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Samstag, 05.03.2016

Langsamer Abschied von Deutschland

Noch immer leben viele Asylbewerber aus den Balkanländern im Landkreis Görlitz. Das ändert sich nun.

Von Jan Lange

Adjere aus Mazedonien (links) muss Abschied nehmen.
Adjere aus Mazedonien (links) muss Abschied nehmen.

© Matthias Weber

Fürs Foto huscht Adjere ein Lächeln übers Gesicht. Doch zum Lachen ist der jungen Mazedonierin nicht zumute. Mit ihrer Familie sollte das Mädchen diese Woche in die Heimat zurückkehren. Ein knappes Jahr waren sie in Deutschland, in dieser Zeit hatte Familie Ramadanova gehofft, hier ein besseres Leben beginnen zu können. Doch die Chance auf Asyl war gering – spätestens nachdem ihr Heimatland Mazedonien im November 2014 von der Bundesregierung auf die Liste der sicheren Herkunftsstaaten gesetzt wurde.

Da Adjeres Vater krank ist, wollen sie ihn nun in der Heimat weiterbehandeln lassen. Während die Schülerin das erzählt, rollen Tränen übers Gesicht. Mit ihrer freiwilligen Rückkehr nach Mazedonien kommen sie einer drohenden Abschiebung zuvor. Das ist im Interesse des Landkreises. Der versucht verstärkt, Asylsuchende vom Balkan zurückzuschicken. Mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), das die dezentral untergebrachten Flüchtlingsfamilien betreut, hat der Landkreis einen Vertrag zur Rückkehrberatung abgeschlossen. Die Asylbewerber sollen davon überzeugt werden, freiwillig in die Heimat zurückzukehren. Wie Ordnungsamtsleiterin Elke Glowna, die für Flüchtlinge und Asylbewerber zuständig ist, erklärt, gelte der Grundsatz: Freiwillige Ausreise hat Vorrang vor staatlichen Zwangsmaßnahmen.

Familie Ramadanova ist nicht die einzige, die Deutschland und den Kreis Görlitz wieder Richtung Balkan verlässt. Die Zahl der Rückkehrer aus diesen Ländern sei zuletzt etwas angestiegen, heißt es vom Landkreis. Bestätigen kann das Veronika Kushmann, Leiterin der Burgteichschule in Zittau. In ihrer Einrichtung gibt es den sogenannten Deutsch-als-Zweitsprache-Unterricht (DaZ), den auch Adjere Ramadanova besucht hat. Erst in der vorigen Woche war erneut ein Kind aus dem Kosovo weggegangen. Die Jugendlichen, die neu in die DaZ-Klassen kommen, stammen fast ausschließlich aus Syrien oder Afghanistan.

Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sind 2015 über ein spezielles Rückkehrerprogramm bundesweit mehr als 37 000 Asylbewerber in ihre Heimatländer zurückgegangen. Der Anteil der Rückkehrer aus den Balkanstaaten beträgt dabei fast 90 Prozent. Dennoch, so erklärt Frau Glowna, leben im Landkreis Görlitz immer noch viele Asylsuchende aus den sicheren Herkunftsstaaten in Südosteuropa und Nordafrika. Wie deren Bleibeperspektive sei, darüber könne die Landkreisverwaltung keine pauschale Aussage treffen. Das müsse sehr differenziert betrachtet werden.

Nach wie vor gelte der Grundsatz der Einzelfallprüfung auch für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsstaaten. In sehr seltenen Fällen, so die Chefin des Kreisordnungsamtes, haben Flüchtlinge aus sicheren Heimatländern eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Dennoch gibt es Familien aus dieser Region, deren Asylantrag genehmigt wurde. Andererseits sollte vorigen Sommer eine achtköpfige Familie aus Tschetschenien, die seit Anfang 2015 in Zittau lebt, abgeschoben werden. Das scheiterte am schlechten gesundheitlichen Zustand der Mutter. Noch heute, ein Dreivierteljahr nach der versuchten Abschiebung, lebt die tschetschenische Familie in Zittau.