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Dienstag, 15.03.2016

Mädchenmord im Fernsehen

Das Verbrechen erschütterte 1965 ganz Görlitz. Der MDR begab sich nun auf Spurensuche im Fall Roswitha B. Am Mittwoch läuft die Sendung im TV.

Von Daniela Pfeiffer

Mit einer Kinderdarstellerin inszenierte der MDR vergangenen Sommer für „Die Spur der Täter“ die letzten Stunden im Leben des Mädchens Roswitha.
Mit einer Kinderdarstellerin inszenierte der MDR vergangenen Sommer für „Die Spur der Täter“ die letzten Stunden im Leben des Mädchens Roswitha.

© MDR/David Kopp

Nur einer von vielen erschütternden Momenten in dieser Sendung: Die kleine Schwester von Roswitha B. erzählt, wie sie nur durch Zufall erfuhr, dass es noch jemanden in der Familie gegeben hatte. Sie war erst drei Monate alt, als ihre damals elfjährige Schwester Roswitha von einem Görlitzer umgebracht wurde. Die Eltern konnten nie darüber sprechen, bis ein Lehrer in der Schule die jüngere Schwester immer mit Roswitha ansprach – einfach, weil er sie verwechselte.

Die Schwester ist nur eine von mehreren Zeitzeugen, die der MDR für seine Sendereihe „Die Spur der Täter“ im vergangenen Sommer in Görlitz ausfindig gemacht und interviewt hat. Auch eine Nachbarin des Täters erzählt von ihren Beobachtungen damals und wie sie der Polizei letztlich den entscheidenen Hinweis darauf geben konnte, wo das seit Wochen vermisste Mädchen sein könnte.

Denn die Elfjährige war seit dem Morgen, als sie in der Nachbarschaft Altpapier sammeln wollte, verschwunden. Die Fahndung lief mehrere Wochen – ohne Erfolg. Auch der Nikolaifriedhof war damals mit Spürhunden abgesucht worden. Unmittelbar in der Nachbarschaft lebte Roswithas Familie. Und auch der Täter.

Viele Aufnahmen des MDR sind auf dem Friedhof entstanden, denn die alten Grüfte sind entscheidend für die Aufklärung des Falls. Auch auf dem nahen Ober-steinweg wurde gedreht, wo der Täter damals in einem alten Häuschen lebte.

Der heutige Besitzer des Grundstücks kommt im Beitrag genauso zu Wort wie der Kriminaltechniker, der im August 1965 die Leiche des Mädchens schließlich unter den Dielen in der Küche des Täters fand. „Wenn ich die Augen schließe, sehe ich das Bild noch heute. Das werde ich nie vergessen“, sagt Kriminaltechniker Peter Hippe im Beitrag.

Er macht auch deutlich, wie krank und pervers der Täter – ein damals 34-jähriger Friedhofswärter – wirklich war. Auch vor Roswithas Ermordung hatte er schon Leichen geschändet. Das geht aus den Ermittlungsakten und den Protokollen der Täterbefragung hervor, die der MDR für seine Recherchen einsehen durfte.

Roswitha B. dürfte einer der schrecklichsten Kriminalfälle der jüngeren Görlitzer Geschichte sein. Autorin Eveline Schulze, früher Sekretärin bei der Volkspolizei, hat ihn bereits in ihrem Krimi „Onkel, warum zitterst Du so“ beschrieben.

„Die Spur der Täter“: 16. März, 21.15 Uhr im MDR