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Mittwoch, 27.01.2016

Knobloch warnt vor Antisemitismus

Charlotte Knobloch hält eine politische Rede, als sie am Holocaust-Gedenktag an die Opfer der NS-Zeit erinnert. Ihre Worte haben vor allem mit der Gegenwart zu tun. Probleme der Zuwanderung spart sie dabei nicht aus.

Charlotte Knobloch auf der Gedenkveranstaltung im Plenarsaal des Landtages in Dresden.
Charlotte Knobloch auf der Gedenkveranstaltung im Plenarsaal des Landtages in Dresden.

© dpa

Dresden. Der Antisemitismus stellt nach Ansicht der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, eine wachsende Gefahr in ganz Europa dar. „Die alten Dämonen drohen zu erwachen, auch in Deutschland, auch in Europa“, sagte Knobloch am Mittwoch bei einer Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus im sächsischen Landtag: „Jude - das habe ich persönlich erlebt - ist wieder ein Schimpfwort.“

„71 Jahre nach dem 27. Januar 1945 kann jüdisches Leben oft nur unter Polizeischutz stattfinden. Sieben Jahrzehnte nach der Shoa werden auch in Europa wieder Menschen ermordet, weil sie Juden sind. Ein Armutszeugnis, vor dem wir die Augen nicht verschließen dürfen“, betonte die Hauptrednerin der Gedenkfeier. Die jüdische Gemeinschaft blicke mit Sorge in die Zukunft. Am 27. Januar 1945 hatte die Rote Armee überlebende Häftlinge im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit.

Ausführlich widmete sich Knobloch der Flüchtlingskrise. „Es gehört zu den unschönen Wahrheiten, dass Antisemitismus in vielen Heimatländern der Geflüchteten selbstverständlich ist“, betonte sie. Der Hass gegen Israel sei vielfach Staatsräson. Die Radikalisierung muslimischer Jugendlicher müsse eingedämmt werden: „Wer den Rechtsstaat abschaffen und einen Gottesstaat etablieren möchte, hat hier nichts verloren.“

Judenfeindlichkeit sei aber nicht nur ein Problem unter Muslimen. Sie müsse nicht erst nach Deutschland importiert werden. „Antisemitismus wuchert an den schmutzigen Rändern rechts und links, aber er keimt auch in der bürgerlichen Mitte auf“, sagte Knobloch. Antijüdische Schmierereien und Schändungen, Zuschriften und Anrufe seien Alltag. Im Internet kenne der Hass keine Grenzen und Hemmungen mehr.

Knobloch ging auch auf Sachsen ein. Leider gebe es hier besonders viele Gleichgesinnte mit einer Ideologie, die von Feindseligkeit und einem Weltbild geprägt sei, das alle gesellschaftlichen und politischen Institutionen unter Generalverdacht stelle - auch die Medien: „Pegida, Legida und Co sind keine Patrioten. Sie sind Scharfmacher, Brandstifter, die an Flammen zündeln, welche noch in den Zwischenräumen unseres Gemeinwesens schwelen.“

Das betreffe auch Teile der AfD. „Frau Dr. Petry, ich kann Sie und ihre Fraktion nicht aus der Verantwortung nehmen“, sagte Knobloch und richtete sich direkt an die Saal sitzende Bundeschefin der Alternative für Deutschland, Frauke Petry: „Ihre Partei bringt zu viele Gestalten und Thesen hervor, die nicht nur Geschmackssache sind, sondern radikal rechts, nationalistisch und somit gefährlich.“

Knobloch erhielt nach ihrer Rede minutenlangen Beifall. Außer ihr ergriffen auch Landtagspräsident Matthias Rößler und der stellvertretende sächsische Ministerpräsident Martin Dulig (SPD) das Wort. Auch Rößler prangerte offene Feindschaft und Ressentiments gegenüber Juden und Fremden an. Dulig stellte unter anderem Parallelen zwischen der Hetze in der NS-Zeit und in der Gegenwart her: „In den immer asozialeren Netzwerken tobt der virtuelle Mob.“ (dpa)