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Samstag, 10.01.2015

Leipzig wehrt sich

Wenn die Islamkritiker von Legida am Montag vor das RB-Stadion ziehen, stellen sich Tausende Bürger dagegen.

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Die Arena wurde nicht zufällig als Demo-Kulisse ausgewählt.
Die Arena wurde nicht zufällig als Demo-Kulisse ausgewählt.

© dpa

Nun also Leipzig. Nachdem sich in Dresden Abertausende Menschen den Pegida-Aufmärschen anschließen, spaziert am kommenden Montagabend das fast namensgleiche Bündnis „Leipzig gegen die Islamisierung des Abendlandes“ erstmals durch die Stadt der Friedlichen Revolution. Der Aufmarsch wird nach den versprengten Aktionen in Westdeutschland die erste Bewährungsprobe der Protestbewegung im Osten außerhalb Dresdens. Bekommen die selbsternannten Retter des Abendlandes auch in Leipzig Zulauf, wo schon massiv gegen einen Moscheebau protestiert wurde? Und stoßen sie auf mehr Gegenwehr?

Der Kopf der Gruppe, Jörg Hoyer aus Heidenau, hat die Teilnehmerzahl auf 5 000 erhöht. Hoyer, 49, ist in der Politik kein Unbekannter. Der Publizist und Experte für Militärgeschichte ist seit anderthalb Jahren in der FDP: „Ich bin ein Liberaler“, sagte er der SZ. Die Parteifreunde wollen zu ihrem umtriebigen Mitglied auf Nachfrage aber keine Stellung nehmen. Bis 1994 war Hoyer Fraktionschef der CDU im Kreistag von Döbeln. Laut MDR verkauft der Militaria-Gutachter manchmal auch Devotionalien aus Nazi-Deutschland: Auf einem Flohmarkt soll er 2009 Hakenkreuz-Skulpturen, eine Hitler-Büste und Schuhe aus einem KZ angeboten haben.

Gegen seinen Legida-Aufmarsch hat sich bereits ein breites Aktionsbündnis formiert. Die Stadt ist kampferprobt und hat eine erfolgreiche Tradition in der Blockade von Nazi-Aufmärschen. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) geht daher auch jetzt davon aus, dass es mehr Gegendemonstranten als Legida-Mitläufer geben wird. „Leipzig ist groß geworden, weil immer wieder Menschen zu uns gekommen sind“, sagt Jung. „Wer hier ist, gehört zu uns.“ Das 17-Punkte-Programm von Legida formuliere dagegen „rechtsradikales Gedankengut“, das fast einem Grundsatzpapier der NPD gleichkomme. Dies sei nicht der Ansatz der Leipziger, betont der OB.

Ein Netzwerk von Kirchen, Parteien und privaten Initiativen bereitet unter dem Namen „No Legida“ für Montag sieben Gegendemos und andere Aktionen vor. Die Bewohner des Waldstraßenviertels sind aufgerufen, Lichter zu löschen und am offenen Fenster Beethovens Europahymne „Ode an die Freude“ zu spielen.

Jörg Hoyer, der für Legida die Hauptrede halten will, rechnet selbst nicht unbedingt damit, dass der Spaziergang seiner Anhänger überhaupt von der Stelle kommt. Der Treffpunkt vor dem Stadion von Red Bull Leipzig ist offenbar mit Bedacht gewählt: Zu den Organisatoren gehören Leute aus dem Umfeld der teils gewaltbereiten Fanszene der Fußballclubs Lok und BSG Chemie, die dem finanzstarken Leipziger Zweitligisten in herzlicher Feindschaft verbunden sind.

Das 17-Punkte-Programm von Lediga spricht eine klare Sprache. Da geht es um die strikte Beschränkung des Asylrechts sowie die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft bei Straftaten. Wichtig sei die „Wiedererlangung unserer nationalen Kultur“ und die Abkehr von Multikultur. Die Vermischung von Kulturen führe zum „Zusammenbruch der Urkultur“, zum Sittenverfall und zur „Verdummung des Volkes“.