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Freitag, 21.04.2017

Keine Sonderkommission „Zebrastreifen“

Für den Oster-Schabernack von Schwarzkollm gibt es neben Kritik von offizieller Seite auch viele Sympathie-Bekundungen.

Von Ralf Grunert

Der auf die Schwarzkollmer Dorfstraße gesprüht Zebrastreifen ist beseitigt. Die Stadt rechnet mit Kosten von rund 500 Euro. Eine Anzeige wird erstattet.
Der auf die Schwarzkollmer Dorfstraße gesprüht Zebrastreifen ist beseitigt. Die Stadt rechnet mit Kosten von rund 500 Euro. Eine Anzeige wird erstattet.

© Polizei

Teils lustig, teils ernst fielen die Reaktionen auf den Zebrastreifen aus, den Unbekannte über Ostern in Schwarzkollm auf die Hauptstraße gesprüht haben. Dienstag begann die Beseitigung. Tags darauf war die Straße wieder blank. Die „Zebrastreifen Marke Eigenbau“, wie sie im Polizeibericht bezeichnet wurden, sorgen allerdings für Diskussionen im Dorf und im Internet.

So befasste sich natürlich der Schwarzkollmer Ortschaftsrat bei seiner Zusammenkunft in dieser Woche mit dem Thema. „Wir haben gleich eine Sonderkommission «Zebrastreifen» eingerichtet, zur Ermittlung der Delinquenten“, scherzte Ortsvorsteher Peter Michala im Gespräch mit TAGEBLATT. Den Vorfall selbst bezeichnete er allerdings als einen schweren Eingriff in den Straßenverkehr. „So etwas geht auf gar keinen Fall“, stellte er klar.

Weder der Ortschaftsrat noch die Polizei haben bislang Erkenntnisse über den oder die Zebrastreifen-Sprayer. Es ist davon auszugehen, dass es sich um einen Schabernack handelt, wie er im Sorbischen in vielen Dörfern traditionell zu Ostern praktiziert wird. Gewöhnlich werden aber eher Hoftore ausgehängt. Der Schwarzkollmer Schabernack dürfte daher durchaus einen ernsthafteren Hintergrund haben.

Die Verkehrsbelastung auf der Dorfstraße ist enorm und steht seit Jahren in der Kritik. Vor allem die Geschwindigkeiten, mit denen viele Fahrzeuge unterwegs sind, bereiten Sorgen. Der Blitzerkasten im Ort hat da nur eine punktuelle Bremswirkung. Ein Zebrastreifen hätte zwar auch nur eine solche, böte aber Fußgängern die Möglichkeit, vorrangig vor dem Fahrzeugverkehr halbwegs sicher die Straße zu überqueren.

Ein Gedanke, der im Internet auf Sympathie stößt, wie Kommentare bei Facebook zeigen. „Was der Staat/die Stadt nicht hinbekommt, nehmen eben engagierte Bürger selbst in die Hand. Dabei sind Zebrastreifen so einfach und viel sicherer für Kinder“, schreibt zum Beispiel Christoph Schwierz. Und Florian Lehmann findet: „Hätten se den (Zebrastreifen - Anm. d. Red.) gelassen, sieht ja fast normgerecht aus, nur noch paar Schilder hin und dann passt das.“ Den Nagel auf den Kopf hat wohl Maik Gude getroffen, der schreibt: „Vielleicht wünschen sich die Bewohner einen sicheren Übergang zumindest für die Kinder.“ Und tatsächlich spielte dieses Thema im Ortschaftsrat schon mal eine Rolle, wie Peter Michala bestätigt. Daher wundert er sich auch nicht, dass die Zebrastreifen-Aktion im Haus Engedi, das vor allem auch von Kindern und Jugendlichen genutzt wird, durchaus positiv zur Kenntnis genommen wurde, wie er hörte. Direkt vor dem Haus Engedi waren die Streifen auf die Straße gesprüht worden.

Das darf man getrost als einen deutlichen Fingerzeig verstehen. Allerdings nicht automatisch als Auftrag an den Ortschaftsrat, sich für einen Zebrastreifen im Dorf stark zu machen, wie Peter Michala sagt. „Man kann darüber diskutieren“, steht er dem Thema offen gegenüber.

Ob es Sinn hat, überhaupt eine solche Diskussion zu entfachen, ist die Frage. Da es in Deutschland für so gut wie alles und damit auch für das Anlegen von Zebrastreifen Richtlinien gibt, sieht man im Hoyerswerdaer Rathaus jedenfalls kaum Chancen für einen solchen in Schwarzkollm. Die Anzahl der die Straße querenden Menschen sei einfach zu gering, heißt es.