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Dienstag, 26.01.2016

Kleines Dorf, großer Kindersegen

Großnaundorf ist das kinderreichste Dorf Sachsens. Die Bewohner der kleinen Gemeinde im Westen des Landkreises Bautzen haben eine einfache Erklärung dafür.

Von Nicole Preuß

Collin (l.) und Amon und ihre Mütter Franziska Dorn (l.) und Julia Dziwok lernten sich in der Krabbelgruppe von Großnaundorf kennen. Entgegen dem Trend hat die 1000-Seelengemeinde keine Nachwuchssorgen.
Collin (l.) und Amon und ihre Mütter Franziska Dorn (l.) und Julia Dziwok lernten sich in der Krabbelgruppe von Großnaundorf kennen. Entgegen dem Trend hat die 1 000-Seelengemeinde keine Nachwuchssorgen.

© matthias schumann

Endlich Schnee. Collin und Amon staunen. Die beiden Jungs aus Großnaundorf sind erst ein Jahr alt. Weiße Flocken haben sie noch nicht oft gesehen. Und doch ist für sie schon eins klar: Sie werden wohl in Zukunft keine Probleme damit haben, Freunde für die Schneeballschlacht zu finden. Denn Auswahl haben sie im Dorf genug. Collin und Amon gehören zu den 17 Großnaundorfer Babys, die im Jahr 2014 in der kleinen Gemeinde bei Pulsnitz zur Welt kamen. So viele Kinder wie hier wurden bezogen auf die Einwohnerzahl nirgendwo in Sachsen geboren.

Die Mütter von Collin und Amon kennen sich aus der Krabbelgruppe. Babys gibt es hier schließlich genug. Einige Mütter waren schon vorher befreundet. „Das Schwangerwerden ist fast schon ein bisschen ansteckend.“ Franziska Dorn lacht. Die 27-Jährige lebt schon seit Jahren in Großnaundorf. Sie wohnte als Kind in dem Ort und kam als Jugendliche wieder zurück. Viele in ihrem Alter machten es so wie sie. Die meisten von ihnen bringen ihre Kinder nun wieder in den Kindergarten, in den sie einst selbst gegangen sind. Die Kita „Kleine Strolche“ liegt am Fußballplatz von Großnaundorf. Carola Klemm ist die Leiterin der gemeindeeigenen Einrichtung. Erst vor wenigen Monaten konnte sie den neuen Anbau in Betrieb nehmen. 20 neue Plätze entstanden in dem Haus. „Und nun sind wir schon fast wieder überbelegt“, sagt sie. Die nächsten freien Plätze gibt es jetzt erst wieder 2017 zu vergeben.

Bürgermeister Jürgen Kästner will mit Blick auf die stolze Geburtenrate in seinem Dorf nicht an einen Zufall oder einen Stromausfall glauben. „Der Zusammenhalt in unserer Gemeinde und in unseren Vereinen ist immer da, obwohl wir in finanzieller Hinsicht nicht sehr verwöhnt sind“, sagt er. „Aber wir machen immer das Beste draus.“ Das gilt auch für die Familien. Einkaufsmöglichkeiten gibt es außer einem kleinen Laden kaum. Der Arzt kommt einmal die Woche zur Sprechstunde. Sonst halten immer mal Bäckerwagen oder das Sparkassenmobil im Ort. Doch viele schätzen gerade die Abgeschiedenheit und doch wieder die Nähe zur Autobahn und damit zu Dresden.

So auch Franziska Dorn und ihr Mann, die derzeit noch zur Miete wohnen. Doch das soll sich bald ändern. Sie wollen ein Haus bauen. Natürlich in Großnaundorf.

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