Donnerstag, 03.01.2013

Kuchenberge und Watteschnee

Das Meißner Stadtmuseum zeigt die populärste deutsche Trickfigur – das Sandmännchen. Die Schau erfreut sich so großer Beliebtheit, dass sie jetzt bis Mitte Februar verlängert wird.

Von Udo Lemke

Eines der zahlreichen Gefährte, mit denen das Sandmännchen immer wieder die Zuschauer überraschte. Foto: Claudia Hübschmann
Eines der zahlreichen Gefährte, mit denen das Sandmännchen immer wieder die Zuschauer überraschte. Foto: Claudia Hübschmann

Mehr als 10.000 kleine und große Besucher sind seit Ende November bereits in die einstige Klosterkirche am Meißner Heinrichsplatz gekommen. So viele zählt das Museum der Porzellanstadt sonst manchmal nicht im ganzen Jahr. Der Grund: Das Sandmännchen, die populärste deutsche Trickfigur, die seit mehr als einem halben Jahrhundert allabendlich die Kinder vor den Fernsehern versammelt, macht Station im Museum. Natürlich als „leibhaftige“ Puppe, aber auch in Bild und Film.

Was man sonst nur aus dem Fernsehen kennt ist dank des Berliner Sandmannstudios nun im Original zu sehen. Etwa die vielen Fahrzeuge, mit denen der Sandmann kommt. Da ist eine alte Postkutsche zu sehen, Schlitten aller Art sind zu bewundern, dazu Spezialgefährte wie Kräne, Mähdrescher, Traktoren, Rübenhäcksler und Straßensprengwagen. Nicht zu vergessen die Autos und Omnibusse. Und den Mittelteil der Ausstellung nehmen Schienengefährte und Schiffe ein. Alte Dampfloks, moderne Straßenbahnen und Fähren sind zu sehen. Eines der Schiffe trägt am Heck die DDR-Fahne – Schwarz-Rot-Gold mit Ährenkranz, Hammer und Zirkel.

Sie erinnert daran, dass das Sandmännchen wie es heute bundesweit über den Kinderkanal kommt, ein Produkt der DDR ist. Der erste Abendgruß flimmerte am 8. Oktober 1958 beim Deutschen Fernsehfunk über die Mattscheiben. Im April 1959 war das Sandmannlied fertig, und seit November 1959 war das Sandmännchen regelmäßig zu sehen. Die bislang letzte Sandmannfigur wurde 2009 gefertigt. Seitdem wird mit Archivmaterial gearbeitet. „Insgesamt wurden 457 Filme gedreht, davon 103 ab 1993.“

Die Meißner Ausstellung wäre ohne Standfotos aus diesen Filmen nicht komplett. Sie erlauben den reizvollen Vergleich von Filmobjekt und Filmbild, etwa wenn der Sandmann in einem gelben Unterseeboot gezeigt wird und dieses auch in der Ausstellung zu sehen ist.

Was die „Auftritte“ des Sandmännchens betrifft, so haben sich die Filmemacher einiges einfallen lassen. So kommt es etwa auf Delfinen geritten, schwebt an einer Pusteblume hängend ein oder ist als tollkühner Kosmonaut zu sehen. Aber auch die zahlreichen Nebendarsteller in den Sandmannfolgen werden in Meißen gewürdigt. So gibt es einen orientalischen Basar mit verschiedenen Puppen – vom feilschenden Händler bis zu grimmigen Wachsoldaten – zu bewundern. An der Szenerie eines Weihnachtsmarktes begeistert der Schnee aus Flies und Watte, an der des Schlaraffenlandes die Berge aus Kuchen und Torte.

Selbst einen Einblick in das Innenleben des Sandmännchens gewährt die Ausstellung: Ein Kasten stellt dar, woraus eine Trickfigur überhaupt besteht – vom Drahtskelett bis zum Puppenkostüm.

„Sandmann, lieber Sandmann...“, Stadtmuseum Meißen, Heinrichsplatz 3, verlängert bis 17. Februar, geöffnet von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: Erwachsene 3 Euro, Ermäßigte 2 Euro, Telefon: 03521-458857

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