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Mittwoch, 02.03.2016

Lauchs schmiert sogar auf Norderney

Die Kripo sammelt Beweise, um die Sprayer zu überführen – im Bunde mit Bayern und Polizisten an der Nordsee.

Von Peter Redlich

Die Lauchs-Graffiti am Gebäude der Stadtwerke auf der Nordseeinsel Norderney verärgern die Anwohner der dortigen Gemeinde. Auch in Dresden, dem Umland und in Bayern hat Lauchs schon Spuren hinterlassen.
Die Lauchs-Graffiti am Gebäude der Stadtwerke auf der Nordseeinsel Norderney verärgern die Anwohner der dortigen Gemeinde. Auch in Dresden, dem Umland und in Bayern hat Lauchs schon Spuren hinterlassen.

© Sven Ellger

Radebeul. Ist Lauchs wieder aktiv in Radebeul und an der Stadtgrenze zu Dresden? Die Anzeichen häufen sich. Bürger stellen neue Schriftzüge auf Stromkästen und an der S-Bahnstrecke Richtung Dresden fest.

Seit fast zwei Jahren jagen Polizisten hinter den Schmierern her. Anfangs wurde vermutet, dass hinter dem Schriftzug Lauchs lediglich ein Einzeltäter steckt. Spätestens seitdem unter oder neben dem eigentlichen Schriftzug Anmerkungen wie Crew oder anderes stehen, gehen die Ermittler davon aus, dass es sich um eine Gruppe handelt. Zumindest um Trittbrettfahrer hinter dem Anführer.

Das bestätigen auch die jüngsten Informationen, die von der Waterkant, der Insel Norderney an der Nordsee, nach Sachsen gelangt sind. Dort sind, gleich hinterm Deich, an einer Ziegelwand der Stadtwerke, auch an einer Schutzhütte der Kurverwaltung und an einem Trafohaus neben der Jugendherberge die Schriftzüge Lauchs gesprüht worden. Kerstin Stute, Kommissarin in der Polizeistation Norderney: „Wir haben ermittelt, dass genau zu dieser Zeit, als wir die Anzeigen zu den Graffiti im vorigen Jahr erhielten, sieben Jugendliche aus Sachsen in unserer Jugendherberge zu Gast waren.“ Der von der Polizei geschätzte Sachschaden an den Gebäuden betrage dort etwa 4 000 Euro.

Auf der Insel Norderney waren in den vergangenen Jahren wiederholt Schüler aus Dresden und der Umgebung zu Besuch. Die Stadt Dresden besaß dort ein Schullandheim. Ob es dazu Zusammenhänge gibt, konnte die Polizei jedoch nicht bestätigen.

Anzeigen zu 70 Schmierereien

Dafür zieht Lauchs auch im Süden der Bundesrepublik seine Kreise. In Bamberg sind im vorigen Jahr über Anzeigen zu 70 Schmierereien eingegangen. Wobei eine Anzeige aus einer Straße auch mehrere Schmierereien betreffen kann. Der dort damit befasste Polizeihauptkommissar Michael Scharf: „Der Schaden beträgt inzwischen weit über 10 000 Euro.“

Auffällig geworden ist die Verbindung zwischen den Taten in Sachsen und Bayern, nachdem festgestellt wurde, dass der betreffende Radebeuler Jugendliche, gegen den ermittelt wird, nach Bamberg zum Studium gezogen ist und sich dort die neuen Graffiti häuften.

In der 70 000-Einwohnerstadt Bamberg sind Schriftzüge wie in Radebeul und Dresden an Gebäuden, Brücken und Häuserwänden aufgetaucht, sagt Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch von der bayerischen Staatsanwaltschaft.

Bereits zuvor hatten sich die Anzeigen mit Lauchs-Graffiti auf fast 50 im Revierbereich Meißen gehäuft. Der geschätzte Schaden in Radebeul liegt bisher bei 23 000 Euro. Besonders übel traf es beispielsweise gerade frisch sanierte und gebaute Gebäude der hiesigen Wohnungsgenossenschaft Lößnitz. Die Vorstände der Wohnungsgenossenschaft, wie auch die vielen anderen Geschädigten, hofften, nachdem die Polizei bereits 2015 einen Berg von Indizien zusammengetragen hatte, dass die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt. Doch die zog zurück. Mit der Begründung, dass der und die Täter auf frischer Tat mit Beweisen erwischt werden müssten. Die damit befasste Staatsanwältin stellte schließlich das Verfahren ein.

Wohnung des Verdächtigen durchsucht

Nicht so in Bayern. Von dort kam ein Amtshilfeersuchen nach Sachsen, um die Wohnung des Verdächtigen zu durchsuchen. Jörg Kretzschmar, Leiter des Kriminaldienstes vom Revier Meißen mit Sitz in Radebeul sagte, dass dabei umfangreiches Beweismaterial gefunden wurde. Dazu gehöre beispielsweise auch elektronisches Datenmaterial wie Videos und Fotos. Dies alles befinde sich noch in der Auswertung.

Oberstaatsanwalt Christoph Rosenbusch in Bamberg sagte im Telefonat mit der SZ, dass das gefundene Material sehr umfangreich sei. Er rechne in den nächsten sechs Wochen mit einer Entscheidung, ob Anklage erhoben werden kann oder nicht.

Die Geschädigten, hier, in Bayern und an der Nordsee hoffen darauf.