesamtumsatz in Höhe von 41,1 Millionen Euro sowie ein Jahresfehlbetrag von minus 11,1 Millionen Euro erwartet. (SZ)

Leser-Kommentare

Seite 1 von 4

Insgesamt 16 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. tschle

    Restrisiken der Sachsenbank, Verluste bei Schloß-Wackerbarth, die Manufaktur. Der Staat sollte sich als Unternehmer raushalten statt unser Geld zu verbrennen.

  2. NoFear

    @tschle: Und wie sieht's bei Trinkwasserversorgung, Krankenhäusern, ÖPNV oder Semperoper aus? Soll sich da der Staat auch raushalten, damit alles besser wird? Ich bestreite nicht, daß in Meißen viel Porzellan zerschlagen wurde und vielleicht wäre es in diesem Fall tatsächlich richtig, den Staat außen vor zu lassen, auch wenn die traditionsreiche Firma dann eben nicht mehr da wäre. Trotzdem kann man nicht pauschal sagen, daß der Staat als Unternehmer immer die schlechtere Lösung sei...ich würde stattdessen sagen: Es kommt darauf an.

  3. Roba

    Ich stelle fest: meine Versuche, der Manufaktur im Jahre 2014 zu einem Überschuss zu verhelfen, waren ohne Erfolg; schade! Ich stelle weiter fest: Wer, der wirtschaftlichen Verstand hat, hatte etwas Anderes erwartet? Mit Sicherheit auch Herr Blaschke nicht. Nur Herr Biedenkopf träumt für dumme Sachsen - pardon Herrn Unland - vielleicht noch!

  4. Freund der Manufactur

    Meißen ist eine traditionelle Porzellanmanufaktur seit jeher aber unter Herrn Kurtzke wurde aus dieser kleinen Manufactur ein Konzern mit - Tochtergesellschaften entwickelt. Nur das entgegen solchen Konzernen wie zb BMW die Konzernmutter schon Klamm war als die die Töchter gründete. Als Staatsbetrieb zahlte u zahlt der Steuerzahler.So auch die 6 Mio die die Porzellanstiftung für Museumsporzellan vom Freistaat erhielt der die Stiftung hält - das ist Genial .Nun gibt es die Tochter in Italien die Couture Home u. Accesoires entwickelt ,warum. Der kauf von teuerem Porzellan ist in der heutigen Entwicklung zurückgegangen. So dürfte man zum Erhalt mit bekannten Mustern u.kleiner Manufactur die berühmten Blauen Schwerter erhalten mehr aber nicht .Dafür existiert auch bei richtigem Marketing ein Klientel für Gemischtwaren aber nicht das widerspricht der Historie der Blauen Schwerter

  5. Oswin

    Schau mal an, Biedenkopfs liebstes Kind. Es wäre günstig, wenn sich Verwaltung und Vorstand, Geschäftsführer und Aufsichtsratsmitglieder (sind sicher Versorgungsposten für abgehalfterte Parteigänger) noch schnell mal Millionenboni auszahlen. Dann hätten wir ein weiteres durch die DDR gerettetes Unternehmen sicher in die Pleite geschmissen. Vorher noch einmal richtig abfetten. Die Porzellanmaler dann zu den Hartzern abschieben.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 4

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein