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Donnerstag, 17.03.2016

Lichterkette für gutes Miteinander

Mehr als 300 Moritzburger reagierten am Mittwochabend mit einem stillen Protest auf eine Anti-Asyl-Demo der NPD.

Von Sven Görner

Stiller Protest gegen Hetz-Parolen. Mit einer Lichterkette demonstrierten am Mittwochabend mehr als 300 Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder für ein Zusammenleben in Würde und Frieden.
Stiller Protest gegen Hetz-Parolen. Mit einer Lichterkette demonstrierten am Mittwochabend mehr als 300 Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder für ein Zusammenleben in Würde und Frieden.

© SZ

Moritzburg. Als die Glocken der Moritzburger evangelischen Kirche um 17.45 Uhr zu läuten beginnen, streben noch viele Menschen mit eiligen Schritten auf der Schlossallee von beiden Seiten den Berg hinauf zum Gotteshaus. Dort haben sich schon viele Moritzburger versammelt. Doch auch Gesichter von Menschen aus Nachbargemeinden sieht man in den Bankreihen. Diese sind wenig später sehr gut gefüllt. Auch auf der Empore sitzen Frauen, Männer, Kinder, die vor der für 18.15 Uhr geplanten Lichterkette an einer kurzen Andacht teilnehmen wollen.

Vor der Buchhandlung gegenüber dem Haus des Gastes, dem zweiten Treffpunkt für die Lichterkette, stehen zur gleichen Zeit deutlich weniger Leute. Viel mehr als ein gutes Dutzend sind es nicht. Doch am Ende machen sich von hier etwa 100 Menschen mit ihren Lichtern auf den Weg in Richtung Käthe-Kollwitz-Platz.

Der Altar der Kirche ist mit der Regenbogenfahne der internationalen Friedensbewegung geschmückt. Zu Beginn der Andacht erklingt das bekannte Lied „We shall overcome“. „Das alte Lied, das von der Hoffnung singt, dass wir Menschen es etwas besser machen können“, wie es Pfarrer Freimut Lüdeking sagt. „Von der Hoffnung, dass ein gutes Zusammenleben gelingen kann. In Würde und Frieden.“

Viele Moritzburger versuchen mit viel Engagement, seit der Ankunft der Asylbewerber in der neu eröffneten Asylunterkunft, ein solches Zusammenleben auch mit den Fremden zu gestalten. Nicht ohne Erfolg. Dass die NPD gestern nicht weit vom Heim entfernt zu einer Anti-Asyl-Demo unter dem Motto „Moritzburg wehrt sich gegen Asyllobbyisten und Flüchtlingschaos“ mobil machte, rief daher Protest hervor. Zur Lichterkette aufgerufen hat schließlich das Evangelisch-Lutherische Diakonenhaus Moritzburg.

„Mensch sein verbindet“

Bevor die über 200 in der Kirche Versammelten am Ausgang ihre Kerzen anzündeten und sich auf den Weg zum Kundegebungsplatz der Rechtsextremen am Kollwitz-Platz machten, erinnerte Pfarrer Lüdeking daran, dass die Lichterkette eine stille Kundgebung ist. „Auch wenn es vielleicht schwerfallen wird, sich am Riemen zu reißen und nichts zu erwidern.“

Beim Kerzenanzünden hilft auch Martin Dulig, der in Moritzburg lebende sächsische Vize-Regierungschef und SPD-Vorsitzende im Freistaat. Wie er reiht sich wenig später auch das zweite Moritzburger Landtagsmitglied in die Lichterkette ein – Kirsten Muster von der AfD. Sie hatte zu Wochenbeginn Bürger mit einer kritischen Haltung zur Asylpolitik ausdrücklich vor einer Teilnahme an der NPD-Demo gewarnt. Gegenüber der Kirche stehen zwei Leute mit einem Transparent: Für Heimat und Familie, Siedlungspolitik stoppen“ ist darauf zu lesen. Etwas später als geplant kommen schließlich alle Teilnehmer der Lichterkette am Kollwitz-Platz an. Am Geländer vom Haus des Pferdes hat jemand drei große weiße Bögen Papier befestigt. Auf denen steht in bunter Schrift : „Mensch sein verbindet.“

Pünktlich um 18.30 Uhr beginnt auf der anderen Straßenseite die NPD-Kundgebung. Die Gemeinde hatte am Tag noch die dort stehenden Bänke abmontiert. Das erweist sich als überflüssig. Denn wie die Polizei sagt, nehme an der Veranstaltung nur maximal 60 bis 70 Leute teil. Während sich die Lichterkette wie geplant kurz nach 18.45 Uhr auflöst, sprechen Redner auf der Demo noch einige Zeit zu den Anhängern.

Im Heim haben Freiwillige der Initiative Vielfalt Moritzburg mit den Bewohnern derweil Pizza gebacken, die dann an einer aufgebauten langen Tafel gemeinsam verspeist wird.

Zwischenfälle gab es im Ort bis zum Redaktionsschluss nicht.